Mögliche Vor- und Nachteile einer KLINISCHEN (psychiatrischen) Diagnose?

  • auch wenn du lieber gehabt hättest, dass es ausgeschlossen wird, wie du schriebst.

    Mir wäre es lieber, ich wäre nicht autistisch, denn andere Diagnosen sind besser behandelbar. Mir war es aber immer wichtig die korrekte Diagnose zu erhalten. So war das zu verstehen.

    Und wenn es so ist, dann ist es eben so.

    Da ich sehr oft vom Smartphone aus schreiben muss, gelingt es mir manchmal aus Zeitgründen nicht alle Tippfehler zu sehen und zu korrigieren, auch wenn es mich beim späteren nachlesen sofort sehr stört, dann aber nicht mehr zu korrigieren sind.

  • Nimm dir jetzt einfach erstmal die Zeit dich von den letzten mit Sicherheit extrem anstrengenden Wochen etwas zu erholen. Bis es zum Herbst so richtig mit der Therapie losgeht ist noch Zeit sich damit in aller Ruhe näher auseinanderzusetzen.

  • Mir wäre es lieber, ich wäre nicht autistisch, denn andere Diagnosen sind besser behandelbar.

    Das ist jetzt nicht nur auf dich bezogen, sondern allgemein: ich habe das so schon sehr oft im Forum gelesen und ich muss sagen, ich finde das unlogisch, zumindest in vielen Fällen. Die meisten, die zur Autismus-Diagnostik gehen, dürften schon verschiedenes ausprobiert haben an Therapie und Selbsthilfe-Maßnahmen. Das hat dann i.d.R. alles nicht viel geholfen, deshalb kommt man irgendwann zu dem Autismus-Verdacht (also nicht allein deshalb, aber weil man weitersucht, was man für eine Störung haben könnte und selbstverständlich können auch ganz andere Faktoren zu dem Verdacht führen, wie z.B. dass ein Behandler den Verdacht ausspricht). So herum läuft es doch meistens ab. Deshalb gehe ich davon aus, dass dieses oben Zitierte etwas ist, was undurchdacht einfach "nachgeredet" wird.

    Es ist ja so, dass so einige erst durch den (bestätigten oder nicht bestätigten) Autismus-Verdacht passende Therapien und Methoden finden/ausprobieren.

    Also auch du hast ja vermutlich vor dem Verdacht schon so einiges versucht, deine Situation zu verbessern, vermutlich auch durch Therapie. Aber es hat alles nichts verbessert, sonst wärst du jetzt nicht in dieser Situation, in der du aktuell bist mit Arbeitsunfähigkeit, großer Überforderung usw. Es wäre also unlogisch, sich jetzt zu wünschen, nicht autistisch zu sein, denn dann stündest du genauso da wie vorher und hättest aber schon alles versucht, ohne Erfolg.

    Ich hoffe, das war verständlich und selbstverständlich kann es gut sein, dass, obwohl ich von "unlogisch" schreibe, meine eigenen Gedankengänge und versuchten Herstellungen von Zusammenhängen durchaus selbst unlogisch sein können.

    Edited 2 times, last by Lefty (April 24, 2024 at 7:29 PM).

  • Deshalb gehe ich davon aus, dass dieses oben Zitierte etwas ist, was undurchdacht einfach "nachgeredet" wird.

    Es ist ja so, dass so einige erst durch den (bestätigten oder nicht bestätigten) Autismus-Verdacht passende Therapien und Methoden finden/ausprobieren.

    Nein, es ist nicht „nachgeredet“. Zumindest nicht von mir.

    Auch bspw. ADS oder ADHS werden bei Frauen oft spät erkannt/diagnostiziert und die Betroffenen können unerkannt schon das ein oder andere probiert haben. Und ADS (was ja als Verdacht bei mir gegen Ende zumindest als Komorbidität im Raum stand) wäre bspw. medikamentös gut behandelbar gewesen.

