Keine Hilfe annehmen wollen

  • Hallo, ich wüsste gern von euch, ob ihr Hilfe annehmen könnt, wie leicht/schwer euch das fällt, falls schwer mit welchen Strategien schafft ihr es trotzdem?

    Ich mag (nach langjährigen Erfahrungen damit) einfach keine offiziellen Hilfen (ambulant betreutes Wohnen) mehr beantragen, werde bei dem Gedanken richtig aggressiv - nur leider kann ich ohne Hilfe auch nicht allein wohnen, was ich grundsätzlich sehr gerne würde.

    Mich nervt dieses Abhängigsein - wenn ich doch erlebe, ohne Reizüberflutung mein Leben gut selbst regeln zu können. Das Können bricht bloß bei einer objektiv betrachtet (und nach autistischem Burnout nochmal viel schneller) geringen Reizbelastung schon zusammen, regelmäßig.

    Würde mich über Erfahrungen und Gedanken von euch freue .

  • Ich sehe das Thema Philosofisch:

    1. Das aktuelle Wirtschaftssystem fordert einen erheblichen Anteil des Erwirtschafteten von jedem Einzelnen von uns. Die offizielle Begründung dafür ist das Sozialsystem.

    2. Aufgrund des aktellen Wirtschaftskurses, wird es immer fordernder, am Erwerbsleben teilzunehmen. Obwohl immer mehr Menschen in diesem unnatürlichen System "unter die Räder kommen", wird es von der ansoluten Mehrheit der Europäer erwählt. Da diese Mehrheit aber die Rechte der wenigen, die mit dem System nicht klarkommen, aushebelt, ist es zumindest rechtens, auch diesen Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen.

    3. Solange ich gezwungen bin, die Regeln der Anderen zu folgen, haben die Anderen im Gegenzug die Pflicht, mir ein würdiges Leben zu ermöglichen.

    Ich bin sogar überzeugt, dass es eine Schuld der Gesellschaft gibt, Sozialleistungen zu erbringen! Schließlich verbieten mir diese sogar, in einer selbstgemachten Hütte im Wald zu leben. Ich werde gezwungen, bei dem "gesellschaftlichen Spiel" teilzunehmen.

    Es gibt Menschen, die schwimmen immer mit dem Strom. Andere schwimmen oft gegen den Strom. Und ich finde den verdammten Fluss nicht!

  • Auch wenn es nicht um Hilfen geht, wie du sie beschreibst, annehmen kann ich Hilfe auch nur sehr schwer bis gar nicht.

    Aktuell bräuchte ich welche. Habe auch liebe Angebote. Aber ich kann nicht. Das Gefühl des Versagens wäre zu stark.

    Ich käme nicht einmal mit jemandem als Unterstützung zum Saubermachen klar.

    Annehmen geht nur, wenn ablehnen nicht mehr machbar ist 😕

  • Crispin , so ging es mir auch lange. Aber diese Einstellung hat sich mit der Diagnose bei mir verändert. Schließlich ist diese 40 Std/Woche Leistungsdruck-Welt offensichtlich nicht für mich gemacht. Dafür, dass ich sie "ertrage" und finanziere, obwohl ich sie gar nicht so haben will, gebührt mir auch eine Gegenleistung.

    Es gibt Menschen, die schwimmen immer mit dem Strom. Andere schwimmen oft gegen den Strom. Und ich finde den verdammten Fluss nicht!

  • Padeiro das ist leicht gesagt. Wenn ich jetzt aussteige, hatte man maximalen Nutzen und ich maximale Abzüge. 34 Jahre im Hamsterrad und dann nimmt man genüsslich den Bonus für die letzten 10 Jahr weg.

    Andererseits nutzt mir alles nichts, wenn ich das offizielle Going Home nicht erlebe...

  • Zum Glück bin ich relativ umgänglich und habe kein Problem damit, Hilfe anzunehmen (z.B. Hilfe im Haushalt). Es geht mir besser damit, also warum soll ich alleine weiter wurschteln.

    Von Sozialleistungen möchte ich aber nicht abhängig sein, weil ich mir auch mal was leisten will. Ich arbeite Teilzeit, das gibt es nämlich auch noch zwischen null und 100.

    Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
    (Howard Zinn)

  • Hallo,


    ich habe keine Probleme Hilfe an zu nehmen, insbesondere von Leute die ihr Geld damit verdienen zu helfen. Diese haben es zu ihrem Beruf gemacht. Ich bin aufgrund meiner Wohnform abhängig von Sozialleistungen. Aber das sehe ich als Schuld der Gesselschaft, sie wollen nicht dass ich sterbe dann sollen sie dafür sorgen das mein Leben lebenswert ist.

    Etwas schwerer tue ich mir hilfe von Freunden anzunehmen, da ist das Ding dass es eine gewisse Waage halten muss zwischen Hilfe annehmen und Hilfe geben.


    Liebe Grüße

    Lea

  • Ich nehme sehr ungern Hilfe an. Bei Bekannten geht es etwas besser, die müssen aber dann schon sehr hartnäckig sein.

    Von Leute, die damit ihr Geld verdienen bin ich sehr oft enttäuscht worden, inzwiychen informiere ich mich genau (Forum, SHG) was ich erwarten kann, bevor ich nochmal 'blauäugig' da vorstellig werde.

  • Ich kann Hilfe annehmen, wenn ich danach frage und mir sie jemand anbeitet, von dem ich was halte.

    Sonst eher nicht.

    Ruhe und Freiheit sind die größten Güter. (Beethoven)

  • Danke für eure Antworten!

