Familienprobleme und Familiensitzung: Was soll ich tun? Ich bin überfordert!

  • Hallo zusammen,

    es wird jetzt eine etwas längere Geschichte aber ich versuche, mich kurz zu fassen.

    Bei mir und unserer ältesten Tochter (15) wurde ja ASS diagnostiziert und seit kurzem steht auch noch fest, dass wir beide zusätzlich auch ADHS haben, was im Spektrum ja keine Seltenheit ist. Jetzt weiß ich auch warum meine durchgeplanten Tagesabläufe oft nicht funktionieren, warum ich so chaotisch bin und nicht gut mit Geld umgehen kann. Bei meiner Tochter ist das ähnlich, jedoch kann sie zum Glück gut mit Geld umgehen. Seit ich das weiß, wird mir vieles klarer und ich bin damit total überfordert, da ich zum einen versuche, meine Routinen so gut wie möglich einzuhalten, unnötige Reize vermeide und es aber trotzdem immer wieder mal schaffe, meine Frau in den Wahnsinn zu treiben, ohne es selbst zu merken. Wenn ich einen guten Moment habe, bin ich zufrieden und nicht gestresst und Dank Homeoffice ist es wunderbar, was Lärm und soziale Kontakte angeht. Meine Tochter provoziert ihre kleine Schwester (10) sehr häufig und die Kleine leidet schon sehr darunter und ist oft verunsichert. Ich selbst habe im Laufe meines Lebens vieles lernen müssen und konnte mich soweit auch einigermaßen anpassen, damit ich für andere recht normal wirke. Meine große Tochter und ich sind ein Herz und eine Seele und sie ist sehr stark auf mich fixiert, da wir ja im selben Boot sitzen und auch gegenseitig Verständnis für unsere Situation aufbringen können. Aber ihr Umgang mit ihrer Mutter (meiner Frau) und ihrer Schwester ist absolut inakzeptabel, auch wenn sie viele gute Phasen hat.

    Nun hat meine Frau mich aufgefordert, dass ich heute Abend mit meiner Tochter darüber sprechen soll und zwar in Form von einer Familiensitzung. Und jetzt bin ich total überfordert, da ich nicht vorausplanen kann, wie die Familiensitzung verlaufen könnte. Ich habe mir so viele Pläne mit allen Eventualitäten erstellt und ich bin mir relativ sicher, dass das heute Abend in einem Overload oder sogar Meltdown bei uns beiden enden wird. Mit Ungewissheit und schlechter Planbarkeit komme ich überhaupt nicht klar.

    Meine Frau schimpft immer wieder und fragt mich dann, ob das bei Autisten wirklich so normal ist und warum wir meine Frau so dermaßen quälen würden, indem wir ständig Chaos und Stress verursachen würden. Ich selbst habe auch zur kleinen Tochter ein sehr gutes Verhältnis, da ich ja auch älter bin und auch damit recht gut umgehen kann. Ihre Schwester ist ja noch in der Pubertät und ist auch wegen der Schule relativ gestresst (Mobbing, großer Lärm im Unterricht, volle Klasse, intolerante Lehrer) und da sucht sie sich jedes Mal ein Ventil und das ist ihre Schwester oder meine Frau. Und diese pauschalen Aussagen zum Verhalten eines Autisten kann ich einfach nicht so stehen lassen, da auch ADHS und der Stress eine große Rolle spielen. Und da rege ich mich leider auch oft sehr schnell auf. Die Kleine kommt nun leider auch langsam in die Pubertät und provoziert ihre Schwester auch gerne mit Worten, die eigentlich harmlos sind, aber von der Großen oft falsch interpretiert werden.

    Hat jemand ähnliche Situationen erlebt und wie seid ihr damit umgegangen? Habt ihr praktische Tipps für mich? Ich bin wirklich kurz davor, meine Sachen zu packen und einfach zu verschwinden, ohne was zu sagen. Aber ich habe ja auch eine Verantwortung meiner Familie gegenüber. Ich habe nur Panik vor der Familiensitzung und dass ich möglicherweise wieder einen Meltdown kriege, wo dann definitiv einiges zu Bruch gehen würde.

