Was macht man mit Freunden?

  • Mir geht es oft so, das ich grundsätzlich gerne Freunde hätte. Mit denen man z.B. dasselbe Interesse hat, über etwas miteinander reden kann oder auch mal was zusammen machen kann. Aber wenn ich dann mal Leute kennengelernt habe, dann wusste ich nie was man dann so miteinander macht.

    Ich hatte früher mal eine Bekannte, die hat mich dann z.B. mal mit zu ihren Freunden genommen zu einem Grillabend. Das fand ich ganz gut, einerseits wo dabei sein zu können aber so das ich nicht durchgehend was aktiv machen muss. Ich konnte dann auch nur zuhören ohne smalltalk machen zu müssen, hat aber keinen gestört weil sie sich dann miteinander unterhalten haben. Und ich hatte aber trotzdem das Gefühl, Teil einer Gruppe gewesen zu sein.

    Leider hatte das nicht lange gehalten, da die Bekannte mich schnell für zu langweilig hielt. Mir reicht es oft eigentlich, irgendwo mit dabei sein zu können. Aber wenn ich eben versuche eigene Freunde zu finden, dann erwartet die Person meistens dass man die ganze Zeit z.B. miteinander redet, aufeinander eingeht, usw. Also smalltalk und solche Sachen. Aber vor allem wenn ich die Person noch nicht gut kenne, weiß ich dann auch gar nicht was man miteinander reden könnte.

  • Mit meiner Freundin gehe ich gerne spazieren (wir können gut miteinander reden), mit meinem Freund mache ich öfter einen Videoabend (da reden wir kaum miteinander) und wenn wir zu dritt unterwegs sind, im Urlaub oder auf Ausflügen, da machen wir gerne Blödsinn.

  • Hallo,

    ich habe neben meiner Mitbewohnerin und besten Freundin nur ein befreundetes Pärchen, mit denen treffen wir uns immer zu Spieleabenden/nachmittagen. Wenn man will, kann man quatschen, aber man muss halt nicht

    Da uns vier das Harry Potter-Thema verbindet, ist das auch oft Gesprächsthema. Perfekt für mich.

    Filmabende empfinden andere mit mir anstrengend, weil ich leider bei Filmen, die ich bereits kenne, dazwischenrede, "Fun Facts" (die offensichtich nur ich funny finde) rausposaune oder Dinge analysiere, je nach Filmtyp. Deswegen meide ich sowas, ebenso wie allzu steife "Runden in Geselligkeit", d. h. Grillen, Spazieren, Kaffee Trinken und sowas. Und ich vermeide absolut, wenn besagte Personen Geburtstag feiern oder vergleichbares, dass ich hinkomme, wenn noch andere Leute eingeladen sind. Wir drehen lieber eine Extrarunde im kleinen Kreis.


    Ohne die Gemeinsamkeit unserer Hobbies (mein Spezialinteresse, sowie Harry Potter) hätte ich allerdings nicht so recht gewusst, wie ich das angefangen hätte. Vermutlich, wi8e so oft, hätte ich diese Personen dann nicht kennengelernt. "Getroffen" habe ich ihn übrigens Online, über mein Spezialinteresse. Es war ein angenehmer Zufall, dass er nur 10 Min. von mir entfernt wohnte.

  • Wie wäre es, wenn du über deine Interessen versuchst Freunde zu finden? Je nachdem, was dich interessiert, gibt es vielleicht Kurse, Vereine, oder ähnliches, wo man dann diesen Anknüpfungspunkt des gemeinsamen Interesses hat.


    Da meine SI meist nicht so sehr „speziell“ waren (dafür aber eben sehr intensiv), hatte ich das Glück, darüber oft Gesprächsthemen zu haben.

    Schwierig ist es für mich vielmehr dann Freundschaften länger aufrecht zu erhalten, da habe ich einfach andere Vorstellungen und erfülle offensichtlich die Erwartungen des Gegenübers nicht.


    Heutzutage habe ich außerhalb meiner Kernfamilie kaum noch Sozialkontakte, bzw. sind diese sehr locker. Aber eine Runde spazieren gehen mit 2 guten Bekannten klappt immer gut und wir haben auch gemeinsame Interessen und somit immer ein Gesprächsthema. Beide nehmen es mir nicht übel, dass ich kein Smalltalk kann/führe und sind auch nicht beleidigt, wenn ich mich mal ne Weile nicht melde, keine Lust/Energie habe , den Geburtstag vergesse oder zu direkt bin oder „falsch“ reagiere oder was sonst zu Resentements geführt hat in Vergangenheit.