    Und auch andere Gründe können erst spät entdeckt werden, ich hatte nie im Leben eine klassische Diagnostik bei einem Psychiater oder durch eine Klinik. Lediglich zwei Therapien und darauf folgende Disgnosen durch Therapeuten (reaktive Depressionen, V.a. Essstörung, V.a. generalisierte Angststörung). Ist ja jetzt auch nicht so von Belang im Detail.. Fakt ist: Ich hätte also auch „theoretisch“ eine Persönliichkeitsstörung haben können oder eine PTBS oder was es sonst noch so gibt, die nicht erkannt wurde.

    Ich finde eher deine Aussage wenig durchdacht. Deine Annahme jeder, der „irgendwann bei Autismus landet“, muss vorher schon alles mögliche an Diagnostik durchlaufen haben, halte ich für unvollständig. Sicher geht es einigen so. Die meisten von uns hier haben zumindest Erfahrung mit Therapien und Psychologen (so auch ich), aber nicht jeder wurde zwangsläufig schon klinisch mit irgend etwas (fehl)diagnostiziert.

    Quote

    Es wäre also unlogisch, sich jetzt zu wünschen, nicht autistisch zu sein, denn dann stündest du genauso da wie vorher und hättest aber schon alles versucht, ohne Erfolg.

    Ich habe auch immer gesagt, dass ich einfach die korrekte Diagnose für meine Probleme möchte. Wenn es Autismus ist, dann ist es so und dann „möchte“ ich das auch (wissen). Aber deswegen muss ich doch noch lange nicht sagen, dass ich mich „freue“ autistisch zu sein. Sich die korrekte Diagnose und somit adäquate Unterstützung zu wünschen und gleichzeitig zu denken, dass es schön wäre, garnicht erst autistisch zu sein, schließt sich doch nicht aus? Warum? Muss ich mich, nur weil ich mir erhofft habe rauszufinden, was mit mir los ist, es dann deswegen auch gut finden, dass es so ist? Das erschließt sich mir nicht.


    Die (auch von mir selbst erwartete) Erleichterung stellt sich bis jetzt nicht ein. Warum weiß ich nicht. Ich dachte schon, es würde mich erleichtern endlich nicht mehr nur stark zu vermuten sondern zu „wissen“, was die Ursache meiner Probleme ist, aber das tut es nicht. Vielleicht kommt das ja noch, wenn tatsächlich dann auch die Therapie los geht und das hilft oder auch vorher, wenn es bei mir richtig „angekommen“ ist und ich anfangen kann, damit konkret zu arbeiten. Es ist ja alles ein Prozess: die Vermutung, der konkrete Verdacht, die Diagnosestellung, die Verarbeitung der Diagnosestellung, die Umsetzung von Strategien und Hilfen…

    Ich hoffe, das war verständlich und selbstverständlich kann es gut sein, dass, obwohl ich von "unlogisch" schreibe, meine eigenen Gedankengänge und versuchten Herstellungen von Zusammenhängen durchaus selbst unlogisch sein können.

    Das weiß ich nicht, vielleicht erscheint einem manchmal nur das als unlogisch was den eigenen Gedankengängen nicht entspricht…


    Danke dir für deine Meinung, auch wenn ich sie nicht unbedingt teile :nod:

    Da ich sehr oft vom Smartphone aus schreiben muss, gelingt es mir manchmal aus Zeitgründen nicht alle Tippfehler zu sehen und zu korrigieren, auch wenn es mich beim späteren nachlesen sofort sehr stört, dann aber nicht mehr zu korrigieren sind.

  • Ich finde eher deine Aussage wenig durchdacht. Deine Annahme jeder, der „irgendwann bei Autismus landet“, muss vorher schon alles mögliche an Diagnostik durchlaufen haben, halte ich für unvollständig.

    ? Das habe ich doch gar nicht geschrieben.

    Ich schrieb:

    Die meisten, die zur Autismus-Diagnostik gehen, dürften schon verschiedenes ausprobiert haben an Therapie und Selbsthilfe-Maßnahmen.

