Posts by HCS

    Er überfrachtet mich oft. Auf mich wirkt das sehr bedrängend, erst recht wenn er voraussetzt, dass seine Hilfe immer richtig ist. Kommt bei mir übergriffig an.

    Und deshalb ist es wichtig, ihm Deine Bedürfnisse und eben auch wenn es Dir zuviel wird in der notwendigen Deutlichkeit zu kommunizieren. Menschen, die anderen Menschen helfen wollen und dabei übergriffig wirken, tun dies (von den paar Narzissten abgesehen) i.d.R. aus Unsicherheit, wie viel Hilfe nötig ist und in dem Wunsch, nicht zu wenig zu tun. Es ist nicht immer einfach, da als der Hilfsbereite die richtige "Tonlage" zu treffen, gerade wenn man weiß, dass der andere "niemandem zur Last fallen" will. Vereinbart da klare Worte, und dazu gehört, dass Du ihm gegenüber erst sagst "Danke, reicht", wenn es tatsächlich reicht, und er nicht das Gefühl hat, erraten zu müssen, was Dir auch noch helfen würde.

    Ich versuche mich selbst zu schützen vor all dem Druck. Und das sagt er auch. Deswegen ist er ja so überzeugt davon, "es ist NUR dieser Druck" in meiner eigenen Wahrnehmung, sonst nichts.
    Und das macht mir noch mehr Druck, weil ich gerne mal dieses Phänomen loswerden will.

    Den Verdacht, dass der Druck von innen kommt, hatte ich nach Deiner Beschreibung auch schon. Ist das nur die Angst, den anderen zu enttäuschen oder gar zu verlieren, oder höre ich dahinter noch richtig heraus: "Ich will niemandem zur Last fallen"? Solltest Du gelegentlich aber, das tut u.U. auch den anderen gut. Mein Vater war so ein Fall (übrigens auch VA), den mussten wir quasi dazu zwingen, zu Hause zu bleiben und nicht ins Hospiz zu gehen für seine letzten Wochen. Wir waren hinterher alle kaputt, sind aber heute, 13 Jahre später, immer noch froh, ihm das ermöglicht zu haben. Du beanspruchst in Deiner Situation Deine Mitmenschen nun aber weit weniger als er damals. Nimm das deshalb ruhig in Anspruch, denn es fühlt sich bescheiden an, einem nahestehenden Menschen nicht helfen zu können. Gönne es Dir und Deinen Nächsten, einmal zu sagen "es geht grad nicht mehr". Für mich las sich Deine Beschreibung Deines Freundes nicht so, als würde er zu denen gehören, die dann davonlaufen. Aber dazu gehört eben auch - und das hast Du ja erkannt - dass Du Deine Bedürfnisse in aller Deutlichkeit rüberbringst.

    Ob Essen dick macht oder nicht hängt wenig vom Preis ab. Und auch nicht nur von den Kalorien pro Preis - denn manches Essen macht einfach nicht satt und führt dann dazu, dass man mehr Kalorien isst, als man eigentlich müsste.

    Nicht ganz die Realität: das billigste Zeug wird am stärksten mit (teils verstecktem) Zucker aufgepeppt. Und der führt dazu, dass man schnell wieder Hunger hat, weil er so schnell durchrauscht. Insofern gilt im Schnitt schon: Billig macht dick, eben weil man dadurch mehr Kalorien zu sich nimmt als nötig und auch mehr als man realisiert.

    Jetzt hat mein So-Sein eine Kategorie, einen Namen. Dadurch wird meine eigene Identität weder geschmälert noch bereichert. Aber ich kann begreifen, was in mir passiert.

    Momentan spüre ich als erste innere Reaktion eine Art von Heil-werden mit mir und der Welt.

    Das beschreibt sehr gut, wie es mir erging. Bei mir war es noch nicht einmal die Diagnose, das war nur noch formeller Vollzug, sondern die Erkenntnis, dass AS sehr viel erklären würde (kam als Folge der Diagnose meiner Tochter), also bereits der Verdacht. Meine Frau beschreibt das so, dass ich im ersten Jahr danach schon fast euphorisch gewesen sei, einfach, weil ich auf einmal begriffen habe, dass vieles in meinem Leben, das ich als Versagen gesehen hatte, keine vermeidbaren Fehler gewesen waren, sondern AS. Meine leichte Meise, von deren Existenz ich immer wusste, hatte auf einmal einen Namen, und sie erklärte gleich noch ein paar andere Ärgernisse wie z.B. die Flatterei - weil sie sich doch als etwas größer erwies als vermutet. Eher Kohlmeise als Blaumeise.

