Symptome von Autismus (in Kombination mit ADHS)

  • Moin ūüėä

    Vor kurzem hatte ich einen Termin zur ADHS Diagnostik und nachdem meine √Ąrztin mir geraten hat, auch eine ASS Testung durchzuf√ľhren, bin ich nun mit beidem diagnostiziert.

    Ich frage mich teilweise, was nun meine genauen Symptome sind. Manchmal √ľberschattet glaube ich mein ADHS und mein unbewusstes Masking einige Symptome, die dann vorwiegend im gesch√ľtzten Raum zu Hause durchkommen. Dadurch zeige ich dann keine mega offensichtlichen Symptome, bin aber in sozialen Situationen auch nie ‚Äěich selbst‚Äú.

    Blickkontakt und Mimik

    W√§hrend der Diagnostik habe ich gelernt, dass andere Menschen wohl Emotionen an der Mimik ablesen k√∂nnen. Nachdem ich in der Schule irgendwann realisiert habe, dass eine Mitsch√ľlerin mir im Gespr√§ch immer in die Augen geschaut hat, habe ich mir im Alltag angew√∂hnt, Menschen in die Augen zu schauen, was auch oft ok ist (manchmal aber auch unangenehm intensiv), aber ich mache es nicht, weil ich das Bed√ľrfnis habe, sondern weil ‚Äěman das halt so macht‚Äú. Jahre sp√§ter habe ich dann auch gemerkt, dass ich es scheinbar teilweise √ľbertreibe und zu sehr in die Augen starre.

    Gesichter erkennen

    Allgemein f√§llt mir das Unterscheiden und Wiedererkennen von Menschen sehr schwer. Ich nutze daf√ľr glaube ich weniger das Gesicht, sondern viel mehr die Frisur der Menschen, sodass ich immer ein Problem habe, wenn sich grundlegend etwas √§ndert (pl√∂tzlich kurze Haare) oder generell, wenn mehrere Menschen aus demselben Kontext ‚Äě√§hnlich aussehen‚Äú (lange blonde Haare mit Zopf). Nach einiger Zeit schaffe ich es dann normalerweise, die Menschen auseinanderzuhalten, aber es dauert ziemlich lange. Wer die Zwillinge (die ich noch nicht kannte) auf einem Mannschaftsfoto sind, konnte ich nur raten (eine hatte lange und eine kurze Haare).

    Soziale Interaktion

    Ansonsten ist soziale Interaktion oft anstrengend f√ľr mich. Wenn ich ein gemeinsames Interesse/Thema mit einer Person habe, kann ich auch dar√ľber reden und mich relativ wohl f√ľhlen. Wenn es aber zu Smalltalk kommt, bin ich aufgeschmissen und wei√ü h√§ufig nicht, was ich erz√§hlen soll. Vor ein paar Jahren habe ich die Erfahrung gemacht, dass eine Bekannte vom Sport mir ‚Äěrandom‚Äú Sachen erz√§hlt hat, die bei ihr so passiert sind (auf der Arbeit etc.). Vorher wusste ich irgendwie nicht, dass man das so macht. Ich wusste/wei√ü nie, wor√ľber ich so reden soll, wenn es nicht ein spezifisches Thema gibt. Manchmal reagiere ich auch total unangemessenen auf Erz√§hltes, ohne nachzudenken (ADHS?). Wenn eine Kollegin erz√§hlt, dass die vielleicht nochmal heiraten will, ist ‚ÄěWen willst du denn heiraten?‚Äú keine angemessene Reaktion. Auch habe ich Probleme, angemessen auf Emotionen anderer zu reagieren (wenn ich sie denn erkenne). Einmal schickte mich ein Freund zu einer gemeinsamen Bekannten, um diese zu tr√∂sten, nachdem sie gerade nach einem Konflikt mit ihrem Freund weinend weggegangen ist. Ich war total unbeholfen und √ľberfordert.