  • Schwarze Katze July 9, 2024 at 12:22 PM

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  • Nun hat meine Frau mich aufgefordert, dass ich heute Abend mit meiner Tochter darüber sprechen soll und zwar in Form von einer Familiensitzung.

    Das hört sich für mich danach an, dass sie ein Problem hat und du das lösen sollst für sie. Ich würde das an sie zurückverweisen: Soll sie die Familiensitzung leiten! Dabei genau ansprechen, was sie konkret stört und wie es in Zukunft anders sein soll. Also nicht allgemein

    Chaos und Stress

    sondern konkret was, wer, wann, wo und wie sieht aus ihrer Sicht der gewünschte Zustand aus.

    Moderatorenbeiträge sind an der grünen und fetten Schrift erkennbar! Alles andere stellt meine persönliche Meinung als Forennutzerin dar.

  • Da ich weiss, wie so was ohne neutralen "Prozessbeobachter" auszugehen droht (aus eigener Erfahrung), habt ihr keinen Bekannten oder Verwandten, zu dem alle ein brauchbares Verhältnis haben? Ich fürchte, da brauchts einen "Mediator"...

    Jemanden, dessen "AUS" alle Beteiligten akzeptieren...

  • Ich persönlich sehe das so, dass sich mehrere Probleme miteinander verwickelt haben (RW). Daher würde ich, wenn es mein Leben wäre, versuchen sie erstmaleinzeln zu betrachten und zu bearbeiten. Denn das was dir deine Frau scheinbar aufgetragen hat, ist ein riesen Paket (RW), das du alleine gar nicht tragen kannst. Ich verstehe zwar auch deine Frau, aber ich finde auch, dass sie zu weit geht, wenn sie von dir verlangt, dass du die Situation alleine klären sollst.

    Eigentlich seid ihr ja eine Familie.

    Demnach würde ich die einzelnen Punkte kategorisieren und Unterpunkte, falls welche aufkommen, dann dazu schreiben. Danach würde ich wiederum beim Familientreffen die Probleme sachlich darlegen. Das heißt den Ist-Zustand beschreiben ohne emotionale Bewertung. Und dann alle um Lösungsvorschläge bitten. Denn alle Beteiligten sind alt genug mitzuhelfen.

    Das kann dann so lauten: "Was meint ihr, wie können wir das Problem beheben? Habt ihr Vorschläge?"

    Dabei kann man vorher noch Regeln festlegen. Die Vorschläge sollten wenn möglich konstruktiv sein, bei Äußerungen von Gefühlen sollte man bei sich selbst bleiben. Sowas wie: Ich fühle mich verletzt, wenn du das sagst, weil...

    Jeder sollte versuchen den anderen aussprechen zu lassen usw.

    (Eine gesunde Streitkultur ist ein etwas größeres Thema, soetwas müsste man über die Zeit etablieren. Hier verweise ich gerne auf die Gewaltfreie Kommunikation, wenn ich das darf.

    Online findet man auch bildlich dargestellte kurze Tipps, die man ausdrucken kann und auf den Tisch legen kann. Wenn sich einer nicht daran hält, kann man sagen: "Ich verstehe deine Situation.. aus diesem und jenen Grund, das muss für dich bestimmt...so und so sein (<--- hier gerne einfüge, was man selbst beobachtet, womit der Gegenüber es gerade schwer haben muss). Dennoch bitten wir dich, deine Aussage oder dein Bedürfnis nochmal mit Hilfe der Anleitung neu zu formulieren."

    (Und ja das ist Übung. Aber mir hat es geholfen sofort damit anzufangen, auch wenn ich selbst nicht sehr gut war, somit habe ich dem Gegenüber geholfen sich selbst ernst genommen zu fühlen. So dass niemand das Gefühl hat immer nur gegen eine Wand zu reden (RW)).

