Symptome von Autismus (in Kombination mit ADHS)

  • Moin 😊

    Vor kurzem hatte ich einen Termin zur ADHS Diagnostik und nachdem meine Ärztin mir geraten hat, auch eine ASS Testung durchzufĂŒhren, bin ich nun mit beidem diagnostiziert.

    Ich frage mich teilweise, was nun meine genauen Symptome sind. Manchmal ĂŒberschattet glaube ich mein ADHS und mein unbewusstes Masking einige Symptome, die dann vorwiegend im geschĂŒtzten Raum zu Hause durchkommen. Dadurch zeige ich dann keine mega offensichtlichen Symptome, bin aber in sozialen Situationen auch nie „ich selbst“.

    Blickkontakt und Mimik

    WĂ€hrend der Diagnostik habe ich gelernt, dass andere Menschen wohl Emotionen an der Mimik ablesen können. Nachdem ich in der Schule irgendwann realisiert habe, dass eine MitschĂŒlerin mir im GesprĂ€ch immer in die Augen geschaut hat, habe ich mir im Alltag angewöhnt, Menschen in die Augen zu schauen, was auch oft ok ist (manchmal aber auch unangenehm intensiv), aber ich mache es nicht, weil ich das BedĂŒrfnis habe, sondern weil „man das halt so macht“. Jahre spĂ€ter habe ich dann auch gemerkt, dass ich es scheinbar teilweise ĂŒbertreibe und zu sehr in die Augen starre.

    Gesichter erkennen

    Allgemein fĂ€llt mir das Unterscheiden und Wiedererkennen von Menschen sehr schwer. Ich nutze dafĂŒr glaube ich weniger das Gesicht, sondern viel mehr die Frisur der Menschen, sodass ich immer ein Problem habe, wenn sich grundlegend etwas Ă€ndert (plötzlich kurze Haare) oder generell, wenn mehrere Menschen aus demselben Kontext „Àhnlich aussehen“ (lange blonde Haare mit Zopf). Nach einiger Zeit schaffe ich es dann normalerweise, die Menschen auseinanderzuhalten, aber es dauert ziemlich lange. Wer die Zwillinge (die ich noch nicht kannte) auf einem Mannschaftsfoto sind, konnte ich nur raten (eine hatte lange und eine kurze Haare).

    Soziale Interaktion

    Ansonsten ist soziale Interaktion oft anstrengend fĂŒr mich. Wenn ich ein gemeinsames Interesse/Thema mit einer Person habe, kann ich auch darĂŒber reden und mich relativ wohl fĂŒhlen. Wenn es aber zu Smalltalk kommt, bin ich aufgeschmissen und weiß hĂ€ufig nicht, was ich erzĂ€hlen soll. Vor ein paar Jahren habe ich die Erfahrung gemacht, dass eine Bekannte vom Sport mir „random“ Sachen erzĂ€hlt hat, die bei ihr so passiert sind (auf der Arbeit etc.). Vorher wusste ich irgendwie nicht, dass man das so macht. Ich wusste/weiß nie, worĂŒber ich so reden soll, wenn es nicht ein spezifisches Thema gibt. Manchmal reagiere ich auch total unangemessenen auf ErzĂ€hltes, ohne nachzudenken (ADHS?). Wenn eine Kollegin erzĂ€hlt, dass die vielleicht nochmal heiraten will, ist „Wen willst du denn heiraten?“ keine angemessene Reaktion. Auch habe ich Probleme, angemessen auf Emotionen anderer zu reagieren (wenn ich sie denn erkenne). Einmal schickte mich ein Freund zu einer gemeinsamen Bekannten, um diese zu trösten, nachdem sie gerade nach einem Konflikt mit ihrem Freund weinend weggegangen ist. Ich war total unbeholfen und ĂŒberfordert.

    Überreizung

    Laute GerĂ€uschkulissen sind eine Qual fĂŒr mich. Ich wĂŒrde mir am liebsten die Ohren zu halten und habe in planbaren lauten Situationen dann oft meine Kopfhörer dabei, wenn die Situation es zulĂ€sst. Manchmal, insbesondere wenn ich mich konzentrieren oder meine Ruhe haben will, reichen schon leise GerĂ€usche oder Bewegungen in meinem Blickfeld, um mich komplett zu stressen (ADHS oder Autismus?). Wenn ich zu Hause bin, fĂŒhrt die Überreizung hĂ€ufig zu WutausbrĂŒchen, was ich woanders gut im Griff habe.