    In Gruppen fühle ich mich weiterhin sehr unwohl. Das meide ich, wo es nur geht.

    Da ich sehr oft vom Smartphone aus schreiben muss, gelingt es mir manchmal aus Zeitgründen nicht alle Tippfehler zu sehen und zu korrigieren, auch wenn es mich beim späteren nachlesen sofort sehr stört, dann aber nicht mehr zu korrigieren sind.

  • Was macht man mit Freunden?

    Das meiste, was ich mit meinen Freunden mache, ist tatsächlich Reden, ob über Chat oder Messenger, ob im Real Life oder mittels Videotelefonie.

    Bei der Videotelefonie hat es sich als gut herausgestellt nebenher zu malen oder zu kritzeln. Wenn das beide tun und gelegentlich ihre Werke zeigen, kann das sehr erfüllend sein.

    Auch nett ist beim Telefonieren, was zusammenzuspielen. Guild Wars 2 und Konsorten eignen sich da gut, aber auch Spiele wie Palworld.

    Beim Reden im Real Life hat sich spazieren gehen bewährt, man kann auch mal ein paar Minuten nebeneinander herlaufen, ohne, was zu sagen.

    Auch als effektiv hat sich rausgestellt was zu spielen, je nach Freund können das sehr intensive Spiele wie Robo Rally oder das Verrückte Labyrinth oder sehr einfache wie Dobble oder SkipBo sein. Eine weitere gute Kategorie sind sogenannte kooperative Spiele wie The Game oder The Crew diese eignen sich, wenn man was spielen will, aber nicht gegeneinander.

    Je nach Level der Freundschaft können auch Hilfen im Alltag dazu kommen, so haben mir schon Freunde geholfen meine Wohnung aufzuräumen (einmal ein ganzes Wochenende, danke an die beiden!) oder ich habe für Leute gekocht, die für sich kein Essen mehr machen konnten. Dinge auf Flohmärkten verkaufen und hilfe bei schwierigen Terminen gehört auch dazu.

    Und dann gibt es natürlich noch jene Freundschaften, die auf Basis eines gemeinsamen Interesses Leben.

  • Aber wenn ich dann mal Leute kennengelernt habe, dann wusste ich nie was man dann so miteinander macht.

    Naja, man macht das, was man selbst gerne macht - nur eben mit Freunden. Oder man macht das mit, was die gern machen. Die Basis sollte natürlich sein, dass alle das jeweils halbwegs gerne machen.

    _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_

  • Bei mir bahnt sich gerade eine Bekanntschaft an, evtl. wird daraus ja mal eine Freundschaft. Wir haben uns am Strand über ein gemeinsames Thema unterhalten u haben auch Gemeinsamkeiten wie wandern oder spazieren gehen. Reden können wir ganz gut.

    Nebenbei bin ich immer mal wieder in kleinen! Gruppen wo ich einem Interesse nachgehen, aktuell ist das töpfern u segeln. Im Herbst möchte ich einen Nähkurs besuchen.

    Ich finde, bei Beschäftigungen geht es am einfachsten, weil es zwanglos ist, man ja aus eigenem Interesse dort ist. Wenn jemand dann interessant oder sympatisch ist kann man über das Thema redend such ja besser kennenlernen u vielleicht ergibt sich was.

  • Mein Eindruck war bisher, dass ich für Normalos zu speziell bin; Aber für spezielle Menschen wohl auch nicht speziell genug, um dazu zu passen. Das war schon immer mein Problem, dass ich irgendwo dazwischen bin und nicht neurotypisch aber auch nicht neurodivers genug bin um in eine von beiden Richtungen zu tendieren.

    Außerdem bin ich anfangs bei neuen Kontakten noch gehemmt, ich bin eher introvertiert und brauche etwas Kennenlernzeit um lockerer zu werden. Wenn man sich besser kennt und vertraut ist werde ich auch lockerer, aber meistens werde ich schon vorher als zu lanweilig beurteilt. Oder das ich gehemmt bin wird fälschlich als Desinteresse am Kontakt fehlinterpretiert.

    Vielleicht sollte ich erstmal an dem Punkt anfangen, wo man überhaupt passende Kontakte finden kann?