  • Wegen "viel probiert haben", da habe ich zufällig heute einen Artikel gelesen, dass "austherapiert" nicht immer wirklich "austherapiert" bedeutet. Es kann auch heißen, dass man zwar z.B. eine Therapie probiert hat, aber nicht die richtige, oder der Therapeut hat nicht gepasst, oder man hat auch bei den Medikamenten noch nicht das richtige gefunden, oder die Diagnose stimmt nicht. In dem Artikel ging es um Angsterkrankungen, aber das passt bei anderen Diagnosen wahrscheinlich auch. (nebenbei geht's auch um Cannabis, aber ich fand den Rest eher interessanter)

    Therapieresistente Angsterkrankungen: Was hilft – und wovon sollte man besser die Finger lassen?
    Wenn gängige Präparate gegen Angststörungen nicht die gewünschte Wirkung erzielen, sollte man zunächst einen Wechsel der Medikation erwägen und klären, ob…
    www.medical-tribune.de

    Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
    (Howard Zinn)

  • Aber deswegen muss ich doch noch lange nicht sagen, dass ich mich „freue“ autistisch zu sein.

    Auch das habe ich nirgends geschrieben.


    Danke dir für deine Meinung, auch wenn ich sie nicht unbedingt teile :nod:

    Danke auch für deine Antwort :thumbup:

    Edited once, last by Lefty: Ein Beitrag von Lefty mit diesem Beitrag zusammengefügt. (April 24, 2024 at 8:16 PM).

  • Lefty wenn man Selnbsthilfemaßnahmen oder Therapien durchlaufen hat und es hat nichts davon geholfen, dann bedeutet es aber doch nicht zwangsläufig, dass es Autismus sein muss? Es gibt auch andere Gründe, warum Hilfemaßnahmen zur Therapien greifen, nämlich schlicht wenn es noch nicht das Richtige war. Aber es bedeutet nicht, dass man zuvor schon alles ausgeschlossen hat, was es gibt, außer Autismus. Deiner Schlussfolgerung nach, wäre das aber so, denn du schriebst ja:

    Die meisten, die zur Autismus-Diagnostik gehen, dürften schon verschiedenes ausprobiert haben an Therapie und Selbsthilfe-Maßnahmen. Das hat dann i.d.R. alles nicht viel geholfen, deshalb kommt man irgendwann zu dem Autismus-Verdacht (also nicht allein deshalb, aber weil man weitersucht, was man für eine Störung haben könnte und selbstverständlich können auch ganz andere Faktoren zu dem Verdacht führen, wie z.B. dass ein Behandler den Verdacht ausspricht). So herum läuft es doch meistens ab.

    Das Fett gedruckte verstehe ich so: Autismus ist die einzige Erklärung. Aber defakto ist das ja nicht so, es gibt ( eben grundsätzlich)auch viele andere Gründe, warum eine Therapie nicht greift. Die Antwort ist ja nicht immer Autismus!


    Vielleicht habe ich das falsch verstanden? Aber für mich liest sich das eindeutig so und deswegen schrieb ich dann das :

    Quote


    Ich finde eher deine Aussage wenig durchdacht. Deine Annahme jeder, der „irgendwann bei Autismus landet“, muss vorher schon alles mögliche an Diagnostik durchlaufen haben, halte ich für unvollständig.

    Da für mich das die logische Schlussfolgerung laut deiner Argumentation wäre (dass man alles andere außer Autismus ausgeschlossen hat).

    Da ich sehr oft vom Smartphone aus schreiben muss, gelingt es mir manchmal aus Zeitgründen nicht alle Tippfehler zu sehen und zu korrigieren, auch wenn es mich beim späteren nachlesen sofort sehr stört, dann aber nicht mehr zu korrigieren sind.

    Edited 3 times, last by Zephyr (April 24, 2024 at 8:37 PM).

  • Das hast du falsch verstanden.

    Kriege es nicht hin, es zu erklären. Mir geht es darum, man ist hier im Forum gelandet, geht zur Autismus-Diagnostik - das geschieht ja nicht ohne Grund. Der Verdacht ist ja da. Also warum dann so tun, als wäre man für alles offen? Ist man auch in einem Schizophrenie-Forum angemeldet? In einem Borderline-Forum? In einem Depressions-Forum? Usw. usf.