    Wenn du aufschreibst was die Probleme sind, die du am Abend vortragen wollen würdest, dann schreib auch gerne schonmal deine Ideen mit auf. Dann kannst du auch sagen: "Meine Idee wäre....Was haltet ihr davon, könnten wir das so umsetzten."

    Desweiteren würde ich auch die Wünsche und Bedürfnisse aller festhalten. So könnte man nach und nach ein paar wichtige Umgangsformen etablieren. Die man zum Beispiel gerne als Poster zusammen gestaltet und aufhängen. Wenn man Impulse von den Kindern mitnimmt, dann fühlen sich die Kinder auch ernst genommen, sie können die Erfahrung machen Lösungen für ihre Probleme zu erarbeiten (Stichwort:Handlungsmöglichkeiten).

    Es sollte euch klar sein und werden, dass ihr heute Abend nicht alle Probleme lösen könnt, aber zu zeigen,das man gewillt ist mit der Familie daran zu arbeiten, das kann ein wichtiger Schritt für alle sein. Bei dem sich jeder mal angehört fühlt.

    Das mit deiner Frau ist ein anderes Thema, denn am Ende ist es so, dass sie sich überlegen muss ob sie gewillt ist diesen Weg mit dir/euch wirklich weiter zu gehen und daran zu arbeiten.

    Es wäre auch hier wichtig zu wissen was denn konkret die Punkte sind, die aus Sicht deiner Frau geändert werden müssen, diese dann aufschreiben und gemeinsam versuchen zu beheben.

    Hier möchte ich dir gerne ein paar Bücher empfehlen, zum Beispiel: vom Beltzverlag ADHS bei Erwachsenen und es gibt auch dazu ein Buch ADHS bei Kindern und Jugendlichen. Die sind nicht günstig, jedoch sind viele Therapietools mit direkten Lösungstrategien enthalten.

    Genauso auch vom Hogrefeverlag: Erfolgreich lernen mit ADHS. Da sind Tipps dabei die für alle Kinder Sinnvoll sind. Nicht nur für Kinder aus dem Spektrum. Dies wiederum könnte ein Schritt sein, den Schuldruck fürs erste herauszunehmen (RW).


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    Ich hoffe ich habe jetzt alle Redewendungen gekennzeichnet.

  • Ich persönlich sehe das so, dass sich mehrere Probleme miteinander verwickelt haben (RW). [...]

    Sehr gute Tipps. Besonders die mit den Paketen.

    Ich würde zudem vorschlagen, dass ihr euch in regelmäßigen Abständen (zunächst wöchentlich, dann alle 14 Tage) zusammensetzt, um darüber zu sprechen, was gut und was eher schlecht lief.

    So könntet ihr den Weg gemeinsam mit einem Kompass gehen und ggf. Korrekturen vornehmen (RW).

  • Ich finde die anderen Tipps auch gut.

    Sehr gute Tipps. Besonders die mit den Paketen.

    Ich würde zudem vorschlagen, dass ihr euch in regelmäßigen Abständen (zunächst wöchentlich, dann alle 14 Tage) zusammensetzt, um darüber zu sprechen, was gut und was eher schlecht lief.

    So könntet ihr den Weg gemeinsam mit einem Kompass gehen und ggf. Korrekturen vornehmen (RW).

    So haben wir das bei unserer letzten Familiensitzung auch festgehalten. Das ist auch eine gute Idee. So kann man die Fortschritte sehen und direkt feinjustieren, falls erforderlich (RW). <--- Ups, jetzt habe ich den Sinn der letzten Aussage von Quadflieg wiederholt.

  • Ich kann mir vorstellen, dass es gerade ziemlich anstrengend bei euch ist. Für alle. Eine Aussprache könnte helfen - am besten, wenn das vorbereitet ist und man die Sache ruhig und sachlich angehen kann.