    So ein richtiges Thema, das mein Hobbie oder zentrales Interesse im Leben wäre habe ich nicht. Ich bin eher sehr vielschichtig interessiert, lerne und entdecke sehr gerne neues. Ich kenne mich über sehr vieles ein Bisschen aus aber habe kein Thema, worüber ich mich ausführlicher auskenne.

    Worüber ich mich auskenne ist dann aber widerum kein belangloses Grundwissen, sondern Detailwissen. Was für neurotypische wohl zu tiegründig geht, um sich darüber austauschen zu können oder auch zu wollen. Aber um sich mit themenerfahrenen Menschen über so ein Thema austauschen zu können reicht dann widerum mein Wissen auch nicht aus.

  • Vielleicht sollte ich erstmal an dem Punkt anfangen, wo man überhaupt passende Kontakte finden kann?

    Leider hatte das nicht lange gehalten, da die Bekannte mich schnell für zu langweilig hielt.

    Ich habe da (auch hier im Forum) ein Problem bemerkt: Unterschiedliche Motivation.

    Wenn Leute sich treffen, um ihr Bedürfnis nach zwei/mehrseitig aktivem Sozialkontakt haben, passt es nicht mit einer Person, die nur passiv dabei ist. Ebenso, wenn die Organisation nur von einer Person gemacht wird, die quasi als Reiseleitung fungiert, sich aber wünscht, dass andere aktiv mitgestalten. Da passt das Geben und Nehmen nicht zusammen.

    Problematisch ist ebenfalls, wenn der Wunsch nach bestimmten Aktivitäten und der Wunsch nach "nur mit Menschen zusammensein" gemischt wird. D.h. A möchte gerne eine bestimmte Aktivität machen, egal ob alleine oder nicht. B will unbedingt mit A Zeit verbringen, sagt zur Aktivität zu, hat daran selbst aber kein Interesse und versucht dann (unbewusst) das Treffen umzugestalten. - Oder umgedreht.

    Will sagen: Zu einer Hobbygruppe gehen, weil das ein SI ist, kann eine große Enttäuschung sein, wenn das Hobby für die anderen nur Alibi ist um zusammen Zeit zu verbringen.

    Moderatorenbeiträge sind an der grünen und fetten Schrift erkennbar! Alles andere stellt meine persönliche Meinung als Forennutzerin dar.

  • Unsere gemeinsamen Freunden haben wir über das Internet kennengelernt. Wir wollten uns mit anderen Autisten treffen, um gemeinsam was zu unternehmen, uns gegenseitig zu helfen oder einfach nur zu reden. Mit einigen passte das so gar nicht (die hatten zum Teil sehr seltsame Einstellungen und wollten nur nehmen, aber nicht geben), aber mit zwei anderen Autisten passte das sehr gut und da wurde dann eine enge Freundschaft draus (bei den Beiden dann auch Liebe, sodass wir jetzt zwei Pärchen sind).

    Wir treffen uns oft zu Spieleabenden (Mau-Mau, Mensch-ärgere-dich-nicht, Kniffel und so), zum Kochen/Grillen/Fondue/Raclette (je nach Jahreszeit und Laune), ab und zu auch mal zum Filmabend und manchmal reden wir auch einfach nur. Wir unternehmen aber auch oft gemeinsam was, wie zum Beispiel Ausflüge zum Strand, zum See, zum Mittelaltermarkt, zum Weihnachtsmarkt oder zum Büchermarkt. Und wir helfen uns aber natürlich auch gegenseitig (beim Renovieren, organisieren von Dingen, bei Papierkram und all sowas).

    Da wir alle vier Autisten sind, ist das für keinen von uns ein Problem, wenn man mal ein paar Tage nichts voneinander hört oder jemand ein Treffen absagt, weil ihm das grad zuviel ist. Da hat jeder Verständnis, weil er das ja selber kennt und weiss, wie das ist.

    Ich war damals nicht sicher, ob das so eine gute Idee ist, sich mit anderen Autisten zu treffen, weil ich im Internet keine so guten Erfahrungen mit anderen Autisten gemacht hab, aber jetzt bin ich froh, dass ich das doch gemacht hab, denn sonst hätten wir jetzt nicht diese tollen Freunde.

  • Unsere gemeinsamen Freunden haben wir über das Internet kennengelernt.

    Übers Forum oder wo genau habt ihr gesucht? Das was du schreibst hört sich super an, ich finde es sehr anstrengend, mich und meine Eigenarten zu erklären, und mir gefällt die Idee das man sich hilft gegenseitig, gerade wenn man ähnliche Herrausvorderungen hat.