    Ich nehme an, ich kann mich nicht verständlich machen, deshalb würde ich es jetzt hierbei belassen wollen. Wollte meine Gedanken "teilen", klappt mal wieder nicht. Nichts Neues, kein Problem :thumbup:

    Edited once, last by Lefty (April 24, 2024 at 8:36 PM).

  • Nimm dir jetzt einfach erstmal die Zeit dich von den letzten mit Sicherheit extrem anstrengenden Wochen etwas zu erholen. Bis es zum Herbst so richtig mit der Therapie losgeht ist noch Zeit sich damit in aller Ruhe näher auseinanderzusetzen.

    Ja, es war viel und vermutlich kann ich deswegen dazu noch nichts „fühlen“. Somit auch keine Erleichterung.

    Da ich sehr oft vom Smartphone aus schreiben muss, gelingt es mir manchmal aus Zeitgründen nicht alle Tippfehler zu sehen und zu korrigieren, auch wenn es mich beim späteren nachlesen sofort sehr stört, dann aber nicht mehr zu korrigieren sind.

  • Das hast du falsch verstanden.

    Kriege es nicht hin, es zu erklären. Mir geht es darum, man ist hier im Forum gelandet, geht zur Autismus-Diagnostik - das geschieht ja nicht ohne Grund. Der Verdacht ist ja da. Also warum dann so tun, als wäre man für alles offen? Ist man auch in einem Schizophrenie-Forum angemeldet? In einem Borderline-Forum? In einem Depressions-Forum? Usw. usf.

    DAS wiederum verstehe ich jetzt ;).

    Natürlich geschieht es nicht ohne Grund, aber man kann deswegen nicht davon ausgehen, dass jeder der Autismus bei sich vermutet, alles andere (für sich) schon ausgeschlossen hat. Es könnte ja, theoretisch auch jemand zu Beginn seiner Ursachenforschung auf Autismus gestoßen sein und am Ende stellt sich heraus es ist Borderline (nur als Beispiel).

    Ich kann nur für mich sprechen:

    Borderline habe ich ein paar Sachen drüber gelesen, passt aber nicht. Die Psychologin fand das auch nicht passend übrigens.

    Depressionen: habe ich, reaktive. Aber da war eben noch „mehr“. Und sie sind auch nie mein Hauptproblem gewesen, aber ja: ich habe mich auch schon mit anderen depressiven Menschen unterhalten, bzw. darüber sehr viel gelesen. Es war aber eben nur ein Puzzleteil.

    Schizophrenie: passt nicht.


    Hochsensibilität: (hast du nicht aufgeschrieben, aber war lange MEIN Verdacht): ja , vermutlich bin ich AUCH hochsensibel, aber es blieben symptomatische Puzzleteile übrig.


    Hochbegabung (hat auch symptomatische Überschneidungen mit Asperger, insbesondere wenn noch Hochsensibilität dazu kommt und HB tritt oft mit HS zusammen auf): bin ich, aber sehr heterogen, erklärt auch einige Dinge garnicht (es bleiben weiterhin ungeklärte Puzzleteile übrig).


    ADS/ADHS: ich habe einiges über ADS und ADHS gelesen (und meine Kinder und mein Mann sind betroffen): hat für mich gedanklich nie gepasst, aber ein paar Symptome sehr wohl, aber weil es nicht so sehr zugetroffen hat, habe ich mich nie so tief ins Thema eingelesen, was AD(H)S bei FRAUEN angeht und vor allem ohne Hyperaktivität, da äußert sich das nämlich auch anders als bei ADH!S und da gab es dann Aspekte, die ich bis vor kurzem auch nicht wusste und erst durch den Verdacht der Psychiaterin recherchiert habe. Von daher war das etwas, was ich zuletzt für mich nicht ausgeschlossen hätte, wobei da die mündliche Bestätigung, dass Asperger vorliegt, schon gegeben worden war.


    So, nun bin ich aber wirklich sehr Psychologie-interessiert, lese gern und viel darüber. Das sind ja nicht alle (Verdachts)Autisten. Und ich kam überhaupt auf das Thema Autismus, weil es zuvor bei meinen Kindern diagnostiziert wurde. Wer weiß ob ich sonst jemals darauf gekommen wäre, dass ich autistisch sein könnte. Das ist meine Geschichte.

