Auswirkungen von Corona-Maßnahmen

  • Hallo zusammen,

    ich möchte hier auf die Corona-Maßnahmen und die Auswirkungen auf euch zu schreiben kommen. Ich möchte hier nicht inhaltlich die Maßnahmen diskutieren, sondern ob - und wenn ja, wie - sie euch verändert haben.

    Ich war vorher sehr angepasst und hatte über verschiedene Interessensgruppen sehr viele Kontakte. Keine engen Freundschaften, aber ich konnte mich über meine Interessen austauschen. Ich war sogar so weit, dass ich meinem großen Interesse, Handball, trotz des Lärms in der Halle nachgehen konnte. Als Zuschauer. In einer Mannschaft hätte ich es nicht ausgehalten.

    Da die Kontakte oberflächlich waren, war ich während Corona fast nur alleine und alle drei bis vier Wochen lediglich bei meinen Eltern.

    Nach fast zwei Jahren Isoka schaffe ich es nicht mehr in die Handballhalle. Selbst Cafés sind für mich kaum noch möglich, wenn ich von allen Seiten Stimmen höre.

    Auch die ganzen sozialen Fortschritte, die ich gemacht habe, sind so gut wie weg. Früher fühlte ich mich bei Themenstammtischen zumindest halbwegs dazugehörig. Jetzt fühle ich mich da wieder wie ganz früher als Fremdkörper.

    Ich habe das Gefühl, in den letzten vier Jahren das verloren zu haben, was ich mir in den Jahren vor 2020 sozial sehr mühsam über viele Jahre aufgebaut habe, weil ich halt immer nur ganz langsam konnte.

    Und obwohl ich wieder ein etwas sozialeres Leben aufbauen möchte, kann ich das nicht mehr. Obwohl ich sonst sehr redegewandt bin kann ich das leider gar nicht beschreiben...

    Gefühlt haben mir die Maßnahmen sehr geschadet. Auch wenn ich dafür niemandem einen Vorwurf mache. Sie hat ja niemand getroffen, um mir bewusst zu schaden.

    Wie geht es euch damit? Hat euch Corona verändert? Positiv oder negativ? Oder ist alles so geblieben wie früher?

  • Quote from Lonesome

    Hat euch Corona verändert?

    Nein, Corona nicht aber die Maßnahmen.

    Kein Sport mehr, keine Kontakte außer Arbeitskollegen. Keine Konzerte/Kultur/Reisen.
    Das hinterlässt Spuren.

  • Bei den Lockdowns konnte ich zur Ruhe kommen, allerdings waren diese viel zu lang. Gegen 3 Wochen Lockdown light pro Jahr hätte ich nichts einzuwenden (einfach alle Feiern und Versammlungen weglassen).

    Ich glaube auch, dass meine soziale Fertigkeiten gelitten haben. Diese Rückmeldung habe ich von anderen bekommen. Das ist sehr schmerzhaft, wenn man solche Rückmeldungen bekommt. Aber auch hilfreich.

    Eine Rückmeldung war konkret: Beim Grüßen und Verabschieden versuchen ein freundliches Gesicht zu machen und IMMER in die Augen schauen. Ich habe manchmal die Angewohnheit sowas zu vergessen.
    Auch habe ich ein größeres Ruhebedürfnis als früher.

    Edited 3 times, last by Flussmonster (November 15, 2023 at 8:49 PM).

  • Gefühlt haben mir die Maßnahmen sehr geschadet.

    Mir auch. Die ganze Zeit der Lockdowns war surreal (weil ich vollkommen allein war abgesehen von einem wöchentlichen Termin bei meiner Psychotherapeutin). Im Gegensatz zu dir hat sich aber seit dem für mich das Leben einigermaßen wieder wesentlich verbessert (vollkommen zufällig und unerwartet, einfach weil eine mir ehemals nahestehende Person wieder da ist). Ich weiß nicht ob die Lockdowns gerechtfertigt waren oder ein Verbrechen aber das muss nicht ich entscheiden. Auf jeden Fall waren sie für mich in meinen Umständen kaum auszuhalten.

    Dass meine Beiträge so oft editiert werden hat meistens aber nicht immer damit zu tun dass ich sowohl grammatikalische oder syntaktische wie auch stilistische oder einfache Schreibfehler nicht immer sofort sehe und sie deswegen nachträglich korrigieren muss.