  • Übers Forum oder wo genau habt ihr gesucht? Das was du schreibst hört sich super an, ich finde es sehr anstrengend, mich und meine Eigenarten zu erklären, und mir gefällt die Idee das man sich hilft gegenseitig, gerade wenn man ähnliche Herrausvorderungen hat.

    Gesucht haben wir in dem Sinne eigentlich nicht. Wir haben halt über dieses und ein anderes Forum User aus unserer Nähe kennengelernt und privat geschrieben und da sich jeder von uns gern mal mit anderen Autisten treffen wollte, haben wir das dann irgendwann einfach in die Tat umgesetzt und uns in einem Bistro getroffen.

  • Mir geht es oft so, das ich grundsätzlich gerne Freunde hätte. Mit denen man z.B. dasselbe Interesse hat, über etwas miteinander reden kann oder auch mal was zusammen machen kann. Aber wenn ich dann mal Leute kennengelernt habe, dann wusste ich nie was man dann so miteinander macht.

    Grunsätzlich wahrscheinlich am Besten Dinge, die beide interessieren. Für gemeinsame Unternehmungen gibt es ja bestimmt Ideen, da man selber gerne was unternimmt oder ein Interesse an etwas hat und wenn man nicht gerade komplett exotische Interessen hat findet sich eigentlich immer etwas.

    Leider hatte das nicht lange gehalten, da die Bekannte mich schnell für zu langweilig hielt. Mir reicht es oft eigentlich, irgendwo mit dabei sein zu können. Aber wenn ich eben versuche eigene Freunde zu finden, dann erwartet die Person meistens dass man die ganze Zeit z.B. miteinander redet, aufeinander eingeht, usw. Also smalltalk und solche Sachen. Aber vor allem wenn ich die Person noch nicht gut kenne, weiß ich dann auch gar nicht was man miteinander reden könnte.

    Das habe ich leider auch schon oft erlebt. Für zu "normale" Menschen war ich ziemlich langweilig oder zu "seltsam" und für Menschen, die auch Einschränkungen hatten bin ich oft an zu unzuverlässige und toxische Menschen geraten. Etwas in der Mitte gab es kaum.

    Es gibt in meinem Leben 3 langjährige Freunde, mit denen ich im realen Leben viel unternommen habe. Bei einer ist der Kontakt etwas eingebrochen da die Person mittlerweile ein Kind hat und sich Umstände und Prioritäten verändert haben, den anderen Freund sehe ich wenn es klappt fast jede Woche 1 Mal und den dritten einige Male im Jahr (je nachdem kann es mal 3 Mal im Monat sein dann aber auch 3 Monate gar nicht) - die Schwierigkeit ist dann aber wenn niemand Zeit hat und ich quasi Sachen habe, die ich gerne machen würde aber es niemanden gibt da bin ich schon seit Jahren auf der Suche mehr Menschen in meiner Nähe zu finden, mit denen ich regelmäßig was unternehmen kann. Ein möglich wichtiger Grund wieso es scheitert ist auch, dass die 3 bestehenden langjährigen Freunde mich kennen und einschätzen können und es im Laufe der Jahre durch viele gemeinsame Momente gewachsen ist aber eine neue Person mich gar nicht wirklich einschätzen kann und oftmals die Geduld und das Verständnis für mich fehlt. Auch fällt es mir schwer dann als Außenstehende "neue Person" in bestehende Freundschaftskreise reinzukommen.

  • Man kann sich zu einem Ausflug verabreden, einer Wanderung, sowas in der Art, dann hat man eine schöne Umgebung, und wenn die andere Person nur Gesprächsthemen hat, die einen nerven, z.B. endlos irgendwelche Probleme mit Familienmitgliedern oder Arbeitskollegen schildert, sich aufregt über alles Mögliche usw., dann kann man sich an die Natur um einen herum "klammern" und dann war es das letzte Mal, dass man die Person privat getroffen hat. Okay, ich sehe selbst, ich gehe gleich vom Schlimmsten aus... Man kann auch zusammen was essen gehen, dann kann man sich besser auf ein Gespräch konzentrieren, oder man macht zusammen eine Foto-Tour. Also ich finde dieses reine Zusammensitzen mit den allermeisten Menschen oder Spazierengehen und dann auf einen Kaffee unerträglich und das mache ich auch nicht mehr mit, früher hab ich sowas gemacht, um überhaupt Kontakt zu haben außerhalb der Partnerschaft, aber es ist mir einfach zu anstrengend und die meisten regen sich nur ständig über irgendwas auf in ihrem Leben, es ist die Hölle. Wenn man jemanden hat, mit dem man ein Interesse hat, selbst dann will die Person meistens nur ab und zu vielleicht mal darüber reden und ist irgendwann genervt.