    √úberreizung

    Laute Ger√§uschkulissen sind eine Qual f√ľr mich. Ich w√ľrde mir am liebsten die Ohren zu halten und habe in planbaren lauten Situationen dann oft meine Kopfh√∂rer dabei, wenn die Situation es zul√§sst. Manchmal, insbesondere wenn ich mich konzentrieren oder meine Ruhe haben will, reichen schon leise Ger√§usche oder Bewegungen in meinem Blickfeld, um mich komplett zu stressen (ADHS oder Autismus?). Wenn ich zu Hause bin, f√ľhrt die √úberreizung h√§ufig zu Wutausbr√ľchen, was ich woanders gut im Griff habe.

    Routine vs. Spontanität

    H√§ufig liest man ja, dass Autisten strikte Routinen haben. Ich habe eher ein Problem, mich an Routinen zu halten. Ich bin gerne spontan, wenn ich eine Idee habe (ADHS?). Dann m√ľssen Dinge auch sofort gemacht werden und ich kann nicht warten. Wenn ich allerdings von der Spontanit√§t anderer √ľberrascht werde, bin ich ganz schnell √ľberfordert. Ich bin dann oft nicht in der Lage, die Idee an sich zu bewerten, sondern bin innerlich irgendwie panisch. Beispiel: Mein Freund fragt mich, ob wir auf dem R√ľckweg von irgendwo noch ins Caf√© wollen. Das habe ich nicht ‚Äěeingeplant‚Äú und daher stresst mich die Frage in dem Moment schon total. Es ist es ziemlich paradox, weil ich mir generell keine gro√üen Pl√§ne mache, sondern selber lieber spontan entscheide.


    W√ľrdet ihr die beschriebenen Eigenschaften als Autismus Symptome einordnen? Was sind andere typische Symptome, die ihr erlebt (evtl. auch in der Kombi mit ADHS)? Hier w√ľrden mir pers√∂nliche Ausf√ľhrungen/Beispiele helfen. Wenn man googelt, findet man ja h√§ufig eher oberfl√§chliche Standardstichpunkte wie soziale Schwierigkeiten. Mich w√ľrde interessieren, wie genau es sich bemerkbar macht.

    Danke schon einmal f√ľrs Lesen des doch sehr lang gewordenen Texts. Ich versuche gerade, meine Verhaltensweisen einzuordnen und mich besser zu verstehen.

  • F√ľr eine Autismusdiagnose m√ľssen folgende Symptome zwingend seit der Kindheit vorliegen:

    - stereotype Verhaltensweisen/Interessen (zB Spezialinteressen (nicht zu verwechseln mit Interessen/Hobbies), sich wiederholende Bewegungsmuster einzelner Körperteile oder des ganzen Körpers, striktes schwarz-weiß Denken, etc)

    - erhebliche Probleme in sozialen Interaktionen (kein intuitives, automatisches Verhalten, mangelnde Flexibilität, etc)

    - Kommunikationsbeeinträchtigungen

  • Hi,

    vielen Dank f√ľr deine Antwort. :)

    Mir ging es hier ein bisschen darum, diese Punkte genauer zu beschreiben und einzuordnen, also z.B.:

    erhebliche Probleme in sozialen Interaktionen

    Kommunikationsbeeinträchtigungen

    Wie genau √§u√üert sich das inkl. Beispiele? Bisher hab ich Vieles erstmal f√ľr "normal" bzw. meine Charaktereigenschaften gehalten. Au√üerdem gibt es ja denke ich auch viele "kleine" Punkte (/Symptome), die dann nicht so allgemeing√ľltig √ľberall zu finden sind, aber doch h√§ufig √§hnlich erlebt werden.

  • ...

    Mir ging es hier ein bisschen darum, diese Punkte genauer zu beschreiben und einzuordnen, also z.B.:

    Wie genau √§u√üert sich das inkl. Beispiele? Bisher hab ich Vieles erstmal f√ľr "normal" bzw. meine Charaktereigenschaften gehalten. Au√üerdem gibt es ja denke ich auch viele "kleine" Punkte (/Symptome), die dann nicht so allgemeing√ľltig √ľberall zu finden sind, aber doch h√§ufig √§hnlich erlebt werden.

    Anders herum wäre es einfacher. Wo vermutest du deine Kommunikationsbeeinträchtigungen und Probleme in sozialen Interaktionen?