    Routine vs. SpontanitÀt

    HĂ€ufig liest man ja, dass Autisten strikte Routinen haben. Ich habe eher ein Problem, mich an Routinen zu halten. Ich bin gerne spontan, wenn ich eine Idee habe (ADHS?). Dann mĂŒssen Dinge auch sofort gemacht werden und ich kann nicht warten. Wenn ich allerdings von der SpontanitĂ€t anderer ĂŒberrascht werde, bin ich ganz schnell ĂŒberfordert. Ich bin dann oft nicht in der Lage, die Idee an sich zu bewerten, sondern bin innerlich irgendwie panisch. Beispiel: Mein Freund fragt mich, ob wir auf dem RĂŒckweg von irgendwo noch ins CafĂ© wollen. Das habe ich nicht „eingeplant“ und daher stresst mich die Frage in dem Moment schon total. Es ist es ziemlich paradox, weil ich mir generell keine großen PlĂ€ne mache, sondern selber lieber spontan entscheide.


    WĂŒrdet ihr die beschriebenen Eigenschaften als Autismus Symptome einordnen? Was sind andere typische Symptome, die ihr erlebt (evtl. auch in der Kombi mit ADHS)? Hier wĂŒrden mir persönliche AusfĂŒhrungen/Beispiele helfen. Wenn man googelt, findet man ja hĂ€ufig eher oberflĂ€chliche Standardstichpunkte wie soziale Schwierigkeiten. Mich wĂŒrde interessieren, wie genau es sich bemerkbar macht.

    Danke schon einmal fĂŒrs Lesen des doch sehr lang gewordenen Texts. Ich versuche gerade, meine Verhaltensweisen einzuordnen und mich besser zu verstehen.

  • FĂŒr eine Autismusdiagnose mĂŒssen folgende Symptome zwingend seit der Kindheit vorliegen:

    - stereotype Verhaltensweisen/Interessen (zB Spezialinteressen (nicht zu verwechseln mit Interessen/Hobbies), sich wiederholende Bewegungsmuster einzelner Körperteile oder des ganzen Körpers, striktes schwarz-weiß Denken, etc)

    - erhebliche Probleme in sozialen Interaktionen (kein intuitives, automatisches Verhalten, mangelnde FlexibilitÀt, etc)

    - KommunikationsbeeintrÀchtigungen

  • Hi,

    vielen Dank fĂŒr deine Antwort. :)

    Mir ging es hier ein bisschen darum, diese Punkte genauer zu beschreiben und einzuordnen, also z.B.:

    erhebliche Probleme in sozialen Interaktionen

    KommunikationsbeeintrÀchtigungen

    Wie genau Ă€ußert sich das inkl. Beispiele? Bisher hab ich Vieles erstmal fĂŒr "normal" bzw. meine Charaktereigenschaften gehalten. Außerdem gibt es ja denke ich auch viele "kleine" Punkte (/Symptome), die dann nicht so allgemeingĂŒltig ĂŒberall zu finden sind, aber doch hĂ€ufig Ă€hnlich erlebt werden.

  • ...

    Mir ging es hier ein bisschen darum, diese Punkte genauer zu beschreiben und einzuordnen, also z.B.:

    Wie genau Ă€ußert sich das inkl. Beispiele? Bisher hab ich Vieles erstmal fĂŒr "normal" bzw. meine Charaktereigenschaften gehalten. Außerdem gibt es ja denke ich auch viele "kleine" Punkte (/Symptome), die dann nicht so allgemeingĂŒltig ĂŒberall zu finden sind, aber doch hĂ€ufig Ă€hnlich erlebt werden.

    Anders herum wÀre es einfacher. Wo vermutest du deine KommunikationsbeeintrÀchtigungen und Probleme in sozialen Interaktionen?

