Traumatisierung durch Psychiatrieaufenthalt?

  • Gibt es irgendwelche Fachliteratur (oder Studien) zum Thema Traumatisierung durch Psychiatrieaufenthalt (oder Ähnliches)?

    Normalerweise würde ich sowas selbst recherchieren, aber wenn man mit entsprechenden Suchwörtern sucht, findet man eher Literatur zum Thema Psychiatrieaufenthalt wegen Traumatisierung...

    I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.

  • Vielleicht helfen diese Links weiter...?

    Am meisten findet man über Traumatisierung bei Zwangseinweisung oder Zwangsbehandlungen...

    https://www.apk-ev.de/fileadmin/downloads/Band_25.pdf

    Psychiatriekritik | Sozialhelfer

    Selbstkritik eines Faches: Psychiatrie ist heilbar
    Trägt Psychiatrie mehr zur Chronifizierung der Leiden bei als zur Therapie? Wo Symptomfreiheit als unbedingtes Behandlungsziel gilt, bleiben die krank…
    www.faz.net

    Marc Rufer: Traumatisierung in der Psychiatrie

    Zwangsbehandlung macht krank
    Wer andere Menschen aufgrund einer psychischen Erkrankung gefährdet, kann unter Zwang in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden. Was auf den ersten…
    www.deutschlandfunk.de
    Oft Opfer von Gewalt – auch in Kliniken
    Geschlagen, vergewaltigt, bedroht – die meisten psychisch Kranken haben in ihrem Leben bereits massive Gewalt erfahren. Davor sind sie auch in psychiatrischen…
    www.aerztezeitung.de
  • Natürlich ist es individuell. Mir geht es mehr darum nachzuweisen, dass eine solche Gefahr überhaupt gegeben ist. Sonst heißt es nur schick wen in ne Anstalt und er wird in Ordnung gebracht. Und wenn der da nicht hin will oder weg will wird das pauschal gegen ihn ausgelegt, egal was er erlebt hat.

    Danke für die Links. Werd ich mir ansehen. Habt ihr auch was zu Kindern und Jugendlichen?

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  • Wenn unter den genannten Suchbegriffen nichts brauchbares rauskommt, du suchst ja nach Fachliteratur, dann würde ich es mal mit "Nebenwirkungen Psychiatrie/Psychotherapie" probieren und evtl. sogar bei der Ethikkommission nachfragen ob die dir weiter helfen können.

  • Lex Solltest du noch zusätzliches Material finden: Ich würde das grundsätzlich auch gerne lesen.

    Moderatorenbeiträge sind an der grünen und fetten Schrift erkennbar! Alles andere stellt meine persönliche Meinung als Forennutzerin dar.

  • Oh ja, das Problem hatte ich auch lange. Und das obwohl ich freiwillig in die Psychiatrie gegangen bin, ich wollte keine Möglichkeit auslassen die mir helfen könnte. Leider wars umgekehrt....

    Auf der mittlerweile nicht mehr in Netz befindlichen Seite http://www.zopph.ch/index.php?s=traumaselbsthilfe
    waren ein paar gute Tipps zu finden. Ich finde die Seite auch auf web.archive.org nicht.

    Aber ein paar Zitate hatte ich mal in einen Blog geschrieben und ich habe die Zitate noch