  • Ich habe ja schon oben ein paar Punkte versucht zu beschreiben. Also bzgl. soziale Interaktion w√ľrde ich dann wahrscheinlich Punkte sehen wie:

    - unf√§hig, Smalltalk zu f√ľhren und Unwohlsein in Situationen, in denen das erwartet wird

    - in Meetings versuche ich extra nicht als eine der ersten da zu sein, um mich nicht am Smalltalk beteiligen zu m√ľssen

    - Blickkontakt angewöhnt, aber teilweise noch unangenehm und unfähig, das richtige Maß zu finden

    - Überforderung, wenn ich z.B. andere trösten soll

    - weiß nicht, wie ich mich mit jemandem anfreunden soll (ging immer von anderen aus) und Kontakt halten soll bzw. sehe es glaube ich auch nicht als besonders relevant an, jemandem andauernd zu schreiben und Dinge aus meinem Leben zu erzählen

    - weiß in Bekanntschaften/Freundschaften nicht, was und wie viel ich erzählen soll

    - immer Freundschaften gehabt, die auf Hobbies bezogen waren, nie wirklich emotional


    Kommunikationsbeeinträchtigungen:

    - ich kann Stimmung und Gef√ľhle nicht an Mimik etc. ablesen

    - ich habe ein sehr w√∂rtliches Verst√§ndnis und achte gef√ľhlt mehr auf logisch korrekte Aussagen als auf den Inhalt

    - korrigiere Aussagen anderer häufig

    - verstehe oft keine Ironie (versuche mir logisch abzuleiten, ob die Aussage ironisch war und erkenne das nicht an Mimik etc.), aber verwende selber oft Ironie

    - komme bei anderen manchmal arrogant r√ľber durch die Art und Weise wie ich Dinge sage, obwohl ich das √ľberhaupt nicht beabsichtige

    - telefonieren finde ich meistens schrecklich (auf der Arbeit mit klar definierten Themen, ist es ok; wenn ich privat Termine vereinbaren muss etc., schiebe ich es immer vor mir her und versuche es anders zu lösen)

    - ich hasse es, von Verk√§ufern etc. angesprochen zu werden und w√ľrde nie jemanden um Beratung bitten


    Die Bitte, weitere Beispiele zu teilen, r√ľhrt auch daher, dass ich selber nicht wirklich reflektiert bin und ich damit gerne pr√ľfen w√ľrde, ob es vielleicht √úberschneidungen mit meinem Verhalten gibt. Vielleicht gibt es ja Punkte, die ich noch gar nicht so betrachtet habe.

  • Du fragtest zwar nach pers√∂nlichen Erfahrungen, aber du fragtest auch nach Allgemeinen Beispielen. Daher guck gerne mal auf der Seite von White Unicorn e.V. unter der Rubrik: Erleben und Barrieren, dort findet man eine tolle Gliederung. (Bez√ľglich Autismus)

    Mein pers√∂nliches Erleben beschreibe ich immer mit zwei Bed√ľrfnis-Charakteren die sich teilweise sehr unterscheiden und teilweise sind sie sehr √§hnlich, dann kann ein Bereich entweder sehr gut funktionieren und andere Bereiche umso schlechter.

    Die Autistische-Seite möchte Ordnung, die ADHS-Seite lebt das Chaos (RW).
    Die Autistische-Seite möchte zielorientiert Aufgaben abarbeiten, die ADHS-Seite schafft es kaum an einer Sache alleine zu arbeiten. Plötzlich bin ich nicht mehr an der einen Aufgabe, sondern an der anderen, dann wieder die nächste usw.
    Die Autistische-Seite braucht die Struktur, die ADHS-Seite kann die Struktur nur schlecht einhalten.
    Die Autistische-Seite m√∂chte zwingend p√ľnktlich sein, die ADHS-Seite m√∂chte kurz vor dem Termin noch unbedingt dieses oder jenes schnell erledigen.
    Autismus hält verschiedene Reize kaum aus, ADHS braucht manchmal Reize um in den Antrieb zu kommen (wobei ADHS auch eine Reizfilterschwäche haben kann).