    Andere (Verdachts)Autisten kommen ja aber eventuell über ganz andere Wege auf den Verdacht autistisch zu sein und haben andere mögliche Gründe für ihre Besonderheiten noch garnicht groß in Erwägung gezogen oder sind sich der anderen möglichen Diagnosen nicht bewusst. Das trifft nicht bei mir zu, aber vielleicht bei anderen. Und du meintest ja zu Beginn, dass du es unlogisch findest, den Verdacht selbst zu haben und dann mit der Diagnose „zu hadern“ (nicht wörtlich, aber so ist es bei mir angekommen, denn du hast ja auf den Satz reagiert, dass ich mir wünschen würde, ich wäre nicht autistisch, es dann aber verallgemeinert). Letztendlich hatte ich natürlich berechtigte Gründe, Autismus zu vermuten, aber es blieb natürlich eine Möglichkeit, dass ich eine psychische Erkrankung oder Störung „übersehen“ habe, die auch passen könnte, wie z.B. ADS bei FRAUEN. Ich bin zwar gut informiert, aber dennoch begebe ich mich ja in diagnostische Obhut, um es von fachlicher Seite abklären zu lassen, da ich mir nicht sicher bin und mir sicher sein möchte, damit ich damit arbeiten kann. Es hätte ja sein können, dass ich mich irre.

    Da ich sehr oft vom Smartphone aus schreiben muss, gelingt es mir manchmal aus Zeitgründen nicht alle Tippfehler zu sehen und zu korrigieren, auch wenn es mich beim späteren nachlesen sofort sehr stört, dann aber nicht mehr zu korrigieren sind.

  • Mir geht es darum, man ist hier im Forum gelandet, geht zur Autismus-Diagnostik - das geschieht ja nicht ohne Grund. Der Verdacht ist ja da. Also warum dann so tun, als wäre man für alles offen? Ist man auch in einem Schizophrenie-Forum angemeldet? In einem Borderline-Forum? In einem Depressions-Forum?

    Bevor ich die Autismus Diagnose bekommen hatte wusste ich nicht genau was Autismus ist. Der Verdacht kam von meinem damaligen Therapeuten nach 13 Jahren Therapie. Er meinte ich hätte eher keine Angststörung weil da die 13 Jahre Therapie (ca. 15-20 verschiedene Therapeute und Psychiater waren daran beteiligt seit Kindheit) ja irgendwas hätten bewirken mussten. Ich habe mich über jede Diagnose die ich bekommen habe belesen und mich zwar nicht in Foren angemeldet aber viel gelesen wie Leute behandelt werden und wovon sie profitieren. Als ich dann nach einem Jahr Diagnostik die Diagnose bekam hieß es ich bräuchte keine Autismustherapie da ich bereits in betreutem Wohnen gewohnt habe wo mir im Alltag bei sozialen Dingen geholfen wird. Auch wurde mir erklärt warum ich Reizüberflutung und fehlende soziale Fähigkeiten habe und warum dies keine Ängste sind.

    Der Vorteil der Diagnostik war dass ich nicht weiterhin erfolglos Therapie gegen die "Angststörung" oder "Depressionen" machen musste denn diese Diagnosen waren nun verschwunden und diese Erkrankungen galten als geheilt da ich nun eben lernen konnte nicht GEGEN Depressionen/Angststörung abzuarbeiten sonder MIT den Autismus daran zu lernen ein erfülltes Leben zu haben.

    Dazu bekam ich recht schnell eine volle Erwerbsminderungsrente und einen Schwerbehindertenausweis und ein paar Jahre später einen Pflegegrad (zu dem aber auch körperliche Erkrankungen beitrugen. Mangelnde Kommunikationsfähigkeiten werden bei der Begutachtung trotzdem bewertet).

  • Zephyr Deine Erklärung kann ich gut nachvollziehen, Danke für deine Mühe.

    defined Danke für deinen Bericht.