  • Ich habe ja schon oben ein paar Punkte versucht zu beschreiben. Also bzgl. soziale Interaktion wĂŒrde ich dann wahrscheinlich Punkte sehen wie:

    - unfĂ€hig, Smalltalk zu fĂŒhren und Unwohlsein in Situationen, in denen das erwartet wird

    - in Meetings versuche ich extra nicht als eine der ersten da zu sein, um mich nicht am Smalltalk beteiligen zu mĂŒssen

    - Blickkontakt angewöhnt, aber teilweise noch unangenehm und unfĂ€hig, das richtige Maß zu finden

    - Überforderung, wenn ich z.B. andere trösten soll

    - weiß nicht, wie ich mich mit jemandem anfreunden soll (ging immer von anderen aus) und Kontakt halten soll bzw. sehe es glaube ich auch nicht als besonders relevant an, jemandem andauernd zu schreiben und Dinge aus meinem Leben zu erzĂ€hlen

    - weiß in Bekanntschaften/Freundschaften nicht, was und wie viel ich erzĂ€hlen soll

    - immer Freundschaften gehabt, die auf Hobbies bezogen waren, nie wirklich emotional


    KommunikationsbeeintrÀchtigungen:

    - ich kann Stimmung und GefĂŒhle nicht an Mimik etc. ablesen

    - ich habe ein sehr wörtliches VerstĂ€ndnis und achte gefĂŒhlt mehr auf logisch korrekte Aussagen als auf den Inhalt

    - korrigiere Aussagen anderer hÀufig

    - verstehe oft keine Ironie (versuche mir logisch abzuleiten, ob die Aussage ironisch war und erkenne das nicht an Mimik etc.), aber verwende selber oft Ironie

    - komme bei anderen manchmal arrogant rĂŒber durch die Art und Weise wie ich Dinge sage, obwohl ich das ĂŒberhaupt nicht beabsichtige

    - telefonieren finde ich meistens schrecklich (auf der Arbeit mit klar definierten Themen, ist es ok; wenn ich privat Termine vereinbaren muss etc., schiebe ich es immer vor mir her und versuche es anders zu lösen)

    - ich hasse es, von VerkĂ€ufern etc. angesprochen zu werden und wĂŒrde nie jemanden um Beratung bitten


    Die Bitte, weitere Beispiele zu teilen, rĂŒhrt auch daher, dass ich selber nicht wirklich reflektiert bin und ich damit gerne prĂŒfen wĂŒrde, ob es vielleicht Überschneidungen mit meinem Verhalten gibt. Vielleicht gibt es ja Punkte, die ich noch gar nicht so betrachtet habe.

  • Du fragtest zwar nach persönlichen Erfahrungen, aber du fragtest auch nach Allgemeinen Beispielen. Daher guck gerne mal auf der Seite von White Unicorn e.V. unter der Rubrik: Erleben und Barrieren, dort findet man eine tolle Gliederung. (BezĂŒglich Autismus)

    Mein persönliches Erleben beschreibe ich immer mit zwei BedĂŒrfnis-Charakteren die sich teilweise sehr unterscheiden und teilweise sind sie sehr Ă€hnlich, dann kann ein Bereich entweder sehr gut funktionieren und andere Bereiche umso schlechter.

    Die Autistische-Seite möchte Ordnung, die ADHS-Seite lebt das Chaos (RW).
    Die Autistische-Seite möchte zielorientiert Aufgaben abarbeiten, die ADHS-Seite schafft es kaum an einer Sache alleine zu arbeiten. Plötzlich bin ich nicht mehr an der einen Aufgabe, sondern an der anderen, dann wieder die nÀchste usw.
    Die Autistische-Seite braucht die Struktur, die ADHS-Seite kann die Struktur nur schlecht einhalten.
    Die Autistische-Seite möchte zwingend pĂŒnktlich sein, die ADHS-Seite möchte kurz vor dem Termin noch unbedingt dieses oder jenes schnell erledigen.
    Autismus hÀlt verschiedene Reize kaum aus, ADHS braucht manchmal Reize um in den Antrieb zu kommen (wobei ADHS auch eine ReizfilterschwÀche haben kann).