    Wo man ganz gut mit anderen zusammen sein kann ohne das schreckliche Gelaber, das sind Spieleabende, das hatte ich oft, als ich jünger war, aber irgendwann ist das bei den meisten vorbei.

    Wenn jemand schon ein Freund ist, dann ist es natürlich was anderes, dann kann man vieles zusammen machen, sich unterhalten, Ausflüge, Museumsbesuche, Essen gehen...

    Edited once, last by Lefty: einige Fehler korrigiert (May 26, 2024 at 6:37 PM).

  • Ich habe mich früher oft gefragt, was man „mit anderen Menschen macht“.
    Einerseits habe ich mir immer Freunde oder zumindest gute Bekannte zum gemeinsamen Ausüben von Hobbys oder Austausch darüber gewünscht, andererseits habe ich aber immer wieder gemerkt, wie unangenehm es mir war, mich mit bzw. auf andere Menschen zu treffen, was allerdings nicht sehr häufig vorkam.
    Es entstanden immer wieder „peinliche Stillen“, in denen ich nicht wusste, was ich sagen sollte, oft auch dann wenn eigentlich eine gemeinsame Interessensbasis hätte vorhanden sein sollen – selbst im schriftlichen Kontakt.
    Zudem war es für mich insofern schwierig, als meine Hobbys und Interessen nur sehr, sehr wenige Leute teilen und eigentlich eher dergestalt sind, dass man sie allein für sich ausübt bzw. mir die gemeinsame Ausübung nicht gefällt (z.B. Kreatives), dass mich nur ein einzelner Aspekt davon interessierte und alles andere nicht (z.B. mein sehr spezifisches Forschungsthema), oder aber dass ein potentieller Austausch sehr kurz wäre.
    Die „typischen“ gemeinsamen Aktivitäten wie Essen gehen, gemütlich zusammensitzen und reden, haben mich nie interessiert und es war für mich immer sehr unangenehm, dass ich mir mehr als fehl am Platz vorkam, wenn ich einmal so etwas über mich ergehen lassen musste. Das ist auch heute noch so.

    Mittlerweile habe ich aber festgestellt: Wenn es mit einem Menschen echt passt – nur einem, mit Gruppen komme ich selten klar, vielleicht nur wenn es mit allen einzeln passen würde –, dann habe ich diese ganzen Probleme nicht mehr. Wenn ich diese Menschen treffe, gibt es keine peinlichen Stillen, es gibt keine Momenten, in denen ich nicht weiß, was ich mit der Person machen soll, man findet immer ein gemeinsames Thema zum Reden oder eine gemeinsame Aktivität, auch dann wenn sich die Lieblingsinteressen nicht überschneiden sondern eher ein Nebeninteresse oder kleineres Hobby. Dann geht es auch, sich einfach mal so zum Reden oder Essen Gehen zu treffen.
    Ich habe das zu einem Indikator gemacht, ob die andere Person wirklich ein Freund ist oder werden könnte.
    Sobald ich das Gefühl bekomme, nicht (mehr) zu wissen, was ich mit der anderen Person eigentlich anfangen soll, weiß ich, dass diese Person einfach nicht passt und niemals passen wird. Ich habe für mich festgestellt, dass es nicht zielführend ist, es krampfhaft weiterzuversuchen, wenn es mit jemandem einfach nicht passt, auch dann wenn ich endlich jemanden gefunden hätte, der ein seltenes Hobby teilt oder an sich eine nette Person ist, die mich gerne kennenlernen will – maximal in einem wirklich festen Rahmen eines Hobbys wie z.B. einem Spielenachmittag oder einer Wanderung, bei der man gemeinsam etwas genau Vorgebenes macht, aber sich nicht formlos „einfach so“ trifft.
    Was die genaue, greifbare Ursache für das Passen oder Nicht-Passen ist, weiß ich nicht – ich würde es am ehesten mit den Redewendungen „(nicht) auf gleicher Wellenlänge sein“ oder „(nicht) auf einen gemeinsamen Nenner kommen“ beschreiben.