    Quote

    Warnung vor falschen Hoffnungen
    Sollten Sie sich zur Verarbeitung Ihrer Psychiatrie-Traumata an einen Psychiater wenden, wird er Ihnen erfahrungsgemäss einzureden versuchen, in der Klinik hätte man Sie auf diese Weise doch nur vor dem Suizid bewahrt, es nur gut mit Ihnen gemeint, [das Gleiche kommt auch vom Psychotherapeuten, Anmerkung von mir] Sie sollten das alles nicht so aufbauschen, sondern jetzt ganz einfach zur Normalität zurückkehren usw. usf. [...]
    Dass Sie von einem Psychiater nichts zu erwarten haben, überrascht Sie inzwischen nicht mehr. Doch leider müssen wir Sie nun auch noch darauf aufmerksam machen, dass Sie mit grosser Wahrscheinlichkeit auch von Ihren Angehörigen und selbst von Ihren Freunden sehr wenig Unterstützung erhalten werden, mindestens dann, wenn diese noch keine Erfahrung mit der Zwangspsychiatrie haben.
    Sie werden feststellen, dass Ihnen nicht geglaubt wird, was Sie erzählen. Viel eher werden Ihnen Ihre einstmals Vertrauten zu verstehen geben, dass so etwas in der Schweiz schlicht nicht möglich ist, Sie das alles nur so sehen, weil Sie ja eben gerade psychotisch waren. Je verzweifelter Sie versuchen, Ahnungslose von Ihren Erlebnissen zu überzeugen, desto tiefer stecken diese ihren Kopf in den Sand, denn am besten lebt es sich noch immer nach dem Motto: Was nicht sein darf, ist auch nicht.
    Falls doch ein Angehöriger genügend Anteilnahme aufbringt, Ihnen bis zum Schluss zuzuhören, wird er Sie nach Ihrem Bericht Dinge fragen, die Sie nur noch mehr verletzen, weil Sie einsehen müssen, dass er nichts begriffen hat. Er wird Sie dann fragen, ja, warum Sie denn Ihrem Psychiater nicht gesagt hätten, die Medikamente würden bei Ihnen Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe, Unruhe usw. auslösen, dann hätte er sie gewiss sofort abgesetzt; ja, warum Sie ihm denn nicht gesagt hätten, sie fühlen sich unter Mitpatienten besser als in der Isolierzelle; und warum Sie dem Personal denn um Gottes Willen nicht gesagt hätten, dass die Fünfpunktfixierung Ihr Bedürfnis, sich zu suizidieren, nur verstärkt usw. Zur Nachspeise wird er Ihnen dann noch zu verstehen geben, dass Ihre Psychiater ganz bestimmt ihre Gründe für diese Behandlung gehabt hätten, schliesslich seien sie entsprechend ausgebildet sowie im Umgang mit Psychiatrie-Patienten erfahren und wüssten garantiert besser als Sie, was für Patienten gut ist.
    So furchtbar das bereits ist, es kommt noch ärger: Sie werden feststellen, dass Sie Ihr Umfeld mit Ihren Erzählungen überfordern und es sich von Ihnen zurückzuziehen beginnt.

    Weiter unten gute Selbsthilfetipps

    Besonders frustrierend finde ich auch, wenn Angehörige darauf bestehen, dass der Psychiatrieaufenthalt notwendig war, weil man sich ansonsten draußen umgebracht hätte, das steht für viele Angehörige auch unumstößlich fest. (Und ist argumentativ immun. Wie belegt man denn "was wäre gewesen, wenn....")

    Um von der Psychiatrie traumatisiert zu werden, braucht man auch gar nicht eingesperrt oder zwangsmedikamentiert werden, vieles andere kann auch dazu führen

    Dazu habe ich auch mal einen Blog-Eintrag geschrieben


    Was mir sehr geholfen hat, über das Psychiatrie-Trauma weitgehend (leider nicht ganz vollständig, manchmal ploppt noch was hoch) hinter mir zu lassen, war, dieses Buch zu lesen

    Kate Millett: The Loony Bin Trip (Titel der deutschen Übersetzung: Der Klapsmühlentrip)

    Die Autorin schreibt im Nachwort, dass sie durch das Schreiben dieses Buches ihr Psychiatrietrauma los geworden ist. Und den Lesern kann es dabei auch helfen, solche Effekte zwischen Erschaffern eines Werks und den Rezipienten sind bekannt. (Zum Beispiel hilft es trauernden Leuten oft, Musik zu hören, die der Komponist geschrieben hat, während er selbst trauerte.)

    Das erste Drittel des Buches fand ich ziemlich zäh und langatmig, das ändert sich dann aber weiter hinten im Buch, ab da habe ich es dann ziemlich schnell durchgelesen und kaum mehr aus der Hand gelegt, bis ich durch war.

    "The humanity we all share is more important than the mental illnesses we may not" - Elyn Saks

    Edited once, last by Cranach: Ein Beitrag von Cranach mit diesem Beitrag zusammengefügt. (July 10, 2024 at 9:47 PM).

  • Es ist schon ein Armutszeugnis, dass Psychiatriepatienten mit den seelischen Wunden, die die Psychiatrie ihnen zugefügt hat, alleingelassen werden, und sich anschließend durch Kreuzworträtsel lösen selbst kurieren sollen... oder wie?!