  • Bei mir ist das zu 99% identisch wie bei M771 und da ich nun auch beide Diagnosen habe, tue ich mich auch sehr schwer damit, es zu verstehen und zu unterscheiden. FĂŒr mich klingt das alles recht widersprĂŒchlich und dennoch trifft das alles auf mich zu.

    Von daher werde ich hier mal mitlesen und versuchen, es zu verstehen und zu reflektieren.

  • Blickkontakt und Mimik --> Autismus

    Gesichter erkennen --> Autismus (optionales Zusatzsymptom, das bei Autismus recht hÀufig vorkommt. Ohne Autismus kennt man es auch als Prosopagnosie)

    Soziale Interaktion --> HauptsÀchlich Autismus, wobei das Verhalten von ADHSlern ihnen auch einen schlechten Stand bescheren kann, aber so wie du es beschreibst, passt es eindeutig zu Autismus.

    Überreizung --> Autismus und ADHS, wobei in der von dir beschriebenen AusprĂ€gung mehr noch Autismus. Davon unabhĂ€ngig siehe auch Hyperakusis, AVWS, sensorische Integrationsstörung etc.

    Routine vs. SpontanitÀt --> Routineanteile vom Autismus, SpontanitÀtsanteile vom ADHS.

    Hat dir das geholfen?

    I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.

  • Lex Und wie ist das, wenn man chaotisch ist und nichts so wirklich auf die Reihe bekommt, trotz strukturiertem Tagesablauf? DafĂŒr bin ich bei manchen Dingen sehr strukturiert, was zum Beispiel das EinrĂ€umen der SpĂŒlmaschine betrifft, wo alles immer den selben Platz hat und bloß nicht anders eingerĂ€umt sein darf und alle Schubladen von mir beschriftet sind, wo was konkret hinkommt. DafĂŒr fange ich immer wieder neue Aufgaben an, ohne die vorherigen abzuschließen.

  • Moin 😊

    Guntach

    Vor kurzem hatte ich einen Termin zur ADHS Diagnostik und nachdem meine Ärztin mir geraten hat, auch eine ASS Testung durchzufĂŒhren, bin ich nun mit beidem diagnostiziert.

    Me2, ist aber schon 14 Jahre her.

    Danke schon einmal fĂŒrs Lesen des doch sehr lang gewordenen Texts.

    Genau, sehr lang. Deswegen habe ich es eher ĂŒberflogen.

    Gesichter erkennen

    Habe ich auch ordentlich Probleme mit und das hat auch schon mal heikle Situationen verursacht. Nur die Frisur zu merken reicht mir nicht.

    (ADHS oder Autismus?)

    Steht das nicht im Diagnosebericht? Bei mir steht im ADHS-Diagnosebericht genau aufgeschlĂŒsselt, was also ADHS-Zeug ist und was fĂŒr Autismus spricht. Daher wurde auch vorgeschlagen, nach dem ADHS-Test auch (irgendwo anders) einen Autismus Test zu machen.

    Die höchste Form des GlĂŒcks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an VerrĂŒcktheit. Erasmus von Rotterdam (1465/1469 - 1536)

  • Lex Und wie ist das, wenn man chaotisch ist und nichts so wirklich auf die Reihe bekommt, trotz strukturiertem Tagesablauf? DafĂŒr bin ich bei manchen Dingen sehr strukturiert, was zum Beispiel das EinrĂ€umen der SpĂŒlmaschine betrifft, wo alles immer den selben Platz hat und bloß nicht anders eingerĂ€umt sein darf und alle Schubladen von mir beschriftet sind, wo was konkret hinkommt. DafĂŒr fange ich immer wieder neue Aufgaben an, ohne die vorherigen abzuschließen.

    Das wĂŒrde ebenfalls zu einer Mischung aus ADHS und ASS passen. Wobei es halt schon auch bei Normalos vorkommen kann.

    I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.

