Prokrastinieren und vermeiden schwieriger Aufgaben

  • Hallo,

    Ich hatte vor kurzem mein Gespräch mit der Dame vom psychiatrischen Dienst, die für die Eingliederungshilfe zuständig ist. Ich hatte an diesem Tag große Probleme zu sprechen und zuzuhören, da kurz vor dem Termin etwas unvorhergesehenes passiert war (Siphon in der Küche ging kaputt, alles stand unter Wasser und stank, ich musste einen Sanitär-Dienst anrufen…). Ich war also schon weit über meine Belastungsgrenzen an dem Tag und stand gefühlt kurz vor einem Meltdown, was sich dann auch mehrere Tage noch hinzog und ich auch in eine depressive Phase und große Lethargie rutschte.

    Glücklicherweise fand der Termin bei meiner Psychologin statt, die mich unterstützen und erst einmal für mich sprechen konnte, bis ich mich wieder einigermaßen „im

    Griff“ hatte. Sie hat auch alles für mich aufgeschrieben. Somit weiss ich theoretisch schon, was ich zu tun habe und was die nächsten Schritte sind.


    Nun habe ich vor ein paar Tagen den Formulare für den Antrag erhalten, den ich für die Eingliederungshilfe ausfüllen soll und ich bin total überfordert damit. Ich habe diese vielen Blätter gesehen und auf den ersten Blick (RW) schon so viele Fragen gehabt (zum ausfüllen), das ich direkt wieder eine Krise hatte und nun liegt der Antrag auf dem

    Schreibtisch herum und ich traue mich nicht, mich daran zu machen, es überfordert mich gedanklich schon so sehr, dass ich regelrecht blockiert bin.

    Wie geht ihr mit solchen Situationen um? Wie schafft ihr es, euren „inneren Schweinehund“ (RW) zu überwinden? Vermutlich ist es dann weniger schlimm als ich es grade annehme, ich darf mich auch (per Mail sogar, weil ich mit dem telefonieren so Probleme habe) melden bei Fragen, aber ich finde irgendwie grade keine Strategie, mich zu überwinden, einfach mal mit dem Ausfüllen des Antrags anzufangen…

    Da ich sehr oft vom Smartphone aus schreiben muss, gelingt es mir manchmal aus Zeitgründen nicht alle Tippfehler zu sehen und zu korrigieren, auch wenn es mich beim späteren nachlesen sofort sehr stört, dann aber nicht mehr zu korrigieren sind.

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    Wie geht ihr mit solchen Situationen um? Wie schafft ihr es, euren „inneren Schweinehund“ (RW) zu überwinden? Vermutlich ist es dann weniger schlimm als ich es grade annehme, ich darf mich auch (per Mail sogar, weil ich mit dem telefonieren so Probleme habe) melden bei Fragen, aber ich finde irgendwie grade keine Strategie, mich zu überwinden, einfach mal mit dem Ausfüllen des Antrags anzufangen…

    Zum einen unterscheide ich zwischen Schweinehund (nicht wollen) und Überforderung/exekutiver Dysfunktion/etc (nicht können).

    Inzwischen hole ich dann Hilfe dazu. Bei sowas würde mir schon reichen, wenn wer Unterstützung anbietet und da ich das ablehne (will halt unbedingt möglichst viel alleine schaffen :roll: ) dann halt nach ein paar Tagen den Zwischenstand erfragt, bis es erledigt ist.

  • Zum einen unterscheide ich zwischen Schweinehund (nicht wollen) und Überforderung/exekutiver Dysfunktion/etc (nicht können).

    Das weiß ich nicht so genau, es ist glaube ich irgendwie beides. Ich bin damit wirklich inhaltlich überfordert (nicht können), aber ich „kann“ es schon (mit Hilfe, die mir ja angeboten wurde), nur brauche ich dafür viel Energie und Nerven, bin sehr schnell frustriert, möchte dann aufgeben, weil es mich so anstrengt. Und um Hilfe zu bitten, fällt mir auch extrem schwer.

    Zum Anderen merke ich, dass ich es meide, WEIL es mir schwerfällt. Da dann irgendwie den Anfsng zu machen, fällt wohl dann unter die Kategorie „innerer Schweinehund“.