    Ich meine Ablenkung durch Fernsehen etc. kann sich jeder selbst verschreiben nach vor oder anstelle eines Psychistrieaufenthalts, aber das ist dann eher Verdrängung als Traumabewältigung. Besser als nichts, ich weiß, aber dennoch irgendwie traurig.

    Und es kann auch nicht sein, dass dieses "die sind doch eh verrückt, denen glaubt das später eh niemand" ein Freibrief sein soll, um hilflose Menschen unangemessen zu behandeln. Wobei manchmal sind es sogar Dinge, die die Mitarbeiter durchaus zugeben und rechtfertigen, die für den Einzelnen dennoch traumatisierend sein können. Alleine schon dieses "wir behandeln alle gleich" kann sehr viel Schaden anrichten.

    I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.

  • Nachtrag, ich habe da noch einen Blogeintrag von mir zum Thema gefunden


    Es ist schon ein Armutszeugnis, dass Psychiatriepatienten mit den seelischen Wunden, die die Psychiatrie ihnen zugefügt hat, alleingelassen werden, und sich anschließend durch Kreuzworträtsel lösen selbst kurieren sollen... oder wie?!

    Ich meine Ablenkung durch Fernsehen etc. kann sich jeder selbst verschreiben nach vor oder anstelle eines Psychistrieaufenthalts, aber das ist dann eher Verdrängung als Traumabewältigung. Besser als nichts, ich weiß, aber dennoch irgendwie traurig.

    Und es kann auch nicht sein, dass dieses "die sind doch eh verrückt, denen glaubt das später eh niemand" ein Freibrief sein soll, um hilflose Menschen unangemessen zu behandeln. Wobei manchmal sind es sogar Dinge, die die Mitarbeiter durchaus zugeben und rechtfertigen, die für den Einzelnen dennoch traumatisierend sein können. Alleine schon dieses "wir behandeln alle gleich" kann sehr viel Schaden anrichten.

    Absolut Deiner Meinung. Leider ist die Situation tatsächlich so.

    Das Lesen des oben genannten Buches von Kate Millett war allerdings bei mir wirklich überraschend hilfreich. Seitdem bin ich die schwere Last weitgehend los.

    Was mir außerdem noch hilft, weil es etwas Sicherheit gibt, ist, dass ich zusammen mit einer Anwältin eine Patientenverfügung geschrieben habe.

    Nützlicher Artikel zum Thema: https://www.zeit.de/2010/37/M-Pati…komplettansicht

    Und ich habe einiges an Geld zurück gelegt, das ausschließlich dazu da ist, die Anwältin und die Prozessaufwendungen zu bezahlen und sonstige Kosten zu decken, falls ich es gegen meinen Willen mit Psychiatrie zu tun bekommen sollte. Es ist allein dafür da, von der Psychiatrie zu befreien.

    Muss man sich natürlich leisten können, die Möglichkeit hat leider nicht jeder.

    "The humanity we all share is more important than the mental illnesses we may not" - Elyn Saks

    Edited once, last by Cranach: Ein Beitrag von Cranach mit diesem Beitrag zusammengefügt. (July 10, 2024 at 10:11 PM).

  • Ich finde das Thema spannend, da ich bis vor gut zwei Jahren dachte, ich schaffe gar kein normales und weitgehend eigenständiges Leben da draußen und war von 2020 - 2022 mehrmals und mehrmals lange in der Psychiatrie und ein Mal auch in der Psychosomatik. Ich würde nicht sagen, dass es mir gefallen hat, aber die Tage waren strukturiert und vorhersehbar, die Mitpatienten waren nicht wie Außenstehende hochnäsig (RW), sondern jeder war ja wegen einer eigenen Schwierigkeit dort. Das hat den Umgang meistens vereinfacht, manchmal auch verkompliziert.

    Ich bin dann eher sogar dem Hospitalismus verfallen und konnte mich nicht lange draußen zurecht finden.


