Wie geht man mit Leuten um, die nur über ihre Probleme jammern?

  • Für mich ist das eine schwierige Sache, da hier aus meiner Sicht unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander treffen. Dass die Person jammert ist ja in dem Moment eben ihr Bedürfnis; Lösungen anzubieten wäre mein Bedürfnis aber wenn die Person das eben gar nicht möchte, dann wird man sich nicht einig. Ich sehe es aber auch nicht so, dass es dabei ein richtig oder falsch gibt (also weder dass nur jammern falsch ist bzw. nicht, dass Lösungsvorschläge immer die richtige Reaktion wären)

    Wenn man selbst die nötige Kraft und Abgrenzungsfähigkeit hat, kann man auch der Person mit ihrem Gejammer einfach zuhören. Es ist aber auch niemand dazu verpflichtet, der das nicht möchte oder den es stört. Wenn einen das Gejammer nur nervt oder belastet ist es aus meiner Sicht genau so in Ordnung von der Person auf Abstand zu gehen.

    Menschen die andere zujammern sollten, aus meiner Sicht, auch berücksichtigen wann und wo sie das machen. Es einfach zu machen wie es ihnen passt fände ich rücksichtslos. Man kann sich auch Möglichkeiten zum jammern suchen (Foren, Gruppen, etc.) wo es in Ordnung ist und die zuhörenden Leute auch nicht stört. Und wenn jammernde nicht auf andere Rücksicht nehmen und es einem zu viel ist, kann man das denke ich notfalls auch mitteilen, das man kein Interesse/Kapazität/etc. hat sich das anzuhören.

    Ein erstklassiger Beitrag, wie ich finde! Genau, es sind unterschiedliche Bedürfnisse und zum Problem wird es doch erst dann, wenn diese Bedürfnisse kollidieren UND man in dem Stress vergisst, dass die Bedürfniserfüllung und Grenzeinhaltung keine Pflichten des anderen sind, sondern man das selber machen darf. (Ich schließe mich da mit ein. Ich vergesse das im Stress auch schnell mal. Zum Glück fällt es mir dann doch meist irgendwann wieder ein.)

    Ein bisschen komplizierter wird es, wenn der Jammernde noch behauptet, er würde Lösungen haben wollen, nur um sie dann alle abzulehnen. Also berücksichtigen: Menschen wissen (im Stress) häufig selber nicht, was sie wirklich wollen. (Auch hier schließe ich mich mit ein.)

    Wenn hier also wirklich eine Lösung gesucht wird, wie man mit jammernden Menschen umgeht, und nicht nur gejammert werden sollte (;)): Die eigenen Trigger bewusst machen, Selbstfürsorge etablieren, Grenzen setzen und selbst für die Einhaltung sorgen, wertschätzend mit sich und anderen umgehen. Kurz: Verantwortung übernehmen.

    Das ist zu mindest der Weg, den ich (mehr oder weniger erfolgreich) versuche zu gehen. Habt ihr weitere oder andere Tipps/Erfahrungen/Ansichten?

  • Wenn hier also wirklich eine Lösung gesucht wird, wie man mit jammernden Menschen umgeht, und nicht nur gejammert werden sollte ( ;) ): Die eigenen Trigger bewusst machen, Selbstfürsorge etablieren, Grenzen setzen und selbst für die Einhaltung sorgen, wertschätzend mit sich und anderen umgehen. Kurz: Verantwortung übernehmen.

    Erwachsen werden?! :thumbup: (.....im positiven Sinne....)

    Macht ist das Spielzeug der Reichen, das sie mit niemandem teilen (Muriel Barbery, "Die Eleganz des Igels")

  • Jammern/ Klagen wirkt für den Betroffenen erstmal entlastend. Er kann was los werden, was drückt unabhängig davon wo u in welchem Spektrum er sich befindet.

    Ich kenne das Phänomän - bin selbst Teilnehmerin einer SHG - wenn auch weniger, da ASS Betroffene dort oft sachlich vortragen, eine Frage zu einem Thema haben, oder erlebtes geteilt wird.