    Wenn ich meinen Mann bitten würde, mich zu erinnern, dann würde mich das total stressen und dann kann ich es erst recht nicht mehr. Dann werde ich panisch und unfreundlich gegenüber ihm und er ist dann stinksauer, weil er sich sehr schnell persönlich angegriffen fühlt und nicht begreift, dass ich ihn nicht anmeckere, weil er was falsch macht, sondern weil ich mit der Situation überfordert bin. Da denke ich bei mir oft an das „PDA“ (pathological demand avoidance), was im englischsprachigen Raum ja eine Unterform des Autismus ist.


    Anforderungen setzen mich extrem unter Stress. Vor allem, wenn die Anforderung von außen kommt und mir die Ausführung schwer fällt.

    Da ich sehr oft vom Smartphone aus schreiben muss, gelingt es mir manchmal aus Zeitgründen nicht alle Tippfehler zu sehen und zu korrigieren, auch wenn es mich beim späteren nachlesen sofort sehr stört, dann aber nicht mehr zu korrigieren sind.

  • Ich nehme die Stoppuhr von meinem Handy und nehme mir vor NUR 5 Minuten daran zu machen. Dann mache ich 10 Minuten eine Pause. Setze mich nochmal genau 5 Minuten dran, dann wieder 10 Minuten Pause.

    Es ist a) erstaunlich, wieviel man in 5 Minuten schafft und b) zu 5 Minuten kann ich mich irgendwie überwinden, da 5 Minuten "aushaltbar" sind.

  • Mokey hat Recht, so sehe ich das persönlich auch.

    Es kommt ganz darauf an wie es mir geht und was ich für ein Bedürfnis habe, so gehe ich dann auch an die Sache heran.

    Also speziell jetzt zum Thema Antrag für die Eingliederungshilfe. Entweder ich fülle schonmal was ich kann mit Bleistift aus, bei den Stellen wo ich nicht weiter weiß mache ich mir eine Markierung und schreibe mir dazu Notizen - eben das was abgeklärt werden muss. Entweder sind es Fragen die ich dann mit anderen Menschen bespreche oder/und es sind Punkte die eine größere Beantwortung brauchen. Die großen Punkte strukturiere ich mir wiederum mit To Do Listen, die ich nach und nach abarbeite.

    Am Besten hilft mir, nicht alles an einem Tag zu machen, sondern Stück für Stück abarbeiten.

    Zum Beispiel die ersten einfachen Felder ausfüllen und dann einen groben Überblick machen wie viel Aufwand der ganze Bogen brauchen könnte. Zumindest grob geschätzt.

    Zudem mache ich mir die kleinen Schritte dann so gemütlich wie irgendwie möglich (ich schaffe das auch nicht immer, aber es ist eine Strategie) und danach belohne ich mich. Auch wenn meine emotionale Seite sowas nicht braucht, gibt es oft andere Aspekte in mir, die es dann doch brauchen. Zum Beispiel der Körper, der sich dann wieder entspannt.

    Belohnen meine ich nicht unbedingt Geld ausgeben. Ich mache dann irgendwas was nur für mich ist und wenn es ein richtig toller Tee ist, der dann auf dem Balkon getrunken wird. <--- Nur ein Beispiel.

    Auserdem hole ich mir Hilfe, wenn ich sie brauche, das heißt ich lagere schwere To Do's auch mal aus (RW).

    So kann mein Partner, meine Mutter, mein Betreuer mir helfen oder ich gehe zu sozialpsychiatrischen Einrichtungen die extra kostenlos Hilfen anbieten, gerade für Anträge. Das wäre dann sowas wie Diakonie, Caritas und andere Träger.

  • Ich nehme die Stoppuhr von meinem Handy und nehme mir vor NUR 5 Minuten daran zu machen.

    So ähnlich mache ich es auch, nur nicht nach Minuten, sondern nach Aufgaben. Ich würde mir bei einem schwierigen Fragebogen vornehmen, erstmal nur die erste Frage zu beantworten. Wenn das relativ gut geht, geht vielleicht die zweite auch noch. Danach kann man ruhig mal Pause machen.

    Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
    (Howard Zinn)

  • Ich nehme die Stoppuhr von meinem Handy und nehme mir vor NUR 5 Minuten daran zu machen. Dann mache ich 10 Minuten eine Pause. Setze mich nochmal genau 5 Minuten dran, dann wieder 10 Minuten Pause.

    Es ist a) erstaunlich, wieviel man in 5 Minuten schafft und b) zu 5 Minuten kann ich mich irgendwie überwinden, da 5 Minuten "aushaltbar" sind.