    Edited 3 times, last by Unbewohnte Insel (November 15, 2023 at 9:14 PM).

  • Ich war, ehrlich gesagt, total glücklich über Lockdown.
    Endlich war das Allein-/Isoliertsein normal und sogar geboten.

    Auch die Auszeit von meiner Arbeit hat mir sehr gutgetan. Kein Stress mehr, keine Verantwortung. Ich bin zu vielen Sachen gekommen, für die ich sonst keine Kraft hatte (mich um Garten kümmern, gründlicher Wohnungsputz, ausmisten, joggen etc.).

    Irgendwann ging die Arbeit weiter, aber zum ersten Mal vom Homeoffice aus. Das war für mich eine sehr gute Erfahrung. Ich konnte zuhause in Ruhe richtig viel leisten.

    Ich habe mir immer gewünscht, dass der Lockdown weitergeht und ich weiter von Zuhause arbeiten kann. Das ging dann auch über lange Zeit.

    Mittlerweile ist für mich aber alles wieder normal und die Zeit hat keine Spuren bei mir hinterlassen.

  • Ich war, ehrlich gesagt, total glücklich über Lockdown.
    Endlich war das Allein-/Isoliertsein normal und sogar geboten.

    Danke. Ich hab's mich nicht getraut zu schreiben.


    Und irgendwie war's mal beruhigend nicht allein allein zu sein.
    Und irgendwie mal das Gefühl haben zu können, den anderen etwas voraus zu haben, nämlich besser mit dem Isoliertsein klarzukommen.

    Edited 2 times, last by aquarelle (November 15, 2023 at 10:55 PM).

  • Die Corona Maßnahmen hatten keine negativen Auswirkungen auf mich. Meine schon immer eingeschränkten Fähigkeiten zu sozialen Interaktionen haben sich in der Zeit weder verbessert noch verschlechtert.
    Sehr positiv ist für mich, dass ich auch nach Beendigung der Corona Maßnahmen zu 80% weiter im Homeoffice arbeiten darf. Das schenkt mir Energiereserven, die ich vorher nie hatte.

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    Glaub nicht alles, was du denkst.
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  • Ich merke schon einen Unterschied bei den sozialen Fähigkeiten. Ich halte weniger Blickkontakt und muss mich, wenn ich mal in einer Situation angepasst sein sollte oder sein will, (noch) mehr anstrengen als früher. Das ständige Auf-sich-selbst-bezogen-sein hat auf jeden Fall etwas verändert. Ich denke manchmal gar nicht daran, dass noch andere da sind, die irgendwas von mir erwarten.

    Momentan habe ich auch den Eindruck, dass ich ein größeres Bedürfnis nach Kommunikation habe als vorher, obwohl sie mich gleichzeitig mehr anstrengt. Das ist ein bisschen ungünstig.

    Im Beruf macht man ja sowieso immer einen Spagat zwischen Anpassung und Man-selbst-sein.
    Ich schaffe berufliche Termine nicht mehr so wie früher, ich bin auch deswegen gerade krankgeschrieben, weil mein Hirn nach zwei Außendienstterminen gleich wieder eine Auszeit brauchte (konnte nicht mehr schlafen, hatte vermehrt Parasomnien, und Magen u. Darm haben auch verrückt gespielt).
    Das Homeoffice finde ich zwar gut, aber ich habe mich so daran gewöhnt, dass es mir jetzt extrem schwer fällt, wenn ich doch mal ins Büro fahren muss, und natürlich hat auch die Integration ins Team darunter gelitten.

    Ich habe noch die Hoffnung, dass es sich mit der Zeit wieder einspielt, wenn ich zum alten Pensum zurückkehre und mich wieder daran gewöhne.

    Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
    (Howard Zinn)

  • Klar, wenn man den Luxus von Homeoffice hat, dann kan man wenigstens ganz zuhause bleiben.
    Aber Ansteckungsgefahr nur im Privaten ist völliger Blödsinn.

    Aber ein Positives ja: Beim Lebensmitteleinkauf sind einem die Menschen nicht auf die Pelle gerückt (RW).

  • Corona hat viel zerstört und auch anders gemacht. Erst jetzt wächst mein Musikverein wieder langsam zusammen, werden die Treffen meiner Hobybrauergruppe wieder zu dem, was sie mal waren.