  • Bei mir ist das zu 99% identisch wie bei M771 und da ich nun auch beide Diagnosen habe, tue ich mich auch sehr schwer damit, es zu verstehen und zu unterscheiden. F√ľr mich klingt das alles recht widerspr√ľchlich und dennoch trifft das alles auf mich zu.

    Von daher werde ich hier mal mitlesen und versuchen, es zu verstehen und zu reflektieren.

  • Blickkontakt und Mimik --> Autismus

    Gesichter erkennen --> Autismus (optionales Zusatzsymptom, das bei Autismus recht häufig vorkommt. Ohne Autismus kennt man es auch als Prosopagnosie)

    Soziale Interaktion --> Hauptsächlich Autismus, wobei das Verhalten von ADHSlern ihnen auch einen schlechten Stand bescheren kann, aber so wie du es beschreibst, passt es eindeutig zu Autismus.

    Überreizung --> Autismus und ADHS, wobei in der von dir beschriebenen Ausprägung mehr noch Autismus. Davon unabhängig siehe auch Hyperakusis, AVWS, sensorische Integrationsstörung etc.

    Routine vs. Spontanität --> Routineanteile vom Autismus, Spontanitätsanteile vom ADHS.

    Hat dir das geholfen?

    I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.

  • Lex Und wie ist das, wenn man chaotisch ist und nichts so wirklich auf die Reihe bekommt, trotz strukturiertem Tagesablauf? Daf√ľr bin ich bei manchen Dingen sehr strukturiert, was zum Beispiel das Einr√§umen der Sp√ľlmaschine betrifft, wo alles immer den selben Platz hat und blo√ü nicht anders einger√§umt sein darf und alle Schubladen von mir beschriftet sind, wo was konkret hinkommt. Daf√ľr fange ich immer wieder neue Aufgaben an, ohne die vorherigen abzuschlie√üen.

  • Moin ūüėä

    Guntach

    Vor kurzem hatte ich einen Termin zur ADHS Diagnostik und nachdem meine √Ąrztin mir geraten hat, auch eine ASS Testung durchzuf√ľhren, bin ich nun mit beidem diagnostiziert.

    Me2, ist aber schon 14 Jahre her.

    Danke schon einmal f√ľrs Lesen des doch sehr lang gewordenen Texts.

    Genau, sehr lang. Deswegen habe ich es eher √ľberflogen.

    Gesichter erkennen

    Habe ich auch ordentlich Probleme mit und das hat auch schon mal heikle Situationen verursacht. Nur die Frisur zu merken reicht mir nicht.

    (ADHS oder Autismus?)

    Steht das nicht im Diagnosebericht? Bei mir steht im ADHS-Diagnosebericht genau aufgeschl√ľsselt, was also ADHS-Zeug ist und was f√ľr Autismus spricht. Daher wurde auch vorgeschlagen, nach dem ADHS-Test auch (irgendwo anders) einen Autismus Test zu machen.

    Die h√∂chste Form des Gl√ľcks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verr√ľcktheit. Erasmus von Rotterdam (1465/1469 - 1536)

  • Lex Und wie ist das, wenn man chaotisch ist und nichts so wirklich auf die Reihe bekommt, trotz strukturiertem Tagesablauf? Daf√ľr bin ich bei manchen Dingen sehr strukturiert, was zum Beispiel das Einr√§umen der Sp√ľlmaschine betrifft, wo alles immer den selben Platz hat und blo√ü nicht anders einger√§umt sein darf und alle Schubladen von mir beschriftet sind, wo was konkret hinkommt. Daf√ľr fange ich immer wieder neue Aufgaben an, ohne die vorherigen abzuschlie√üen.

    Das w√ľrde ebenfalls zu einer Mischung aus ADHS und ASS passen. Wobei es halt schon auch bei Normalos vorkommen kann.

    I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.