    Wenn jemand nur jammert, wird nach der Frage gefragt, da eine Selbsthilfegruppe ja zur Selbsthilfe da ist. Die Leute - bis jetzt waren das immer andere Neurodiverse - verstehen das Jammern nicht viel bringt in der Gruppe und meist nach 1-2 Treffen verschwinden. Die Gruppe ist offen für Interessierte, keine reine ASS Gruppe, was ich manchmal schade finde. Ich bin ein sehr lösungsorientierter Mensch, bei manchen Problemen u Projekten jedoch braucht es einen langen Atem (RW) dann schätze ich den Zuspruch der Gruppe sehr u gehe meinen Weg weiter.

    In einer SGH gibt es doch Regeln, dann würde ich die Regeln ggf. anpassen bzw. klar äussern wofür die Gruppe steht u was sie leisten kann und was nicht. Zum einen schützt das die anderen Teilnehmer u der Betroffene kann sich evtl. wo anders Hilfe holen, wenn er von der Gruppe keine annehmen kann.

    Im privaten vermeide ich Jammerer, mal etwss los werden ist ok für mich, aber wenn ich merke, dass es Endlosschleifen sind ziehe ich mich mit Begründung zurück, je nach dem wie nah mir dieser Mensch steht.

  • "Wie geht man mit Leuten um, die nur über ihre Probleme jammern?"

    Ich rate zum Abstand nehmen, weil es Energie kostet und wenig "Bewegung" drin ist. Ich persönlich ertrage es schlecht, wenn ich merke, dass ich meine Energie verschwende.

    Die Psychologenanalyse finde ich treffend.

    Ruhe und Freiheit sind die größten Güter. (Beethoven)

    Edited once, last by Schwarze Katze: Formatierung entfernt. Zitat kenntlich gemacht. (June 23, 2024 at 7:00 PM).

  • Ja, es gibt Menschen, die besonders durch "Auskotzen" (nicht negativ gemeint) Stress abbauen + manchen hilft dann mehr Mitleid, als Lösungsvorschläge (manche sehen Lösungsvorschläge als Vorwürfe / mangelndes Mitgefühl an).

    Und aber auch ja, das Sprichwort "Wer jammert, hat noch Energie dazu" stimmt auch.

    Wie ich mit Leuten umgehe, die den ersten Punkt erfüllen - ich mache einen großen Bogen um sie, da mich diese Kommunikationsart massiv auslaugt und triggert, da ich von stetig jammernden Energievampiren zum Stehaufmännchen gedrillt wurde, und dabei aber auch nicht gelernt hab durch reinen Gefühlsaustausch Energie zu finden. Liebe bekam ich maximal, wenn ich funktionierte, und das bestand darin, die Klappe hinsicht meiner Bedürfnisse zu halten und ein Schwamm für andere zu sein. Seitdem ich daraus ausbrechen konnte, düse ich ab wie ein steigendes Pferd, wenn ich solche Situationen wieder wittere.

    Aber auch selbst, wenn jemand kein Energievampir ist, und "einfach" gegenseitigen Gefühlsaustausch betreiben will, zehrt das aufgrund der Smalltalk-Gepflogenheiten, denen ich mich dann wieder anpassen muss, an meiner Energie. Zudem, falls ich es dann geschafft habe, den anderen "abzuholen", "überfährt" mich das dann schnell, da ich mich so stark in andere einfühle, wenn ich mich dann öffne. Und da ich meine Grenzen so schlecht aufrecht erhalten und im Auge behalten kann, geht auch ein "normaler" Gefühlsaustausch-Mensch dann nicht selten über diese drüber. Da es ja meine Aufgabe mit wäre, ihn zu begrenzen.

    Letztlich hätte ich dann auch nicht mal Zeit dazu zu einer SHG zu gehen, hätte ich Energie dazu, oder vielleicht auch weil ich keine Energie dafür hab, hab ich keine Zeit dafür. Und umgekehrt.