    Edited once, last by modulo (June 18, 2024 at 5:07 AM).

  • Meine Freundschaften sind quasi alle über SI oder Hobby entstanden. Dabei eine langjährige, wir sind seit über 20 Jahren wie Schwestern. Und auch wenn wir uns Monate nicht sehen oder hören, knüpfen wir einfach an und reden weiter. Wir können 12 Stunden nonstop reden und uns gehen weder die Themen, noch die Freude daran aus. Das ist allerdings einmalig. Eine Seelenverwandte. Findet man nicht so einfach.

    Die zweite gute Freundin kam vor wenigen Jahren über das Hobby in mein Leben und auch hier passt es einfach 100%.

    Was ich mit denen mache? Hm, mit der ersten gehe ich in den Wald, Pilze sammeln, früher ausreiten, auf Seminare zu allerlei Themen rund um die Pferde...manchmal einfach nur frühstücken - allerdings immer bei einem von uns zu Hause. Sind halt auch 100km die uns in der Realwelt trennen.

    Mit der zweiten wird über das Lederhobby gefachsimpelt, Material wie neues Leder oder Werkzeuge ausgetauscht, neue Werkstücke wechselseitig angeschaut und man hat einfach Freude daran, dass der andere die gleiche Begeisterung dafür empfindet. Auch Themen aus dem alltäglichen Leben besprechen wir.

    Zwei weitere Freundschaften sind über das Forum entstanden, allerdings mit riesiger Realdistanz, so dass es sich quasi auf die Onlinekommunikation beschränkt.

    Ansonsten habe ich in der Art keine "Freunde", das sind alles eher Bekanntschaften. Und da ist auch nicht dieser Tiefgang drin.

  • Ich vermute, das es bei mir auch an der Sensibilität liegt das es bisher nicht funktionierte. (Bzw. dass Menschen mich dann eben auch schnell oberflächlich aussortieren)

    Bei mir ist es bspw. so, dass ich auch ruhige Zeiten dazwischen brauche. Wenn man etwas zusammen unternimmt, dann merke ich bei mir das ich stiller werde, wenn ich überlastet bin. Für mich gehört es auch dazu, dass man mal 10 Minuten nichts sagen kann, ohne das es als unangenehm oder "peinliche Stille" empfunden wird.

    Vor allem bei neuen Kontakten ist es bei mir so, dass ich anfangs noch nicht weiß worüber man reden kann, weil man die Person noch gar nicht so gut kennt. Und Smalltalk über belangloses um irgendwas zu reden, da kann ich nicht mitreden.

    Ich denke das es eher klappen würde, wenn ich vielleicht jemand ähnlich sensibles kennenlernen würde. Wo man dann einfach schonmal eine ähnliche Basis hat an Bedürfnissen und Wahrnehmung der Welt.

  • Für mich gehört es auch dazu, dass man mal 10 Minuten nichts sagen kann, ohne das es als unangenehm oder "peinliche Stille" empfunden wird.

    Darum gehen viele Männer gern angeln, da kann man stundenlang einträchtig zusammensitzen ohne ein Wort zu sagen ;) (bin selbst kein Angler). Nach meinem Eindruck empfinden Männer diese Stille generell seltener peinlich als Frauen.

    Eine Seelenverwandte. Findet man nicht so einfach.

    Solche Freundschaften sind ein Schatz den man hüten muss.

    Meinen langjährigsten Freund kenne ich seit der Schule, wir haben viele Interessen gemeinsam entwickelt, irre viel zusammen erlebt und daher immer Bezugspunkte. Die letzten Jahre sehen wir uns nur selten, da wir mittlerweile weit auseinander wohnen und beide familiär und beruflich eingespannt sind. Doch wenn wir uns sehen verstehen wir uns als wären wir nie getrennt gewesen.

  • Mit meinen FreundInnen gehe ich spazieren und rede über verschiedene Themen (Gesellschaftliches, Psychologie, Filme und Serien), wir essen Eis oder Kuchen und/oder schauen Serien. Serien schauen finde ich auch sehr entspannend, weil man/frau da a) nicht so viel reden muss, b) das Thema schon vorgegeben ist und c) man/frau sich da nicht dauernd ins Gesicht schauen muss (ist beim Spazieren gehen ähnlich).