  • Alles, was hier schon beschrieben wurde, kenne ich von mir selbst auch, ich w√ľrde aber keine ADHS-Diagnose bekommen, weil ich die Kriterien davon nicht erf√ľlle. Aber man braucht f√ľr all das, z.B. Strukturen brauchen und nicht einhalten k√∂nnen, keine ADHS-Diagnose, das kann man auch mit AS alleine haben. Grund sind die exekutiven Funktionen. Ich vermute, dass es da graduelle Unterschiede gibt. Wenn die exekutiven Funktionen nur ein bisschen eingeschr√§nkt sind, kann man die Strukturen noch einhalten und nutzt das dann voll, um sich in Bezug auf AS angenehme Umst√§nde zu schaffen (z.B. Ordnung halten), und wenn sie st√§rker eingeschr√§nkt sind, dann geht das halt nicht mehr.

    Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
    (Howard Zinn)

  • Daher guck gerne mal auf der Seite von White Unicorn e.V. unter der Rubrik: Erleben und Barrieren

    Super, das schau ich mir mal in Ruhe an. Danke! Danke auch f√ľr die Beschreibung deines Erlebens. Das beschreibt mich glaube ich auch ganz gut.

    Hat dir das geholfen?

    Danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Das hilft auf jeden Fall, einmal die Bewertung von außen zu bekommen. :) Interessant, dass du die Überreizung vorwiegend dem Autismus zuordnest. Hatte es bisher immer beim ADHS gesehen.

    Und wie ist das, wenn man chaotisch ist und nichts so wirklich auf die Reihe bekommt, trotz allstrukturiertem Tagesablauf? Daf√ľr bin ich bei manchen Dingen sehr strukturiert

    Das passt auch sehr gut zu mir. :lol:Bin meistens recht chaotisch und unstrukturiert, aber manchmal hab ich dann doch eine bestimmte Ordnung, die bloß keiner stören darf...

    Steht das nicht im Diagnosebericht? Bei mir steht im ADHS-Diagnosebericht genau aufgeschl√ľsselt, was also ADHS-Zeug ist und was f√ľr Autismus spricht.

    Bei mir sind alle Tests, die gemacht worden sind, inkl. Ergebnissen aufgelistet. Also klar sind da auch grob "Symptome" aufgelistet, aber ich tu mich manchmal schwer damit, das dann auf meinen Alltag und konkrete Situationen zu √ľbertragen. Danke f√ľrs Antworten trotz des langen Textes. ūüėÖ

    ich w√ľrde aber keine ADHS-Diagnose bekommen, weil ich die Kriterien davon nicht erf√ľlle

    Interessant, dass du es auch nur mit AS so kennst. Die ADHS Medikamente wirken aber allein bei ADHS und nicht bei AS, oder? Bin nämlich da nun in der Eindosierung und merke auch, dass mir die Medikation bei einigen Punkten hilft.

  • Interessant, dass du die √úberreizung vorwiegend dem Autismus zuordnest. Hatte es bisher immer beim ADHS gesehen.

    Das Symptom wurde halt leider auch erst im ICD 11 in die Diagnosekriterien f√ľr Autismus aufgenommen. Fr√ľher wurde es quasi √ľbersehen oder zwar in der Fachliteratur sp√§ter auch erw√§hnt aber war halt nur so halb offiziell bzw. Hans Asperger hatte Kinder mit sensorischer √úberempfindlichkeit nicht als Autisten angesehen sondern anders eingeordnet (als Neuropathen) und bei den anderen hat er die sensorische Empfindlichkeit nicht bemerkt sondern das daraus resultierende Verhalten anders interpretiert. Allerdings lesen sich die Symptome von Aspergers Neuropathen tats√§chlich wie ne Mischung aus ASS, ADHS und sensorischer Intrigationsst√∂rung oder √Ąhnlichem.

    Da ASS eine F-Diagnose ist, schaut man auch eher nach Verhaltensauff√§lligkeiten und dergleichen und beschreibt das Syndrom entsprechend. Wenn sie zugeben, dass Autismus in erster Linie ein neuronales Problem ist und das Verhalten nur ein Resultat davon, w√ľrde es vielleicht aus der Sparte vom ICD ganz rausfliegen m√ľssen.