    Wenn ich mich richtig erinnere, was dazu hier schon geschrieben wurde, ist es wohl nicht nur bei mir eine Frage des Alters, in dem die Erkenntnis bzw. Diagnose kommt. Je älter man ist, desto eher neigt man zu Erleichterung im Rückblick auf vergangenes Mißgeschick und "Fehler", und umgekehrt ist die Erkenntnis, dieses Päckchen - entgegen allen bisherigen Hoffnungen, irgendwie doch noch "normal" zu werden - bis zum Lebensende mittragen zu müssen, in jüngerem Alter naturgemäß schmerzhafter.

    Was sollte Mensch im Privatleben erreichen?

    z.B. eine Beziehung - wahrscheinlich kann sich niemand der nicht selbst in der Situation ist/war vorstellen, was es heißt Jahr um Jahr zu hoffen, dass es irgendwie doch noch klappt, gegen alle Wahrscheinlichkeit weil es ja noch nie geklappt hat, und das über die 30 oder wie bei mir über die 40 hinaus.

    sehr spät mit 32 Jahren

    Ich habe mit 59 entdeckt, dass ich womöglich ins Spektrum falle - Diagnose mit 61...

    Und zwar kann ich meine Asperger Diagnose immer noch nicht ganz akzeptieren.

    Nicht akzeptieren im Sinne: Du wehrst Dich dagegen oder: Du zweifelst daran? Daran zweifeln wird sich womöglich nie ganz legen, wenn Du trotz AS ein halbwegs normales Leben führen kannst. Immer wieder begegnen mir hier im Forum Berichte von Usern, die so deutlich schlechter dran sind als ich, dass ich mich mal wieder frage, ob ich meine Symptome nicht dramatisiere. Aber dann kommen auch wieder Momente, wo ich genau weiß, warum ich doch noch zum Psychiater gegangen bin. Diese Stimmungsschwankungen scheinen dazuzugehören. Nebenbei, von wegen Liebe: Ich war 43, als ich meine erste Beziehung hatte (dafür hält die seit über 20 Jahren).

    Meltdowns kenne ich von mir irgendwie gar nicht.

    Ich auch nicht - heutzutage. In meiner Kindheit war das anders, da konnte ich durchaus das Rumpelstilzchen geben. Und zwar deutlich heftiger als meine Geschwister, also nicht das normale Kindergeschrei, weil etwas nicht funktioniert.

    Versicherungen machen auch ein bisschen was aus.

    Im Supermarkt?

    Bei großzügiger Herangehensweise wären >1000 € für Lebensmittel problemlos machbar.

    Klar, machbar ist viel. Würde ich auch hinkriegen, aber ich schätze, dass es dafür einmal in der Woche ein schönes großes Steak bräuchte, oder frischen Fisch der oberen Kategorie.

    Am meisten verschwenden tun wir bei Pizzataxi

    O.K., da kann man natürlich Geld raushauen (wobei das bei mit auch nicht unter Supermarkt läuft). Ich gebe zu, da ist mir die selbstgemachte Pizza mit hochwertigem Belag lieber, und die kriege ich deutlich unter 10.- Euronen hin (für 3, nicht pro Nase).

    800.- sind 27.-/Tag - da liegen wir wohl etwas drunter, und bei Lebensmitteln sind wir nicht sparsam; Fleisch gibt es z.B. nicht aus dem Supermarkt, sondern vom Metzger im Dorf, und Brot kommt vom kleinen Bäcker. Dabei rechne ich allerdings den gelegentlichen Whisky und den guten Wein nicht mit, denn das sind keine Lebensmittel, sondern purer Luxus - gönnt man sich, wenn es geht, und lässt es, wenn es nicht geht. 150.- pro Nase und Monat wäre machbar, wenn es sein müsste - Einschränkung ja, Problem nein. Ich kriege auch mit 6.- Euro ein frisch gekochtes Abendessen für 3 hin.

    Ich habe mal gehört, dass es noch Banken geben soll, die kräftig abkassieren, wenn Daueraufträge nicht ausgeführt werden

    Na ja, es verursacht durchaus Kosten, und die stellt man dem Kunden dann in Rechnung, und zwar so ziemlich jede Bank. Aber wenn Du es machst wie @Coocy geschrieben hat, kann das ja sowieso nicht passieren - wenn der DA unmittelbar nach dem Datum liegt, an dem spätestens Dein montlicher Geldeingang kommt, ist auf jeden Fall Deckung vorhanden.