    An die von euch, die ihr Hilfe annehmen könnt: wie stellt ihr sicher, dass euch in eurem Sinne geholfen wird? Das erfordert ja Kommunikation ("das will ich, das will ich nicht"), die mir schon zuviel ist. Dh ich bräuchte Hilfe dabei, Hilfe zu bekommen.

    Danke Padeiro für das Teilen der philosophischen Sicht, das hilft etwas gegen die Scham (nicht arbeiten gehen zu können, Transferleistungen zu erhalten). Meine Mutter sagt immer, ich sei eine sehr geringe Belastung für die Welt (zb wenig Konsum, kein Pendeln zur Arbeit mit dem Auto, keine Flugreisen usw), das finde ich witzig und hilft auch etwas.

    Crispin, hoffe du findest einen Weg!

    Ich glaub, ich könnte Hilfe annehmen, wenn jemand sie mir anböte, die ich mag, für kompetent und für belastbar genug hielte. Von der ich wüsste, dass sie selbst mit dafür Sorge trägt, dass unsere Kommunikation gelingt. Leider wirke ich wohl zu kompetent und unabhängig, schon immer haben Menschen um mich her Hilfe angeboten bekommen und ich nicht. Selbst wenn ich gefragt habe, wurde ich nicht gehört bzw nicht ernst genommen.

    Und dem hilfesystem vertrau ic nicht mehr, da geht es mir wie dir, Mora.

  • Das erfordert ja Kommunikation ("das will ich, das will ich nicht"), die mir schon zuviel ist. Dh ich bräuchte Hilfe dabei, Hilfe zu bekommen.

    Ich sage was ich brauche, bzw. was mir hilft....bei meiner Hausärztin funktioniert das gut, sie fragt was mir gut tut u wie sie mich dabei unterstützen kann.

    Ich hab oft mehrfach nach Hilfe fragen müssen, bis sie dann überhaupt kam verging viel Zeit oder sie kam gar nicht.

    Das ist eher die Regel statt die Ausnahme, ich werde oft kompetenter eingeschäzt als ich bin. Seit ich hier im Forum bin, hab ich noch nie einen eigenen Threat erstelkr mit einer Fragesrellung, fällt mir auf.

    Allerdings werde ich sehr oft gebeten zu helfen, beruflich, in der SHG oder früher auch in Vereinen. Da ich mir sehr viel selber helfen muss, hab ich nicht viel übrig, bzw. fällt es oft nicht so aus wie gewünscht.

  • Ich habe wenig Problem, Hilfe anzunehmen, aber ein großes Problem, um Hilfe zu bitten. Weil ich als sehr kompetent wahrgenommen werde, will ständig wer was von mir und kaum eine:r sieht, wie sehr ich selbst Hilfe brauche. Ich müsste auch viel viel intensiver und klarer sagen: "ich brauche jetzt das und jenes", statt "nur" zu sagen, dass ich am Limit bin und es nicht mehr lange gut geht und dann zu warten, dass jemand etwas von sich aus anbietet. Aber ich habe immer das Gefühl ich störe und bin eine Belastung für andere und ich will ja niemanden über Gebühr beanspruchen...

  • Was mir gerade auffällt: Ich bin sehr gut darin, bei anderen zu erkennen, dass sie Hilfe brauchen.

    Bei denen, die ich sehr mag, auch, womit ich ihnen helfen kann. Deshalb gehe ich davon aus, dass die, die mir keine Hilfe anbieten, obwohl ich (aus meiner Sicht!) offensichtlich welche benötige, mich nicht mögen/ich ihnen nicht so wichtig bin wie sie mir.

  • An die von euch, die ihr Hilfe annehmen könnt: wie stellt ihr sicher, dass euch in eurem Sinne geholfen wird? Das erfordert ja Kommunikation ("das will ich, das will ich nicht"), die mir schon zuviel ist. Dh ich bräuchte Hilfe dabei, Hilfe zu bekommen.

    Es gibt ja die Redewendung "sprechenden Menschen kann geholfen werden", was bedeutet, dass man sagen muss, was man braucht, um es zu bekommen. Geht aber auch schriftlich. Ich schreibe möglichst viel per Mail. Wenn ich damit nicht weiterkomme, habe ich einen ehrenamtlichen Helfer, der dann z.B. anrufen kann.

    Bei Ärzten klappt das weniger gut, weil sie an schriftlichen Infos kein Interesse haben.

    Im Bekanntenkreis bitte ich nicht um Hilfe, weil ich da mit gar niemandem so eng bin, dass es angebracht wäre, um Hilfe zu bitten (meiner Ansicht nach). Am Arbeitsplatz kann es schon passieren, dass ich mal einen Kollegen frage, wie etwas geht. Bis dahin habe ich dann aber schon eine Weile versucht, es alleine hinzubekommen, d.h. ich frage nicht sofort, sondern erst, wenn ich wirklich nicht weiterkomme.

    Besonders schwierig finde ich Situationen, wo man jemandem etwas sagen müsste, was demjenigen voraussichtlich nicht gefallen wird.

    Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
    (Howard Zinn)

  • Ich habe wenig Problem, Hilfe anzunehmen, aber ein großes Problem, um Hilfe zu bitten. Weil ich als sehr kompetent wahrgenommen werde, will ständig wer was von mir und kaum eine:r sieht, wie sehr ich selbst Hilfe brauche.

    Kommt mir bekannt vor. Viele denken "Der ist stark und macht sonst auch immer alles also fragen wir ihn um Hilfe", aber keiner will es verstehen wenn mir die Kräfte ausgehen. Ich schaffe es nur nicht wirklich das den anderen zu vermitteln.

    Mein Nutzernahme kommt nicht von ungefähr (RW)

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