    So will ich das eigentlich auch immer machen. Wenn ich dann aber damit angefangen habe, will ich es unbedingt zu Ende bringen und mache dann weiter, teilweise mit Wutanfällen. Irgendwann ist es dann aber fertig.

    Meist sind das handwerkliche Dinge. Mit Formularen habe ich keine Probleme.

  • So will ich das eigentlich auch immer machen. Wenn ich dann aber damit angefangen habe, will ich es unbedingt zu Ende bringen und mache dann weiter, teilweise mit Wutanfällen. Irgendwann ist es dann aber fertig.

    Meist sind das handwerkliche Dinge. Mit Formularen habe ich keine Probleme.

    Genau so läuft das bei mir auch ab….

    Das ist auch der Grund warum für mich die Strategien von Fenja umd Isabella D.G. vermutlich nicht so gut greifen, aber ich denke ich versuche es am Mittwoch mal mit einer Schritt-für-Schritt-mit-Pausen-Anleitung. Besser als es garnicht erst zu probieren.


    Danke für eure Erfahrungswerte. Ich schreibe dann, wie es gelaufen ist.

    Da ich sehr oft vom Smartphone aus schreiben muss, gelingt es mir manchmal aus Zeitgründen nicht alle Tippfehler zu sehen und zu korrigieren, auch wenn es mich beim späteren nachlesen sofort sehr stört, dann aber nicht mehr zu korrigieren sind.

  • Wie äußern sich bei dir die Wutanfälle, Zephyr ?

    Das ist unterschiedlich. Wenn es kein Meltdown ist, dann meist in immer lauter werdenden Knurren bis zu Brüllen und es können auch mal Dinge herumfliegen (weil ich sie im Zorn geworfen habe). Ich haue auch auf den Tisch oder stehe auf und schubse den Stuhl herum, laufe hin und her und schimpfe laut :m(: und dann setze ich mich wieder und versuche weiterzumachen, weil mich es eben irre macht, etwas nicht zu beenden, was dann halt zu immer größerer Wut führt oder zur Beendigung der Aufgabe, weil es nicht mehr geht.


    Ein Meltdown kann auch passieren, aber da muss vorher schon der Energie“Tank“ sehr niedrig gewesen sein. Das äußert sich dann nochmal anders/heftiger.


    Und bei dir?

    Da ich sehr oft vom Smartphone aus schreiben muss, gelingt es mir manchmal aus Zeitgründen nicht alle Tippfehler zu sehen und zu korrigieren, auch wenn es mich beim späteren nachlesen sofort sehr stört, dann aber nicht mehr zu korrigieren sind.

    Edited once, last by Zephyr (July 8, 2024 at 8:40 PM).

  • Bei mir ist es genau so, Zephyr

    Manchmal bereue ich mein Geschimpfe im Nachhinein. Beispielsweise wenn ich etwas zusammenbauen muss und dann beispielsweise schreie: "Die Produzenten müsste man hängen."

  • Bei mir ist es genau so, Zephyr

    Manchmal bereue ich mein Geschimpfe im Nachhinein. Beispielsweise wenn ich etwas zusammenbauen muss und dann beispielsweise schreie: "Die Produzenten müsste man hängen."

    Ich schimpfe dann halt auf die Bürokraten-*löcher, die sich diese Sch*formulare ausgedacht haben und warum die so extrem unlogisch sind (habe oft den Eindruck, es wird entweder immer wieder dasselbe abgefragt, was mich irritiert und verunsichert und deswegen tierisch nervt oder, dass ich garnicht erst verstehe, was „die“ jetzt eigentlich von mir wissen wollen, weil die Fragestellung unpräzise ist.)


    Beim Handwerkern habe ich wohl deswegen weniger Probleme, weil ich ein sehr visueller Lerner bin und Bedienungsanleitungen zum Glück meist visualisiert sind. Ist die Bedienungsanleitung ohne Abbildungen, habe ich da auch Probleme. Was mich aber sehr verwirrt und aus der Ruhe bringt, sind inhaltliche Fehler in Anleitungen. Da packt mich auch schnell die Wut.

    Da ich sehr oft vom Smartphone aus schreiben muss, gelingt es mir manchmal aus Zeitgründen nicht alle Tippfehler zu sehen und zu korrigieren, auch wenn es mich beim späteren nachlesen sofort sehr stört, dann aber nicht mehr zu korrigieren sind.