    Aus deiner Schilderung sehe ich drei Problemherde:

    1) wie die Tochter mit ihrer Schwester und Mutter umgeht, - wenn die Ursache hier wirklich primär Probleme in der Schule sind, wäre es sicher auch sinnvoll, das zu besprechen. Würde ihr Unterstützung helfen? Ist ihr klar, dass sie andere als 'Blitzableiter' (RW) benutzt?

    Weder ADHS noch Autismus sind Entschuldigungen für aggressives oder unfreundliches Verhalten. Ich merke bei mir selbst, dass ich unwirsch oder aggressiv werde, wenn ich überfordert bin. Vielleicht ist das bei deiner Tochter ähnlich? Wenn ja, könnte man schauen, wo die Überforderung liegt und wie man sie gemeinsam angehen kann.

    2) wie die Diagnosen euer Zusammenleben als Familie beeinflussen. Es scheint fast so, als wären da plötzlich zwei Parteien, die ASS / ADHSler und die Mutter mit jüngerer Tochter. Dabei seid ihr doch eine Familie, und zieht idealerweise an einem Strang (RW).

    3) eventuell interpretiere ich hier was rein, was nicht da ist, aber könnte es sein, dass deine Frau sich als Elternteil grad etwas allein gelassen fühlt? Ich frage das, weil es etwas so klingt - am Ende kann sie ja auch selbst eine Familiensitzung einberufen, oder vorschlagen, dass ihr das gemeinsam macht, mit den Kindern klären, was da grad schief läuft.

    Dass du Sorge hast, das Gespräch könnte aus dem Ruder laufen (RW), kann ich verstehen. Ich könnte mir vorstellen, dass es hilft, wenn vorher vereinbart wird, wie es laufen soll: zum Beispiel, dass jeder ausreden darf, bevor jemand anderes dazu etwas sagt. Und / oder, dass jeder inhaltlich bei sich bleibt, siehe Gewaltfreie Kommunikation (https://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltfreie_Kommunikation ). Keine Schuldzuweisungen. Wie erlebt jeder von euch die Familie gerade, und was könnte man tun, dass es ein angenehmeres Zusammenleben gibt?

    Vielleicht magst du dich mit deiner Partnerin vorher beraten. Wenn es zu einem (oder mehreren) Meltdowns kommt, kann man das Ganze auch an einem anderen Tag weiterführen. Und es wäre natürlich hilfreich, wenn sowohl du als auch deine Tochter mit den eigenen Meltdowns / Shutdowns umgehen können. Achtsamkeit, was die eigene Anspannung angeht, kann man üben und lernen. Vielleicht ist das etwas, das allen in der Familie gut tun könnte.

  • Evtl. würde auch der Gang zu einer Erziehungs-/Familienberatungsstelle etwas bringen, dann könnte man so ein Gespräch mit professioneller Begleitung machen (man könnte zumindest mal fragen, ob das geht, und ich denke schon, dass es möglich wäre).

    Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
    (Howard Zinn)

  • 3) eventuell interpretiere ich hier was rein, was nicht da ist, aber könnte es sein, dass deine Frau sich als Elternteil grad etwas allein gelassen fühlt? Ich frage das, weil es etwas so klingt - am Ende kann sie ja auch selbst eine Familiensitzung einberufen, oder vorschlagen, dass ihr das gemeinsam macht, mit den Kindern klären, was da grad schief läuft.

    Ich möchte mich hier anschließen. Auf die Gefahr hin, völlig daneben zu liegen, ich fühle mich nämlich als Mutter etwas getriggert.

    Vielleicht hilft es, sich folgende Fragen zu stellen: Wer trägt in Eurer Familie die Hauptverantwortung im Alltag sowie allgemein die Kinder und den Haushalt betreffend? Kann es sein, dass Deine Frau da sehr viel alleine trägt und auch daher viel Negatives abkriegt, während Du eher in entspannteren Zeiten "zuständig" bist? Gegebenenfalls hat Deine Frau vielleicht selbst schon sehr viel versucht, um die Situation zu verbessern und ist am Ende ihrer Kräfte und auch ihrer Ideen zur Verbesserung der Situation? Vielleicht setzt sie Dir auf diese Weise die Pistole auf die Brust (RW), weil sie sich allein gelassen fühlt, verzweifelt ist und sich anders nicht mehr zu helfen weiß?