  • Alles, was hier schon beschrieben wurde, kenne ich von mir selbst auch, ich wĂŒrde aber keine ADHS-Diagnose bekommen, weil ich die Kriterien davon nicht erfĂŒlle. Aber man braucht fĂŒr all das, z.B. Strukturen brauchen und nicht einhalten können, keine ADHS-Diagnose, das kann man auch mit AS alleine haben. Grund sind die exekutiven Funktionen. Ich vermute, dass es da graduelle Unterschiede gibt. Wenn die exekutiven Funktionen nur ein bisschen eingeschrĂ€nkt sind, kann man die Strukturen noch einhalten und nutzt das dann voll, um sich in Bezug auf AS angenehme UmstĂ€nde zu schaffen (z.B. Ordnung halten), und wenn sie stĂ€rker eingeschrĂ€nkt sind, dann geht das halt nicht mehr.

    Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
    (Howard Zinn)

  • Daher guck gerne mal auf der Seite von White Unicorn e.V. unter der Rubrik: Erleben und Barrieren

    Super, das schau ich mir mal in Ruhe an. Danke! Danke auch fĂŒr die Beschreibung deines Erlebens. Das beschreibt mich glaube ich auch ganz gut.

    Hat dir das geholfen?

    Danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Das hilft auf jeden Fall, einmal die Bewertung von außen zu bekommen. :) Interessant, dass du die Überreizung vorwiegend dem Autismus zuordnest. Hatte es bisher immer beim ADHS gesehen.

    Und wie ist das, wenn man chaotisch ist und nichts so wirklich auf die Reihe bekommt, trotz allstrukturiertem Tagesablauf? DafĂŒr bin ich bei manchen Dingen sehr strukturiert

    Das passt auch sehr gut zu mir. :lol:Bin meistens recht chaotisch und unstrukturiert, aber manchmal hab ich dann doch eine bestimmte Ordnung, die bloß keiner stören darf...

    Steht das nicht im Diagnosebericht? Bei mir steht im ADHS-Diagnosebericht genau aufgeschlĂŒsselt, was also ADHS-Zeug ist und was fĂŒr Autismus spricht.

    Bei mir sind alle Tests, die gemacht worden sind, inkl. Ergebnissen aufgelistet. Also klar sind da auch grob "Symptome" aufgelistet, aber ich tu mich manchmal schwer damit, das dann auf meinen Alltag und konkrete Situationen zu ĂŒbertragen. Danke fĂŒrs Antworten trotz des langen Textes. 😅

    ich wĂŒrde aber keine ADHS-Diagnose bekommen, weil ich die Kriterien davon nicht erfĂŒlle

    Interessant, dass du es auch nur mit AS so kennst. Die ADHS Medikamente wirken aber allein bei ADHS und nicht bei AS, oder? Bin nÀmlich da nun in der Eindosierung und merke auch, dass mir die Medikation bei einigen Punkten hilft.

  • Interessant, dass du die Überreizung vorwiegend dem Autismus zuordnest. Hatte es bisher immer beim ADHS gesehen.

    Das Symptom wurde halt leider auch erst im ICD 11 in die Diagnosekriterien fĂŒr Autismus aufgenommen. FrĂŒher wurde es quasi ĂŒbersehen oder zwar in der Fachliteratur spĂ€ter auch erwĂ€hnt aber war halt nur so halb offiziell bzw. Hans Asperger hatte Kinder mit sensorischer Überempfindlichkeit nicht als Autisten angesehen sondern anders eingeordnet (als Neuropathen) und bei den anderen hat er die sensorische Empfindlichkeit nicht bemerkt sondern das daraus resultierende Verhalten anders interpretiert. Allerdings lesen sich die Symptome von Aspergers Neuropathen tatsĂ€chlich wie ne Mischung aus ASS, ADHS und sensorischer Intrigationsstörung oder Ähnlichem.

    Da ASS eine F-Diagnose ist, schaut man auch eher nach VerhaltensauffĂ€lligkeiten und dergleichen und beschreibt das Syndrom entsprechend. Wenn sie zugeben, dass Autismus in erster Linie ein neuronales Problem ist und das Verhalten nur ein Resultat davon, wĂŒrde es vielleicht aus der Sparte vom ICD ganz rausfliegen mĂŒssen.