    Ich selbst hatte mich übrigens sogar mal in einem Borderline-Forum angemeldet, um dort lesen zu können, weil man sonst nichts dort lesen konnte. Da konnte ich mich schnell von abgrenzen, auch Bücher hatte ich zum Thema gelesen. Aber die Threads im Forum waren deutlich aussagekräftiger als alles, was in den Büchern stand. Von meinem Psychiater/Therapeut wurde auch jegliche Persönlichkeitsstörung ausgeschlossen.

    Und im Forum für schizoide Persönlichkeitsstörung hatte ich auch quer gelesen. Dort habe ich besonders schnell gemerkt, dass das nicht "meine Schublade" ist.

    Edited 3 times, last by Lefty: Ein Beitrag von Lefty mit diesem Beitrag zusammengefügt. (April 24, 2024 at 9:32 PM).

  • Aber defakto ist das ja nicht so, es gibt ( eben grundsätzlich)auch viele andere Gründe, warum eine Therapie nicht greift. Die Antwort ist ja nicht immer Autismus!

    Bei mir war die nichtgreifende Therapie nur ein Hinweis, noch ein Hinweis war, dass eben nicht alles beantworten worden ist, an Auffälligkeiten von mir.

    Ich finde letzten Punkt sehr wichtig. Interessant fand ich die Aussagen anderer ASS-SHG-Teilnehmer, dass spezifische Therapien wenig bis gar nicht hilfreich waren.

    Das finde ich wiederum merkwürdig.

  • Interessant fand ich die Aussagen anderer ASS-SHG-Teilnehmer, dass spezifische Therapien wenig bis gar nicht hilfreich waren.

    Finde ich schwierig zu bewerten, man weiß ja wahrscheinlich nicht was an anderen Diagnosen noch vorhanden ist und ob die Person in der Therapie gut mitgearbeitet hat?

    Lefty, hast du dich denn in den Beschreibungen in Autismusforen wieder gefunden?

    Ich habe eine Menge Diagnosen und finde mich in Selbsthilfegruppen/Foren o.ä. eigentlich fast nie wieder. Ich habe was Autismus angeht zB keine Organisationsprobleme im Alltag wovon ich hier erschreckend viel gelesen habe. Das einzige wo ich mich bei Autismus wiederfinde sind die Probleme was Partnerschaften zu finden angeht aber da kenne ich insbesondere viele heterosexuelle Männer denen das genau so geht.

    Was meine körperlichen Erkrankungen angeht finde ich mich gar nicht wieder weil ich durch solche Gruppen erfahren habe dass andere Menschen psychologisiert werden (passiert mir nicht weil ich quasi keine Emotionen zeige beim Arzt, die sind erstaunt dass ich als Autist ja psychisch krank bin), ihren Ärzten nicht vertrauen und ein schlechtes Verhältnis zu ihnen haben und sich nicht darum kümmern psychisch gesund zu bleiben trotz Einschränkungen im Alltag.

    Von dem was andere Menschen über ihre Erkrankungen schreiben würde ich es also nicht abhängig machen ob ich denke eine Diagnose die ich erhalte passt zu mir. Besonders wenn es eh nur um Laborparameter geht bei körperlichen Erkrankungen hat das für mich keinen "Gruppenidentität"-Faktor. Und es gibt ja sogar den negativen Begriff Krankheitsidentität, ich bin der Meinung dieses Problem vermeidet man wenn man sich nicht durch Gruppen so viel damit beschäftigt krank zu sein.

    Ob ich mich als Autist identifiziere weiß ich nicht denn ich weiß ja nicht wie es wäre kein Autist zu sein. Ich bin definitiv stolz darauf so rational zu sein wie ich es bin und darauf dass ich gutes logisches Denken habe, auch darauf wenig Emotionen zu zeigen (habe es in der Pubertät ausprobiert was nach hinten los ging) und darauf einen roten Faden im Leben zu haben und zB nicht meine kulturelle Identität zu wechseln o.ä.. Das sind aber laut meinem Therapeuten alles Dinge die auch nicht autistische Menschen haben und machen Und ich habe im Freundeskreis auch nicht autistische Menschen die diese Charaktereigenschaften haben und stolz darauf sind. Bevor ich die Autismusdiagnose bekam hatte ich diese Charaktereigenschaften auch schon ganz gerne.

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