    Auf der anderen Seite sind die Menschen regelrecht ausgehungert. Wir hatten für unser Sommerkonzert für 200 Gäste bestuhlt.
    Das war das erste Mal, das wir noch zusätzlich Bänke und Stühle bereit stellen mussten

    Als großer Feuerwerk Liebhaber waren die Jahre mit Verbot schlimm.Es wurde von Resten gezehrt, auf verschlungenen Wegen legal Ware besorgt und jeder dachte, der normale Bürger wollte kein Feuerwerk mehr, auch befeuert durch die Medien.
    Und was war? Riesige Schlangen vor den Discountern als es endlich wieder erlaubt war!

  • Wenn ich

    Die ganze Zeit der Lockdowns war surreal (weil ich vollkommen allein war abgesehen von einem wöchentlichen Termin bei meiner Psychotherapeutin).

    mit

    Ich war, ehrlich gesagt, total glücklich über Lockdown.

    Ich fand die Zeit sehr sehr angenehm und friedlich.
    Um einiges weniger los

    dann merke ich dass eventuell Leute (ich, Chloe und Dhaofey zum Beispiel) die scheinbar über dasselbe Ereignis (die Lockdowns) schreiben in Wirklichkeit über ganz unterschiedliche Ereignisse schreiben (die Lockdowns in konkretem Bezug auf eine bestimmte Lebenssituation). Wenn zum Beispiel von jedem Bürger eine Einkommensminderung von 1000 Euro im Monat gefordert wird um irgendeine Sache zu fördern wird die Maßnahme zu ganz unterschiedlichen Ereignissen führen abhängig davon ob man vor der Maßnahme ein Einkommen von 1000 oder 5.000 oder 100.000 Euro hatte.

    Es macht keinen Sinn Erfahrungsberichte über die psychologische Auswirkung einer Einkommensminderung von 1000 auf 0 Euro mit Erfahrungsberichten über die psychologische Auswirkung einer Einkommensminderung von 100.000 auf 99.000 Euro zu sammeln als ob man über die psychologische Auswirkung ein und desselben Ereignisses sprechen würde. Man lernt nur dass Leute in ganz anderen finanziellen Ausgangspositionen waren als das Ereignis eintritt und nichts über die Psychologie der Betroffenen. Die Ereignisse sind nicht dieselben.

    Als jemand der vollkommen isoliert war während der Lockdowns macht es (für mich) nur Sinn Erfahrungsberichte auszutauschen mit Menschen die auch vollkommen isoliert waren, weil die anderen (die nur etwas weniger Stress im Alltag hatten) ein anderes Ereignis erlebt haben und nicht die vollkommene Isolation. Ich kann mir vorstellen dass es Menschen gab die im Gegensatz zu mir es schön fanden vollkommen isoliert zu sein und mit denen würde es (für mich) Sinn machen die unterschiedlichen Reaktionen auf dasselbe Ereignis (die vollkommene Isolation) zu besprechen.

    Dass meine Beiträge so oft editiert werden hat meistens aber nicht immer damit zu tun dass ich sowohl grammatikalische oder syntaktische wie auch stilistische oder einfache Schreibfehler nicht immer sofort sehe und sie deswegen nachträglich korrigieren muss.

    Edited 3 times, last by Unbewohnte Insel (November 16, 2023 at 7:33 AM).

  • Ich denke, Resilienz spielt auch eine große Rolle dabei. Wer zu wenig davon hat, ist nicht anpassungsfähig.

    Für mich hatte Covid nachträglich keine negativen Auswirkungen. Dass es mittlerweile mehr Online-Unterricht gibt, empfinde ich als positiv.

    Der erste Lockdown war beruflich hart für mich, da ich schon wieder arbeitslos wurde und darauf in Panik geriet.
    Privat war ich zwar auch allein, aber den Zustand hatte ich ja auch ohne Covid oft. Mein Lebensstil war - wie hier schon jemand schrieb - plötzlich normal.
    Und die Ruhe war herrlich. Ich wohne ja hier im Zentrum.
    Trotzdem hat es natürlich auch Vorteile, wenn es keinen Lockdown gibt! Gerade wenn man wie ich kaum bis gar keine privaten Kontakte hat, sind irgendwelche Gruppen/ Vereine ja die einzige Möglichkeit, um unter Leute zu kommen.