    Eben. ich bin als Kind drauf konditioniert worden, brav die Hand zu geben und beim Sprechen mein Gegenüber anzuschauen, also: Symptome zu kaschieren, nicht mich zu verbiegen. Finde ich gut - kostet mich nicht viel Energie, und ich bin nicht gleich beim Erstkontakt auffällig. Solange es nicht soweit geht, dass sich der ganze Mensch ändern muss (was es unter dem Titel ABA halt auch gibt), spricht mE nichts dagegen.

    Ist ja nicht so verlinkt, das man da die Antworten gleich ankreuzen kann und eine Auswertung kriegt, aber
    - einen (kleinen) Teil der Antworten kriegt man wohl mit solider Allgemeinbildung hin
    - ein Teil ist typisches Auswendiglernen (ok, ist das med Staatsexamen auch)
    - ein Teil ist bürokratisches drumrum - wichtig für die Berufsausübung (was darf ein HP), aber kein eigentliches Fachwissen
    - und den allergrößten Teil ergoogle ich Dir in maximal einer Stunde. Klar, das heißt, dass ich es nicht weiß, sondern nur weiß, wie ich es finde, aber eben auch, dass es ziemlich einfach ist. Für die 75% reicht es unter Garantie.

    Ich bin zwar wie geschrieben durchaus der Meinung, dass der Beruf des Heilpraktikers eine Existenzberechtigung hat - aber das heißt nicht, dass ich die fachlichen Minimalbedingungen für anspruchsvoll oder gar ausreichend halte. Und verzeih, dass ich deutlich werde - jemand, der in einem thread, in dem es um die Sammlung von Sachinformationen zu Corona geht, mehrfach leicht erkennbare Schwurbelei sowie Pharma-Werbung verlinkt und dann noch von Zensur schreibt, wenn das Zeug nicht goutiert wird, ist nicht geeignet, das Ansehen des Berufsstandes zu heben, ganz im Gegenteil. Für mich bedienst Du damit alle negativen Klischees. Kann selbstverständlich sein, dass Du trotzdem zu der Minderheit der guten HPs gehörst - aber auf mich als wohlwollend-skeptischen Zeitgenossen wirkst Du nicht überzeugend. Und der Versuch, einen Multiple-Choice-Test, den jeder halbwegs Informierte mittels Google gelöst kriegt als Qualitätsnachweis zu präsentieren macht es nicht besser.

    Das liegt daran, dass Ärzte nur sehr wenig Zeit haben. Die Kasse zahlt einfach zu wenig. Bei Privatpatienten sieht das dann anders aus.
    Der Heilpraktiker kann eines richtig gut: Zuhören. Viel mehr brauchen die meisten gar nicht. Den Leuten noch ein bißchen völlig überteuerten Zucker verkaufen und beide sind glücklich.

    Solange der Heilpraktiker seine fachlichen Grenzen kennt, finde ich das vollkommen in Ordnung. Je inbrünstiger der Patient an den Heilpraktiker glaubt, desto stärker der Placebo-Effekt, und wenn der für eine Heilung ausreicht - wunderbar. Ich teile zwar Deine Einschätzung, dass in dem Beruf die Scharlatane und Spinner überwiegen, aber die anderen gibt es auch. Besser die Leute gehen zu einem der seriösen Heilpraktiker als zu den Scharlatanen mit Doktortitel, denn die gibt es ja ebenfalls - Ärzte, die rein homöopathisch arbeiten, und noch viel schlimmer sind Gestalten wie Köhnlein oder Hamer.

    Ich sehe bei der zweiten Diagnostik, welche konträr zur ersten ist, nicht das Problem zu verifizieren, welches die richtige ist. Wenn z.B. bei der ersten Diagnose eine Assistenzärztin und bei der zweiten ein Prof mit Spezialgebiet Autismus,

    Das war eine falsch-negative Diagnose, der Artikel behauptet aber 2/3 falsch-positive - und die werden fast nie später überprüft. Und es gibt hier im Forum durchaus Fälle, wo von zwei als gut geltenenden Diagnosestellen abweichende Diagnosen kamen, wo der Fall also keineswegs klar ist.

    Kann es denn dazu überhaupt verlässliche Zahlen geben?