    Ab und zu hatte ich mal für wenige Sekunden Zeit darüber nachzudenken, dass ich Interesse hätte, meine Situationen mal in einer Art Blog darzulegen und Blogs anderer Mütter dazu aufzusuchen. Damit Menschen, die keine Ahnung von ADHS haben, mehr Verständnis dafür enwickeln, warum die Kinder und Eltern asozial wirken. Aber auch dazu habe ich keine Zeit. Obwohl ich ungernst negativ auffalle, habe ich zum Schutze meiner Kinder und mir, neuerdings, wenn auch zwangsweise, die Einstellung ggü. unwissenden Vorurteilern "Denkt was ihr wollt" entwickelt.

    Ich denke immer, in ca. 10 Jahren wird es ruhiger, wenn alles ausreichend gut läuft. Und bis dahin werde ich nun stählern dadurch schlittern wie ein Zug durch einen mit Steinen zugeschütteten Tunnel. Weil ich, so lange ich die Zeit nicht arbeiten muss, denke, dass ich das schaffen kann.

    Andere arbeiten vielleicht wohl, aber haben dafür vielleicht ab und zu ne Oma / Freundin, die die Kinder abholt. Und / Oder haben passende Medikamente für ihre Kinder. Und haben selbst ggf. nix an Störungen. So dass sie dann in unseren Augen den Luxus haben zu Jammern. Aber für sie ist das das größtmögliche Leid, welches sie erleben. Und daher würde ich ihnen nie hämisch begegnen wollen. Müsste mich aber auch zusammenreißen, wenn ich zwangsweise mit ihnen länger konfrontiert wäre, da es mich erdrückt.

    Wenn in der Schule meines Kindes Elterntreffs zwangsläufig stattfinden, dann ist da immer eine Mutter, die nur das Thema ADHS ihres Kindes und bei sich selbst hat. Dabei ist ihr Kind aktuell ganz ruhig, sie sagt das liegt am Medikament. Und sie ist voll dafür, dass er sie kriegt. Vorhandene Schwierigkeiten sind noch das Erledigen von Hausaufgaben, und pünktlich zur Schule kommen, was allerdings auch bei NT-Kindern häufig auftritt. Sie redet dann aber auch noch von früher und über die mit ADHS-verbundenen Stärken. Sie scheint irgendwie immer noch alles verarbeiten zu müssen + zu können. Nutzt vermutlich auch kein Forum, wie ich dafür den Ausgleich hier habe. Sie hat zur Unterstützung Eltern, Freunde und so wie es aussieht auch noch eine funktionierende Partnerschaft, arbeitet auch gerade nicht, und konnte ihr Studium erfolgreich beenden + ist dazu nebenbei noch wohlhabend. Sie versuchte auch öfters Müttertreffen zu organisieren, was aber von mir und den anderen Seiten aus zu den Zeiten nicht umgesetzt werden konnte. Unter den übrigen Eltern ist noch eine studierte, die das Thema ADHS auch nicht auspackt. Die hat auch kaum Zeit für irgendwas, wie sie sagt.

    Und ansonsten bin ich halt auch mittlerweile umfassend über das Thema informiert. Meine Kinder sind bestmöglich versorgt. Wenn ihre Zukunft gut wird, wird sie das. Wenn nicht, kann ich das nicht ändern, hab aber alles gegeben. Dass ich keine familiäre Unterstützung habe, kenne ich von kleinauf. Und dass jeder behinderte Kinder bekommen kann, habe ich nie verdrängt (was ich niemandem unterstelle, aber so Leute gibt es). Dass das am Ende schwieriger für manche werden kann, als sie sich ausmalten, ok. Und dass manche mehr Anhörung, als Ratschläge suchen, auch ok für Sie, und die da gut zuhören können.

  • Zuhören und durch vorsichtige Fragen das Gespräch so lenken, daß der Jammernde langsam auf positivere Gedanken kommt.

    Kann ich schlecht erklären, wie ich das genau mache, aber solche Skills gehören zum Erfahrungs-Repertoire meines Berufs.

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