    Tatsächlich mache ich mit all meinen FreundInnen eine Variante dieser Aktvitäten, fällt mir gerade auf. Aber bis jetzt hat sich noch niemand beschwert.


    Auch fällt es mir schwer dann als Außenstehende "neue Person" in bestehende Freundschaftskreise reinzukommen.

    Das geht mir auch so.

    Edited once, last by Eli: Ein Beitrag von Eli mit diesem Beitrag zusammengefügt. (June 18, 2024 at 10:58 AM).

  • Wie ist das bei euch abgelaufen, wenn ihr neue Kontakte kennengelernt habt, hat man sich 1x getroffen und dann wurde entschieden oder gab es eine längere Zeit des Kennenlernens?

    Zuletzt hatte ich mit einer gleichaltrigen Frau Kontakt, erst etwa 4 Wochen regelmäßig online, dann wollte sie sich mal treffen. Ich war auch einverstanden. Sie meinte dann aber, ein unverbindliches Treffen, wenn es doch nicht passt dass sie dann direkt wieder gehen kann. Für mich war das dann ein Grund, ein Treffen mir ihr abzulehnen.

    Ich bin nicht sehr extrovertiert, gerade beim ersten realen Treffen eher zurückhaltend und wirke unlocker usw. Wenn man vorher schon angekündigt bekommt, dass sie direkt wieder abhaut wenn es für sie nicht passt, dann ist das nicht der richtige Weg um mich wirklich kennen zu lernen. Erst beim 2. oder 3. Mal bin ich eben lockerer und offener usw.

    Bei mir würde zudem dieses "wenn es für mich nicht passt, dann gehe ich vielleicht direkt wieder" im Hinterkopf zusätzlich dazu führen, dass ich angespannt wäre, und das würde mich dann nochmal zusätzlich eher hemmen.

    Wenn man jetzt sagt man geht zusammen für eine Stunde durch den Park, oder in ein Cafe o.ä. Die Stunde könnte man dann doch auch herumbringen, ohne vorher abhauen zu müssen. Ein Bisschen kennen wir uns ja auch schon. Und falls man irgendwas blöd oder unpassend fand, kann man es hinterher besprechen und es vielleicht nochmal versuchen.

    Zumindest ich sehe es so, dass eine Freundschaft aufzubauen auch ein Prozess ist. Für ein Kennenlernen reicht aus meiner Sicht 1x treffen nicht, man kann auch mal einen schlechten Tag gehabt haben.


    Wie ist das bei euch abgelaufen, wenn ihr neue Kontakte kennengelernt habt, hat man sich 1x getroffen und dann wurde entschieden oder gab es eine längere Zeit des Kennenlernens?

    Mir fällt gerade ein, dass es tatsächlich bei allen Kontakten die ich hatte (aus der näheren oder weiteren Umgebung) nie weiter wie überhaupt mal zum ersten Treffen kam. Mit ein paar wenigen (ich meine 3 in den letzen 12-18 Monaten) war es nach dem 1. Treffen vorbei von deren Seite aus. Und mit den meisten kam es auch gar nicht so weit, weil einige es bspw. nicht hinbekommen hatten sich überhaupt um eine Terminfindung zu kümmern. Keine Zeit, keine Lust, vergessen, whatever. Aber von ihnen aus kam dann auch nie selbst ein Vorschlag.

    Die Kontakte von den Treffen waren allerdings auch fast alle nicht neurotypisch. Eine war bspw. atypisch autistisch, eine andere hatte eine Tochter mit Adhs usw. Weshalb ich mir eigentlich dachte (zum Beispiel bei der Mutter) das sie auch eher Verständnis hätten, für Menschen die nicht neurotypisch sind. Aber vermutlich hatte die Adhs Mutter aufgrund ihrer Tochter wirklich keine Zeit, oder auch selbst Adhs.

    Aber mit neurotypischen Menschen funktioniert es eben noch weniger, leider. Wenn man da nicht direkt aufgeschlossen und kontaktfreudig ist auf Anhieb, dann scheint man gleich als zu langweilig o.ä. zu gelten. Ich hatte auch schon neurotypische Kontakte, bei denen es immer ähnlich ablief. Wenn man anfangs nicht viel redet oder schüchtern ist, dann wird man gleich nach dem 1. Kennenlernen aussortiert.

    Edited once, last by Fussel: Ein Beitrag von Fussel mit diesem Beitrag zusammengefügt. (June 19, 2024 at 10:24 AM).

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