    Eine schauderhafte Erinnerung habe ich jedoch, das war meine bisher schwerste, depressive Phase und dort habe ich einen Suizidversuch unternommen, verlor das Bewusstsein und wachte ein paar Stunden später in einem Schockraum einer Notaufnahme wieder auf. Ich bekam Panik als ich an mir herunter sah und mehrere Zugänge gelegt worden sind, ich fing mit hyperventilieren an und man konnte mich nicht beruhigen, sodass sich die Behandler dazu entschlossen, mich aufgrund einer ausstehenden Untersuchung (CT), mit Tavor und Haldol ruhigzustellen. Das war eine der letzten Dinge, die ich noch registriert habe, dann war ich wieder weg und über die Nacht in einer Art Wachkoma, ich war nicht komplett weggetreten, aber auch nicht wirklich anwesend. Keinen Schimmer wie viel die mir verabreicht haben.

    Am darauffolgenden Tag ging man dann wohl davon aus, dass ich nicht freiwillig zurück in die Psychiatrie gehen würde, sodass man mich mit Polizeikräften zurück eskortierte, obwohl von mir keinerlei Gefahr ausging.

    Diese ganze Situation habe ich mir zwar selbst zu zuschreiben, aber die Art und Weise wie gehandelt wurde, war nicht unbedingt glücklich. Für mich war es ein absoluter Kontrollverlust und zuletzt auch eine Demütigung, mir schaudert es beim rekapitulieren, aber traumatisiert bin ich davon nicht.

    Edited once, last by namenlos (July 10, 2024 at 10:22 PM).

  • OT da ich noch nie als Patient in der stationären Psychiatrie war. Allerdings hat mir schon der ambulante Kontakt dazu gereicht, um nach kurzer Zeit festzustellen, dass ausser mit Pillen der verschiedensten Art und strikt nach Schema F um sich geworfen wurde, mir dieser Exkurs null gebracht hat. Im Gegenteil, das vorher latent vorhandene RLS wurde durch ein Medikament so getriggert, dass ich nun starkes und behandlungsbedürftiges RLS habe und davon auch nicht wieder weg komme. Und unter dieser derzeitigen Medikation habe ich nach der erstmaligen Einnahme im Anschluss verstanden, warum Menschen von Dach springen oder anders tun. Es waren 2 Stunden, die ich NIE mehr wieder erleben müssen möchte.

    Total gegensätzliche Wirkung. Und ich hatte gedanklichen Halt. Sonst wüsste ich nicht, wie es ausgegangen wäre...

    Nie mehr. Und da ich anderweitig schon oft "drin" war, glaube ich, was berichtet wird durchaus.

  • Hier ist ein Zeitungsartikel über eine Psychiaterin, die irgendwann dann selber Psychiatriepatientin war. Sie ist dann aus der Klinik abgehauen.

    Gefangen hinter Sicherheitstüren
    Wenn die Ärztin Patientin wird, verschieben sich Perspektiven: Die Psychiatrieerfahrungen einer Psychiaterin, geprägt von Entwürdigung und Zwang
    taz.de

    "The humanity we all share is more important than the mental illnesses we may not" - Elyn Saks

  • Es ist mir auch erst vor Kurzem klar geworden, warum Psychiatrieaufenthalt so übel für mich war.

    Die Wirkung von Psychiatrieaufenthalt besteht größtenteils gar nicht im Inhalt der dortigen Therapien, sondern in der zwischenmenschlichen Begegnung. (ist in der Psychotherapie ähnlich)

    Wenn diese zwischenmenschliche Begegnung negativ ist, geht es einem nach dem Psychiatrieaufenthalt schlechter als vorher, war bei mir beides Mal der Fall. (ich habe gleich zwei Mal den Fehler gemacht, in eine Psychiatrie zu gehen, weil ich nach der ersten schlechten Erfahrung dachte, ich hätte halt Pech gehabt und eine schlechte Klinik erwischt.)

    Meine Vermutung, warum es zwischen Psychiatriepersonal und mir meistens nicht klappt, ist, dass unsere Mentalität, Erfahrungswelten und Wertvorstellungen ziemlich weit auseinander liegen, zwischen mir und 80 % der Leute, die in der Psychiatrie arbeiten.