    Man kann es auch so ausdr√ľcken: Sowohl Autisten als auch ADHSler sind leicht durch √§u√üere Reize ablenkbar, weil sie diese nicht einfach wegfiltern / ignorieren k√∂nnen. Der Unterschied ist jedoch, dass ADHSLer auch leicht durch eigene Gedankenketten abgelenkt werden, zumindest wird das vornehmlich dem ADHS zugeschrieben. Zudem zeigen ADHSler seltener spezifische Verhaltensauff√§lligkeiten in Reaktion auf √úberreizung. Sie k√∂nnen zwar auch dann laut und aktiv oder sogar gewaltt√§tig werden, was man eher Impulsivit√§t dann zuschreibt, aber sowas wie z. B. Ohren zuhalten oder repetive Bewegungen ausf√ľhren kennt man mehr von Autisten. Und Autisten √§u√üern es wohl auch √∂fter direkt, dass sie sensorisch √ľberreizt sind. Hei√üt also die diagnostische Unterscheidung wird mehr anhand des Umgangs mit dem Problem und anhand der sonstigen Symptome gemacht.

    I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.

  • Die ADHS Medikamente wirken aber allein bei ADHS und nicht bei AS, oder?

    Weiß ich nicht. Aber eine gewisse Wirkung haben sie ja sogar bei Gesunden. Manche nehmen die Medikamente ja, um leistungsfähiger zu sein.

    Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
    (Howard Zinn)

  • M771 bitte gerne. Ich kann dir noch anderes empfehlen wenn du m√∂chtest.

    Shenya Was mir gerade in den Sinn kommt das mein ADHS Medikament in Bezug auf Autismus so funktioniert, dass ich mehr Konzentration habe, dann denke ich noch analytischer und noch mehr in Strukturen.

  • Aber eine gewisse Wirkung haben sie ja sogar bei Gesunden. Manche nehmen die Medikamente ja, um leistungsf√§higer zu sein.

    Beim Gesunden wirken sie aufputschend. Beim ADHSler dämpfend. Sie können sich so besser konzentrieren und fokussieren.

    Beim ASSler ohne ADHS m√ľsste es so wirken wie beim nicht-ASSler ohne ADHS, also aufputschend.

    Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung √§ndern w√ľrde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
    Dennoch kann auch ich Tippfehler √ľbersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.

  • Beim Gesunden wirken sie aufputschend. Beim ADHSler d√§mpfend. Sie k√∂nnen sich so besser konzentrieren und fokussieren.

    Auch bei Gesunden verbessern sie die Konzentration, daher frage ich mich, wie man den Unterschied merkt, ob sich die Konzentration wegen aufputschender/munter machender Wirkung verbessert oder weil Symptome von ADHS verringert werden. Wahrscheinlich muss man schon deutlich ADHS haben, um das genau sagen zu können.

    Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
    (Howard Zinn)

  • Auch bei Gesunden verbessern sie die Konzentration, daher frage ich mich, wie man den Unterschied merkt, ob sich die Konzentration wegen aufputschender/munter machender Wirkung verbessert oder weil Symptome von ADHS verringert werden. Wahrscheinlich muss man schon deutlich ADHS haben, um das genau sagen zu k√∂nnen.

    Ich Stelle mir das immer so vor, bei meinen ADHS Tabletten, denke ich manchmal: Ach so m√ľssen sich dann gesunde Menschen f√ľhlen.

    Gesunde Menschen, die die Tabletten nehmen w√ľrden bekommen dann ADHS√§hnliche-Symptome.

  • Vielleicht hier im Thread falsch, aber ich frage mich generell, wie von Psychiatern verschriebene Medikamente auf neurologisch "gesunde" Menschen wirken. Bei Medikinet und starkem ADXS l√§sst es sich ggf. noch recht eindeutig sagen, aber wie ist das zB bei Quetiapin/Seroquel? Bei Antidepressiva? Bei Antiepileptika?

    Mir wurde gesagt, ich habe bestimmt kein ADXS, weil Quetiapin und mein Antiepileptikum (verschrieben f√ľr Bipolare St√∂rung Typ 2) dann nicht wirken w√ľrden. Mit diesen Medikamenten, v.a. dem ersten, bin ich deutlich stabiler. Frage mich aber eben, ob das Quetiapin nicht auch bei ADXS innere Unruhe / Gedankenkreisen "d√§mpfen" k√∂nnte.

    Entschuldigung f√ľr's off-topic :oops:

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!