    Man kann es auch so ausdrĂŒcken: Sowohl Autisten als auch ADHSler sind leicht durch Ă€ußere Reize ablenkbar, weil sie diese nicht einfach wegfiltern / ignorieren können. Der Unterschied ist jedoch, dass ADHSLer auch leicht durch eigene Gedankenketten abgelenkt werden, zumindest wird das vornehmlich dem ADHS zugeschrieben. Zudem zeigen ADHSler seltener spezifische VerhaltensauffĂ€lligkeiten in Reaktion auf Überreizung. Sie können zwar auch dann laut und aktiv oder sogar gewalttĂ€tig werden, was man eher ImpulsivitĂ€t dann zuschreibt, aber sowas wie z. B. Ohren zuhalten oder repetive Bewegungen ausfĂŒhren kennt man mehr von Autisten. Und Autisten Ă€ußern es wohl auch öfter direkt, dass sie sensorisch ĂŒberreizt sind. Heißt also die diagnostische Unterscheidung wird mehr anhand des Umgangs mit dem Problem und anhand der sonstigen Symptome gemacht.

    I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.

  • Die ADHS Medikamente wirken aber allein bei ADHS und nicht bei AS, oder?

    Weiß ich nicht. Aber eine gewisse Wirkung haben sie ja sogar bei Gesunden. Manche nehmen die Medikamente ja, um leistungsfĂ€higer zu sein.

    Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
    (Howard Zinn)

  • M771 bitte gerne. Ich kann dir noch anderes empfehlen wenn du möchtest.

    Shenya Was mir gerade in den Sinn kommt das mein ADHS Medikament in Bezug auf Autismus so funktioniert, dass ich mehr Konzentration habe, dann denke ich noch analytischer und noch mehr in Strukturen.

  • Aber eine gewisse Wirkung haben sie ja sogar bei Gesunden. Manche nehmen die Medikamente ja, um leistungsfĂ€higer zu sein.

    Beim Gesunden wirken sie aufputschend. Beim ADHSler dÀmpfend. Sie können sich so besser konzentrieren und fokussieren.

    Beim ASSler ohne ADHS mĂŒsste es so wirken wie beim nicht-ASSler ohne ADHS, also aufputschend.

    Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung Ă€ndern wĂŒrde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
    Dennoch kann auch ich Tippfehler ĂŒbersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.

  • Beim Gesunden wirken sie aufputschend. Beim ADHSler dĂ€mpfend. Sie können sich so besser konzentrieren und fokussieren.

    Auch bei Gesunden verbessern sie die Konzentration, daher frage ich mich, wie man den Unterschied merkt, ob sich die Konzentration wegen aufputschender/munter machender Wirkung verbessert oder weil Symptome von ADHS verringert werden. Wahrscheinlich muss man schon deutlich ADHS haben, um das genau sagen zu können.

    Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
    (Howard Zinn)

  • Auch bei Gesunden verbessern sie die Konzentration, daher frage ich mich, wie man den Unterschied merkt, ob sich die Konzentration wegen aufputschender/munter machender Wirkung verbessert oder weil Symptome von ADHS verringert werden. Wahrscheinlich muss man schon deutlich ADHS haben, um das genau sagen zu können.

    Ich Stelle mir das immer so vor, bei meinen ADHS Tabletten, denke ich manchmal: Ach so mĂŒssen sich dann gesunde Menschen fĂŒhlen.

    Gesunde Menschen, die die Tabletten nehmen wĂŒrden bekommen dann ADHSĂ€hnliche-Symptome.

  • Vielleicht hier im Thread falsch, aber ich frage mich generell, wie von Psychiatern verschriebene Medikamente auf neurologisch "gesunde" Menschen wirken. Bei Medikinet und starkem ADXS lĂ€sst es sich ggf. noch recht eindeutig sagen, aber wie ist das zB bei Quetiapin/Seroquel? Bei Antidepressiva? Bei Antiepileptika?

    Mir wurde gesagt, ich habe bestimmt kein ADXS, weil Quetiapin und mein Antiepileptikum (verschrieben fĂŒr Bipolare Störung Typ 2) dann nicht wirken wĂŒrden. Mit diesen Medikamenten, v.a. dem ersten, bin ich deutlich stabiler. Frage mich aber eben, ob das Quetiapin nicht auch bei ADXS innere Unruhe / Gedankenkreisen "dĂ€mpfen" könnte.

    Entschuldigung fĂŒr's off-topic :oops:

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