    Sehr wahrscheinlich ist Eure Situation eine ganz andere und ich interpretiere hier etwas hinein. Es soll auch nicht vorwurfsvoll klingen und darf gerne ignoriert werden, wenn es nicht zutreffend und/oder hilfreich ist. Eine solche oder ähnliche Problematik ist meiner Erfahrung nach recht häufig in Familien (vielleicht gerade auch solchen, wo ADXS eine Rolle spielt), daher die Anregung.

    Was ich, denke ich, auf jeden Fall sinnvoll fände, wäre, wenn Du sagst, dass es Dir so kurzfristig nicht möglich ist, zu reagieren, wie sie sich das vielleicht wünscht, es nicht zielführend wäre und Du mehr Zeit brauchst. Dann aber auch einen Zeitpunkt für ein Gespräch, Familienkonferenz o.ä. festlegen und diesen auch einhalten (Terminerinnerung einrichten, Stichwortliste aufschreiben, etc.).

    Ich stimme aber auch Shenya zu, dass ggf. professionelle Hilfe mit neutraler "Moderation" angebracht wäre.

  • ferngirl  SophiaVanitas

    Sehr gute Ansatzpunkte. Die habe ich als ewiger Single und Mann nicht gesehen. Wenn ich mich aber an meine Kindheit erinnere war das bei meinen Eltern so wie von euch beschrieben:

    Wer trägt in Eurer Familie die Hauptverantwortung im Alltag sowie allgemein die Kinder und den Haushalt betreffend? Kann es sein, dass Deine Frau da sehr viel alleine trägt und auch daher viel Negatives abkriegt, während Du eher in entspannteren Zeiten "zuständig" bist?

    Wenn das Gespräch heute Abend zu Streit führen sollte empfehle ich auch den Rat von Shenya

  • SophiaVanitas Deine Aussage trifft genau den Punkt! Meine Frau macht hauptsächlich alles und ist natürlich entsprechend überlastet. Wir versuchen immer, so gut wie möglich mitzuhelfen, was bei uns leider nicht immer funktioniert.

    @Alle

    Danke für Eure Beiträge, die haben mir schon sehr geholfen und uns die eine oder andere Inspiration gegeben. Meine Frau hat ihr Verhalten von heute morgen reflektiert und auch eingesehen, dass sie zu forsch war. Wir werden künftig alle 14 Tage eine Familiensitzung machen und alles offen besprechen, was gut geklappt hat und was eher nicht und was man daraus besser machen könnte. Die Tipps und Literaturempfehlungen von Isabella D.G. und Quadflieg werden wir zum großen Teil umsetzen.

    Unser Dank gilt trotzdem an alle! Ich werde berichten, wie es gelaufen ist und ob unsere Tochter das auch so akzeptiert und versteht.

  • Was ich auch noch anmerken möchte, ist, dass gerade bei Impuls und Druck-Problemen die Umgangs-Sprache oder Schimpfwörter viel schneller greifbar sind, als der höfliche und reflektierte Umgangston. Auch meine Mutter und mein Bruder können beides von sich bestätigen. Daher ist es vielleicht ratsam mit deiner Tochter in Zukunft zu differenzieren: Was war, im Konflikt mit Ihrer Schwester, wirklich dem Druck-Problem geschuldet?
    Wo hat sie wirklich aus Frust ihre Schwester beschuldigt und wann war es einfach der erste Impuls das nächstbeste Wort zu nehmen?

    Impulsprobleme bedeutet nicht nur Probleme mit Wut und Ärger, sondern es können auch solche Probleme sein, dem ersten Impuls zu folgen. Zum Beispiel bei Rot über die Ampel gehen, obwohl Autos über die Straße fahren und man das eigentlich partout nicht wollte und trotzdem hat man es gemacht, oder in die laufende Maschinen zu packen, weil man etwas Dreck wegwischen wollte usw. <--- So haben sich meine Impulsprobleme bemerkbar gemacht.
    Dies kann sich auch in der Sprache äußern, obwohl ich zum Beispiel gar nicht wirklich sauer war, habe ich einfach Wörter genommen die jetzt schneller in den Sinn kamen, darunter waren auch Ausdrücke.