  • Mit der Bürokratie habe ich als Beamter zum Glück nicht so das Problem Zephyr . Ich ärgere mich dann nur, wenn irgendwann gesondert per Brief Sachen angefragt werden, die ich schon längst eingereicht habe.

  • Mit der Bürokratie habe ich als Beamter zum Glück nicht so das Problem Zephyr . Ich ärgere mich dann nur, wenn irgendwann gesondert per Brief Sachen angefragt werden, die ich schon längst eingereicht habe.

    Oh, das tut mir leid. Ich wollte dich nicht beleidigen. Ich habe grundsätzlich nichts gegen Beamte.


    Die haben sich die Formulare ja in der Regel nicht ausgedacht.

    Ich bereue meine Wutanfälle eigentlich immer. Ich tue das ja nicht, weil ich anders könnte (in dem Moment) und ich schäme mich oft dafür.


    Edit: das mit dem doppelt anfragen fuchst (RW) auch. Einmal (Schülerbafög. Das muss man jedes Jahr wieder beantragen) wurde nach einem Jahr wieder die Sterbeurkunde meines Vaters verlangt. Da habe ich die gute Frau darauf hingewiesen, dass diese schon vorliegt (von letztem Jahr) und mein Vater immer noch tot ist. Das war das einzige Mal, wo ich etwas nicht nochmal schicken musste.

    Da ich sehr oft vom Smartphone aus schreiben muss, gelingt es mir manchmal aus Zeitgründen nicht alle Tippfehler zu sehen und zu korrigieren, auch wenn es mich beim späteren nachlesen sofort sehr stört, dann aber nicht mehr zu korrigieren sind.

    Edited 3 times, last by Zephyr (July 8, 2024 at 9:05 PM).

  • ......und ich traue mich nicht, mich daran zu machen, es überfordert mich gedanklich schon so sehr, dass ich regelrecht blockiert bin.

    Auch ich vermeide dann jeden Gedanken daran, weil es mich regelrecht krank macht.... aber trotzdem dauernd und unversehens wieder auftaucht.

    Wie geht ihr mit solchen Situationen um?

    Gar nicht!!

    Wie schafft ihr es, euren „inneren Schweinehund“ (RW) zu überwinden? Vermutlich ist es dann weniger schlimm als ich es grade annehme, ich darf mich auch (per Mail sogar, weil ich mit dem telefonieren so Probleme habe) melden bei Fragen, aber ich finde irgendwie grade keine Strategie, mich zu überwinden, einfach mal mit dem Ausfüllen des Antrags anzufangen…


    Ich dachte schon, das alles läge weit hinter mir,....nein, jetzt habe ich ein ähnlich gelagertes Problem und kriege die Krise. Ich habe keinen Plan und verschiebe und verschiebe weiter, was ein immer schlimmeres Gefühl verursacht. - Das Einzige, was nach meiner Erfahrung hilft : es Stück für Stück anzugehen.

    Macht ist das Spielzeug der Reichen, das sie mit niemandem teilen (Muriel Barbery, "Die Eleganz des Igels")

  • Oh, das tut mir leid. Ich wollte dich nicht beleidigen. Ich habe grundsätzlich nichts gegen Beamte.

    Keine Sorge. Ich habe deine Aussage so interpretiert, dass es gegen die Bürokratie allgemein geht und die nervt mich auch als Beamter.

  • Keine Sorge. Ich habe deine Aussage so interpretiert, dass es gegen die Bürokratie allgemein geht und die nervt mich auch als Beamter.

    Ja, so war das auch gemeint.

    Da ich sehr oft vom Smartphone aus schreiben muss, gelingt es mir manchmal aus Zeitgründen nicht alle Tippfehler zu sehen und zu korrigieren, auch wenn es mich beim späteren nachlesen sofort sehr stört, dann aber nicht mehr zu korrigieren sind.

  • Schwierige Dinge aufzuschieben liegt mir überhaupt nicht... Wenn es irgendwie machbar ist erledige ich es sofort oder eben so schnell wie möglich.

    Ich kann es schlecht aushalten, dass noch etwas Wichtiges zu tun ist. Es "sitzt mir im Nacken" (RW) und blockiert mich, andere Dinge vorher zu beenden. So lasse ich auch mal "alles stehen und liegen", wenn etwas meiner Meinung nach Wichtiges zu tun ist.

    Das nervt dann häufig meinen Mann, welcher gerne mal unbeliebte Dinge vor sich her schiebt

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