  • Ich war vorher schon sehr isoliert, jahrelang extrem ohne irgendwelche Kontakte. Das einzige was ich an sozialer Interaktion hatte im Privaten waren die monatlichen Forentreffen. Ich war natürlich nicht begeistert, dass die zeitweise nicht stattfinden durften, weil ich dadurch wieder extrem isoliert war, aber es war auszuhalten. Ich habe davon keinen nachhaltigen Schaden. Ich habe aber auch eine gute Resilienz.

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    Glaub nicht alles, was du denkst.
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  • Ich denke, Resilienz spielt auch eine große Rolle dabei. Wer zu wenig davon hat, ist nicht anpassungsfähig.

    Ich habe aber auch eine gute Resilienz.

    Ich dachte Menschen seien soziale Wesen.

    Dass meine Beiträge so oft editiert werden hat meistens aber nicht immer damit zu tun dass ich sowohl grammatikalische oder syntaktische wie auch stilistische oder einfache Schreibfehler nicht immer sofort sehe und sie deswegen nachträglich korrigieren muss.

  • Bei mir waren die Corona Maßnahmen Fluch und Segen. Fluch deshalb, weil dadurch im Prinzip die meisten Dinge zerstört sind, die ich mir mühselig aufgebaut habe und immer noch darunter „leide“, Segen deshalb weil ich ohne diese nicht zur Diagnostik gekommen wäre (oder wesentlich später).

    Man sollte nicht alles glauben, was man denkt (Heinz Erhardt)

    Autismus ist keine Krankheit, sondern eine Lebenseinstellung!

  • Ich dachte Menschen seien soziale Wesen.

    Ja, die (grubdlose) totale soziale Isolation etliche Jahre vor Corona hat mich krank gemacht, aber eine vorübergehende Maßnahme auszuhalten, ist etwas anderes. Davon kann ich viel leichter regenerieren und es gat mich zwar genervt, aber nicht krank gemacht.

    Allerdings verstehe ich auch, wenn Menschen empfindlicher auf solche Maßnahmen reagieren und nicht diese Resilienz mitbringen.

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    Edited once, last by kim (November 16, 2023 at 9:13 AM).

  • Ich glaube nicht, dass das nur was mit Resilienz zu tun hat, das ist doch etwas zu einfach als Erklärung. Ich denke eher, dass Menschen, die die Maßnahmen gut und richtig fanden, sehr schwer zugeben können, dass vielleicht doch nicht alles so gut war. Menschen, die anfangs unvoreingenommen waren und dann gemerkt haben, dass sie negative Auswirkungen spüren, können objektiver sein. Menschen, die die Maßnahmen von Anfang an falsch fanden, werden auch eher die negativen Auswirkungen wahrnehmen. Ich selbst, die ich am ehesten zur dritten Gruppe gehöre, sehe aber dennoch auch die positiven Seiten, nur stelle ich fest, dass sie bei Weitem nicht die negativen aufwiegen. Die negativen sind nicht wegzudiskutieren, das zeigen ja auch viele Entwicklungen in der Gesellschaft allgemein, nicht nur im Leben von Autisten. Das wäre mit etwas mehr Fingerspitzengefühl und weniger Hysterie und Populismus ein Stück weit vermeidbar gewesen.

    Dazu kommt die erwähnte Tatsache, dass die Ausgangssituationen unterschiedlich waren.
    Ich denke aber, es geht hier nicht darum, zu diskutieren, ob die Maßnahmen politisch gesehen gut oder schlecht waren (das haben wir ausgiebig schon gemacht), sondern einfach zu beschreiben, wie es sich auf einen persönlich ausgewirkt hat. Das sollte dann auch so stehenbleiben können.

    Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
    (Howard Zinn)

  • Ich habe nicht behauptet, dass Resilienz alles erklärt. Das ist nur ein wichtiger Faktor.

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  • Ich habe die Isolation gut überstanden, da plötzlich jemand zu meinem Umfeld dazugestoßen war. Außerdem fand ich die Entlastung auf der Arbeit gut, als wir zeitweise zu Hause bleiben mussten. Auch fand ich den Abstand zu anderen gut, der eingehalten werden musste. Egal ob beim Einkaufen oder Veranstaltungen. Das hatte mehr Freiraum. Auch wurde meine Lebensweise zur Norm...
    Ich hab ein paar soziale Fähigkeiten verlernt, die ich aber wieder aufgeholt habe. Das Bewegen in Gruppen war ungewohnt.
    Insgesamt war Corona kein Problem für mich.

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