    Impulskontrolle, Frustrationstoleranz, Emotion- und Bedürfnischarts oder Karten die man zeigen kann ( wenn man gerade sein Gefühl/Bedürfnis nicht benennen kann = Die gibt es auch für Kinder), Spiele rund um die Exekutive Dysfunktion, Synonyme lernen (was könnte man noch für Wörter nehmen, anstatt....),
    der Umgang mit Wut und Ärger lernen, Lösungsstrategien bei Konflikten für Kinder untereinander.

    Da gibt es viele Karten, Bücher und Charts online zu kaufen. Wir haben zum Beispiel ein A4-Chart mit den wichtigsten Aspekten für die Gewaltfreie Kommunikation, damit wir bei Bedarf, draufgucken können. Auch im Streitfall nutzen wir das oft.

  • Das Gespräch ist gut gelaufen. Da unsere Tochter demnächst von der Regelschule auf ein SBBZ wechselt, wird sie hoffentlich viel weniger Druck haben. Eine Probewoche ist schon vielversprechend gelaufen und sie sagte schon am ersten Tag, dass sie dort bleiben will. Sie kommt mit Druck einfach nicht klar und wenn dann noch Überreizung dazu kommt, kann sie quasi für nichts mehr garantieren. Und hinterher tut es ihr immer leid und sie versteckt sich dann in der Regel in ihrem Zimmer, weil sie sich dann dafür schämt. Meine Frau wird auch künftig mehr auf unsere Signale achten und das mit den Karten ist ein guter Vorschlag, den wir umzusetzen versuchen. Aber leider haben wir bisher nicht das passende gefunden, da wir gerne Karten mit den entsprechenden Smileys hätten. Ihre Aggression kommt hauptsächlich vor und nach langen Schultagen, wie diese Dienstag und Donnerstag der Fall sind. Wir werden auf jeden Fall weiter an uns arbeiten. Mittlerweile planen wir auch den Haushalt mittels Kärtchen, wo jeder täglich fest zugewiesene Aufgaben erhält. Das gibt uns allen Sicherheit und Routine.

  • Wie sehen bei euch die Dienstage und Donnerstage nach der Schule aus, könnt ihr da sozusagen zwei Nachmittagsfreie Tage einrichten? Wo dann gar keine To Dos anstehen?

    Habt ihr dann dazu vielleicht die Möglichkeit für die Kinder gezielt den Stress abbauen zu lassen. Ich meine jetzt nicht unbedingt Sport oder ein Verein (zumindest wäre das nur Hilfreich, wenn dein Kind/deine Kinder darüber wirklich auch Energie gewinnen und nicht verlieren, weil wieder Stress durch Aufgaben oder Kontakte erzeugt wird. Sichauf dem Weg machen für einen Verein usw kann ja auch schon Stress bedeuten.)

    Zum Beispiel, ganz gezielt den Stress/Druck zu Hause als Gemeinschaft ablassen, wenn möglich würde ich meine Kinder dabei begleiten. Ich würde von Grob nach Fein arbeiten (RW). Also vom körperlichen Stressabbau hin zum seelischem Stressabbau.

    Bewusst Trampolin springen

    Oder Hüpfen und Tanzen, den Körper richtig wild ausschütten

    Lieder singen als Familie am Mittagstisch

    Bewusst eine richtige schöne Kuschelrunde für alle Beteiligten, vielleicht mit Knabberzeug (zum Essen, als Stimming)

    Faszienbälle in verschiedenen Größen um sich in die Entspannung zu massieren, zum Beispiel die Füße darauf kreisen lassen.

    Ich redete bewusst vom beiden Kindern, da alle was davon hätten.

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