    (Bei Leuten, die so verschieden sind, gibt es durchaus Fälle wo diese gut miteinander können, das klappt aber nur wenn sich beide gegenseitig mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen. Genau das ist in der Psychiatrie meistens nicht der Fall, da ist das Personal die Norm und der Patient falsch und krank, auch das was an ihm gar nicht krank ist, wenn es dem Personal nicht passt und/oder nicht verstanden wird, ist es krank und soll therapiert werden. Wenn man zufällig einigermaßen übereinstimmt, fällt die fehlende Augenhöhe nicht so auf, aber wenn die Wertvorstellungen und Ansichten verschieden sind, wird die Position ausgespielt.)


    Danke für die Links. Werd ich mir ansehen. Habt ihr auch was zu Kindern und Jugendlichen?

    bezüglich Kinder in der Psychiatrie habe ich hier mal Klinikbewertungen gefunden https://www.klinikbewertungen.de/klinik-forum/e…adt/bewertungen

    Quote

    Input ein Kind mit Schulleistungsschwächen - Output ein pseudo psyischisch krankes Kind

    (Es sind zwei verschiedene Bewertungen, meiner Vermutung nach geht es aber um denselben Jungen und denselben Klinikaufenthalt)

    "The humanity we all share is more important than the mental illnesses we may not" - Elyn Saks

    Edited once, last by Cranach: Ein Beitrag von Cranach mit diesem Beitrag zusammengefügt. (July 10, 2024 at 11:00 PM).

  • Ich würde nicht sagen, dass es mir gefallen hat, aber die Tage waren strukturiert und vorhersehbar

    Wenn du so lange dort warst, hast du dich an die dortige Struktur gewöhnt. Für viele Autisten, gerade auch Minderjährige, ist es jedoch ein Schock, eine Tagesstruktur aufgezwungen(!) zu bekommen, die in einigen Punkten gravierend von der gewohnten, Sicherheit gebenden Tagesstruktur abweicht. Beispiele für Dinge, die z. B. in Kinder- und Jugendpsychiatrien aufgezwungen werden können:

    - Was man zum Frühstück isst und / oder in welcher Reihenfolge (weil ein Toast mit Marmelade ja so ungesund ist)
    - Jeden Tag duschen müssen (und wenn man sich weigert voll bekleidet ins Wasser geworfen werden) (Weil es in der Klinik Personen gibt, die einnässen oder einkoten und man die Regel aber auch gelten lassen wollte für Personen, die es nicht tun)
    - Nicht unbeobachtet zur Toilette gehen dürfen solange man es nicht geschafft hat im direkten Beisein einer Aufsichtsperson Pipi in ein Gefäß zu pinkeln als Urinprobe (auch wenn die Person noch nie Drogen genommen hat oder dergleichen!), was dann darauf hinausläuft, dass die Person stundenlang einhalten muss, weil sie es nicht schafft vor anderen zu urinieren

    Usw. Soll heißen Ernährungsgewohnheiten, sensorische Empfindlichkeiten, Schmerzen, tiefsitzende Ängste usw. wird alles nicht berücksichtigt. Und wenn man sich mal in irgendeiner Situation stur zeigt, wird man von mehreren starken Typen gegriffen und durch die Gegend gezerrt / getragen (was übrigens auch retraumatisierend sein kann bei entsprechenden Vorerfahrungen) und in eine Gummizelle gesperrt.

    I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.

  • Natürlich ist es individuell. Mir geht es mehr darum nachzuweisen, dass eine solche Gefahr überhaupt gegeben ist. Sonst heißt es nur schick wen in ne Anstalt und er wird in Ordnung gebracht. Und wenn der da nicht hin will oder weg will wird das pauschal gegen ihn ausgelegt, egal was er erlebt hat.

    Leider wahr. Selbst 2023 erlebt. Der Entlassbericht lässt mich nicht gut dastehen. 3 Monate Traumatherapie ohne tatsächliche Traumatherapie. Vorenthalten der Medikation unter dem Vorwand einer Sucht, die auch nicht existiert. Nachfragen nach einer Begründung für solche Behauptungen blieben unbeantwortet. Medikamente wurden wiederholt mit Nachdruck „empfohlen“, bis mein Widerstand nicht mehr aufrecht zu halten war und dann wurde im Bericht vermerkt: „war einverstanden“. Ich musste während eines Feueralarms auf einem öffentlichen Parkplatz meine Medikation vor allen Mitarbeitern der Klinik und Patienten ausdiskutieren. Daraufhin bin ich abgereist. Im Bericht kein Wort von den Vorfällen. Aber ich wollte angeblich nicht bleiben, obwohl mir eine Weiterbehandlung bei Prof. Vogeley in Köln in die Wege geleitet werden solle. Angeboten wurde das tatsächlich über viele Wochen. Passiert ist nichts. Ich müsste halt wieder in diese Klinik zurück, damit das passieren solle. Angeblich. Glaub ich nicht dran.