    Nein, wo sollten die herkommen? Dafür gehen viel zu wenige Leute ein zweites Mal zur Diagnostik, und dann ist da ja immer noch das Problem, dass man nicht weiß, welche der beiden Diagnosen denn nun falsch ist, die erste, positive oder die negative.

    Dafür belastbare Zahlen zu kriegen ist methodisch ausgeschlossen, und was die damals in Marburg gemacht haben, ist schlicht methodischer Pfusch der übelsten Sorte - solche Mängel bei der Dastenbeschaffung dürfen einem solchen Laden nicht passieren.

    Das Ding ist doch schon ein paar Mal hier verlinkt worden, und es wird auch durch Lagern nicht besser. Ist methodisch totaler Unsinn, weil sie über die Krankenkassendaten gehen. Kein Arztbesuch oder Therapie wegen AS = kein AS? Natürlich Quatsch, aber so haben sie die Zahlen gewonnen. Dann wäre meine Tochter auch eine Fehldiagnose: 2016 diagnostiziert, bis Anfang 2017 Ergo - seit 2018 Fehldiagnose? oder vielleicht Heilung?

    macht nichts solange es für den Master Titel reicht …

    Genau das dürfte oft dahinter stehen. Dass kein großer wissenschaftlicher Durchbruch zu erwarten ist, ist klar. Aber der Student kann "zeigen, dass er die Methoden des Faches beherrscht" (so oder ganz ähnlich steht es in allen Prüfungsordnungen drin). Dass man dadurch auch einen kleinen zusätzlichen Datensatz hat, ist eher ein Kollateralnutzen (so die Arbeit denn gut genug ist - wenn nicht, ist aber auch kein Schaden entstanden). Die Entwicklung des Fragebogens ist meist Teil der Arbeit, da kann schon deshalb kein standardisierter verwendet werden. Deshalb spielt es bei diesen Arbeiten oft auch keine Rolle, dass man in Internetforen eher keine repräsentative Stichprobe erwischt - es geht v.a. um die Ausbildung, nicht um das Ergebnis.

    Ich sehe (seit ich von AS weiß) nicht den Vergleich mit anderen, wo die mehr geschafft haben bei ähnlichen Voraussetzungen, sondern eher, dass ich eigentlich in der Summe ganz gut zurechtgekommen bin trotz AS - auch wenn es jetzt für die letzten beiden Jahre vor der Rente gerade schlecht aussieht, und das liegt an den schlechten Netzwerken. Aber das belastet nicht mein Selbstbewusstsein - ich weiß ja, wo es herkommt, und ich weiß, dass ich trotzdem fachlich gut bin.

    Belastet hat AS immer das Selbstbewusstsein im sozialen Bereich, aber das ist eigentlich logisch - damit die regelmäßige Erfahrung, es einfach nicht hinzukriegen, nicht negativ auf das Selbstbewusstsein wirkt, müsste man schon ein gewaltiges Ego haben. Aber da ich ja mit 43 trotzdem noch eine Frau gefunden habe, mit der ich nun fast 20 Jahre "unfallfrei" verheiratet bin, habe ich zumindest keinen Grund, in diesem Punkt des Sozialen an mir zu zweifeln - das Problem bestand in der Beziehungsanbahnung, nicht im Führen einer Beziehung (da habe ich auch ohne Erfahrungswerte immer angenommen, dass ich das schon hinkriegen würde).

    Bei mir glaube ich schon, dass jemandem etwas auffallen kann (Blickkontakt, Körpersprache, Bewegungen vor allem), nur dass das gleich die Wertung "ungeschickt" verdient, möchte ich hinterfragen

    Da habe ich ein Beispiel aus eigener Erfahrung: in meiner ersten Woche bei der Bank, als ich im Schalterbereich die Standardabläufe kennenlernen sollte, kam eine Kundin, die irgendetwas relativ simples wollte, wo ich aber - ganz neue Umgebung, neue Tätigkeit, unbekanntes Gegenüber - nicht sofort und souverän reagieren konnte. Daraufhin wandte sich die Kundin an einen Kollegen, der ein paar Meter weiter stand "Der junge Mann (ich war immerhin schon 34) scheint mir etwas unbeholfen, könnten Sie bitte...". Doch, in der entsprechenden Situation kann das schon ungeschickt wirken, und der ADOS zielt ja genau darauf ab, solche Situationen herbeizuführen, um dem Diagnostiker ein Urteil zu ermöglichen.