    Ich bin immer noch sehr aufgebracht, wenn ich an den Aufenthalt denke. Und hier geht der Spaß weiter…

  • Ich halte 80 Prozent des Psychiatrieklinikpersonals für unterbelichtet, empathielos und abgestumpft. Und solche Leute sollen erkennen wie es mir geht? Missverständnisse und über griffiges Verhalten keine Seltenheit. Hauptsache man verhält sich so, wie es erwartet wird und möglichst wenig Arbeit macht. Und das habe ich am Ende getan. Das war vor 15 Jahren. Offenbar hat sich da noch nicht so viel getan.

  • AbOvo ja, ich glaube das war die Seite. Komisch, ich selbst habe sie im Webarchiv nicht gefunden. Danke.


    Ich halte 80 Prozent des Psychiatrieklinikpersonals für unterbelichtet, empathielos und abgestumpft. Und solche Leute sollen erkennen wie es mir geht? Missverständnisse und über griffiges Verhalten keine Seltenheit. Hauptsache man verhält sich so, wie es erwartet wird und möglichst wenig Arbeit macht. Und das habe ich am Ende getan. Das war vor 15 Jahren. Offenbar hat sich da noch nicht so viel getan.

    Eigentlich ist man ja dort, damit es einem besser geht, und nicht um zu lernen, wie man psychiatrie-intern stromlinienförmig wird.

    Aber ist halt totale Institution https://www.zeit.de/1973/10/eine-t…komplettansicht

    (Das ist ein Artikel von 1973 (!!), wie ich den auf zeit.de entdeckt habe während ich eigentlich einen anderen Artikel gesucht habe, da habe ich gedacht, ich lese diesen Artikel jetzt aus historischen Gründen. Aber es beschreibt vieles, wie ich es 2008/2009 in der Psychiatrie erlebt habe. Viele Details in dem Artikel stimmen natürlich nicht mehr, aber in seiner Grundaussage ist er erstaunlich aktuell geblieben.)

    Quote from Suada

    Und solche Leute sollen erkennen wie es mir geht?

    Und ja, bei vielen (nicht bei allen!!) vom Personal habe ich mir auch gedacht "Die wollen mir beibringen, wie ein gutes Leben geht, die kriegens ja selber nicht hin"

    "The humanity we all share is more important than the mental illnesses we may not" - Elyn Saks

    Edited 3 times, last by Cranach: Ein Beitrag von Cranach mit diesem Beitrag zusammengefügt. (July 11, 2024 at 7:55 PM).

  • "Die wollen mir beibringen, wie ein gutes Leben geht, die kriegens ja selber nicht hin"

    Naja, wen wunderts? Ich habe mal ein Praktikum gemacht in einer Einrichtung, die so eine Art Mischung aus Obdachlosentagesstätte, Beratungsstelle und Ort für Drogenkonsum per Injektion ist, wo Leute mit und ohne Alkoholproblem und sonstige Abhängigkeitserkrankungen, psychische Erkrankungen usw. ein und aus gehen, und habe irgendwann herausgefunden, dass einer der Ehrenamtlichen in Wahrheit selbst ein massiver Kiffer ist (so sehr, dass man den Gestank aus seinem Zimmer kaum rausbekam, was allerdings alles erst auffiel, als er sein Tätigkeitsjahr beendet hatte) und einer der festangestellten Mitarbeiter ein liebeskranker abgewrackter Typ ist, der offenbar ein Alkoholproblem hat (so sehr, dass er mich mal in der Nacht betrunken (vergeblich) geradezu angefleht hat, dass ich ihm nen Euro oder so leihe, damit er sich ein Bier kaufen kann, was ihm am nächsten Tag sichtlich peinlich war...).
    Offenbar hat der tägliche Umgang mit dem Klientel doch nicht genug abschreckende Wirkung. Oder der Beruf zieht die falschen Leute an.

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